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Glocken

Glocken gelten als das Sinnbild der Harmonie. Auch schreibt man ihnen die Fähigkeit zu, durch ihr Geläut Himmel und Erde miteinander zu verbinden. Die kulturelle und spirituelle Bedeutung der Glocken hat Alexander Solschenizyn in der Erzählung "Am Oka-Fluß entlang" auf den Punkt gebracht: "Schon immer waren die Menschen selbstsüchtig und oft wenig gut: Aber das Abendläuten erklang, schwebte über den Feldern, über dem Wald. Es mahnte die unbedeutenden, irdischen Dinge abzulegen, Zeit und Gedanken der Ewigkeit zu widmen. Dieses Läuten bewahrte die Menschen davor, zu vierbeinigen Kreaturen zu werden."

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Glockenguss in der Eifel (4'20'')
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Die Ursprünge in China

Die ersten Glocken tauchten vor zirka 5000 Jahren in China auf. Zunächst benutzte man Klingsteine, später kamen Frucht- und Klangschalen hinzu, aus denen sich die Glocken entwickelten. Ihr Hohlraum war die Maßeinheit für Getreide, ihr Durchmesser gab das Maß der Länge vor. Jeder chinesische Kaiser hatte das Recht, eine neue Glocke nach eigenen Maßen gießen zu lassen, die während seiner Regentschaft im gesamten Reich eingeführt wurden. In der Kulturgeschichte gelten Glocken als die ältesten Musikinstrumente überhaupt, die vor allem bei kultischen und religiösen Handlungen erklangen. Die Handglocke, Ghanta genannt, war unverzichtbares Instrument im buddhistischen Ritus. Die Vorliebe im Buddhismus gilt jedoch der großen Glocke. Die größte klingende Glocke weltweit ist die Mingun-Glocke in Birma. Sie wiegt 90 Tonnen und hat einen Durchmesser von fünf Metern. Für die Glocke wurde eigens ein Tempel geplant, der jedoch nie fertiggestellt wurde und das ganze Land finanziell ruinieren sollte. Die Neubau-Ruine ist heute noch zu besichtigen.

Der Glockenturm des Klosters Mar Antonius Qozhayades im Libanongebirge, der sich direkt vor einer steilen Felswand befindet. (Rechte: mauritius images)

Schon im frühen Christentum gab es Glocken

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Glocken im Christentum

Die ersten Glocken, die von christlichen Schriftstellern erwähnt werden, sind die zwölf Glöckchen am Rocksaum des Hohepriesters. Der Zahl Zwölf kommt im christlichen Glauben eine große symbolische Bedeutung zu. So steht die Vier für die vier Elemente und repräsentiert die Erde selbst. Die Drei steht für das Göttliche und beide Zahlen miteinander vervielfacht drücken das Unbegreifliche schlechthin aus. Im Christentum avancierte die Glocke zum unumstrittenen akustischen Symbol für die Verkündigung der christlichen Botschaft. Sie hatte aber auch eine praktische Bedeutung. In den Mönchsgemeinschaften des frühen Christentums läuteten die Glocken, um den Tag zu gliedern. Zu den sieben Gebetszeiten rief jedesmal die Glocke die Mönche zusammen. Diese Funktion wurde bald auf christliche Gemeinden ausgedehnt. Die Glocken sollten den Tag der Christen ordnen und sie zum gemeinsamen Gebet versammeln.

Im Verlauf des Kirchenjahres werden, je nach Anlass, unterschiedliche Glocken geläutet. Manche Glocken erklingen nur an hohen Feiertagen wie Weihnachten und Ostern. Andere Glocken sind für die Gestaltung des Gottesdienstes unverzichtbar: Sie ertönen als Einladung zur Messfeier, beim Vaterunser oder bei der Wandlung während der Eucharistiefeier. Dass die Menschen ihren Glocken Namen geben, wie zum Beispiel die "Jesaja" aus der Dresdner Frauenkirche, zeigt, welch enge Beziehung die Menschen zu ihren Glocken hatten und immer noch haben.

Der sogenannte 'Glockenfriedhof' im Hamburger Hafen war während des Zweiten Weltkrieges eine Sammelstelle von Glocken zum Einschmelzen. Nach 1945 konnten viele Glocken zurückgegeben werden, die Glocken unbekannter Herkunft verblieben bis auf weiteres in der Sammelstelle. (Rechte: akg-images / Erich Lessing)

Eine Sammelstelle von Glocken zum Einschmelzen (Zweiter Weltkrieg)

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Glocken in Europa

In Europa erlangte die Glocke neben der kirchlichen auch eine weltliche Bedeutung, was ihre Verwendung bei den unterschiedlichsten Anlässen zeigt: Friedensgeläut, Wetter- und Pestglocken sowie Mord- und Revolutionsgeläute. Während Kriegszeiten war Glocken oft ein trauriges Schicksal bestimmt: Man sah in ihnen schlicht eine Metallreserve. Während der französischen Revolutionskriege ließ Napoleon Bonaparte Glocken zu Kanonen einschmelzen, obwohl er selbst ein glühender Verehrer von Glocken war. Nicht weniger zimperlich gingen die Machthaber auch während der beiden Weltkriege mit Glocken um. Im Ersten Weltkrieg wurde die Hälfte aller Kirchenglocken vernichtet, im Zweiten Weltkrieg zerstörten die Nationalsozialisten 50.000 Glocken. Bereits 1936 hatte der Schriftsteller Reinhold Schneider gewarnt: "Verlieren die Glocken ihre Gewalt über den Lärm, die Türme die Herrschaft über die Dächer, so ist keine Hoffnung und kein Leben mehr." Oder einfach ausgedrückt: Dort wo Glocken schweigen, hat auch der Mensch nicht mehr viel zu sagen.

Sabine Kaufmann, Stand vom 01.06.2009
Sendung: Kirchenglocken - Himmlische Töne aus Menschenhand, 21.12.2007

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