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Mühlen

In den gebirgigen Regionen in Süd- und Mitteldeutschland, etwa im Schwarzwald, waren die an rauschenden Bächen gelegenen Wassermühlen aus dem Landschaftsbild nicht wegzudenken. In den Tiefebenen Norddeutschlands waren Windmühlen die weithin sichtbaren Wahrzeichen der Region. Für uns sind heute die wenigen noch vorhandenen Mühlen romantische Überbleibsel aus der guten alten Zeit. Doch 2000 Jahre lang war das Technikwunder Mühle die wichtigste Maschine der Menschheit.

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Es klappert die Mühle am rauschenden Bach

Wasser- und Windmühlen gehören zu den ältesten und wichtigsten technischen Errungenschaften der Menschheit. Die bahnbrechende Kulturleistung des Menschen besteht darin, Muskelkraft durch natürliche Energien, Wasser und Wind, zu ersetzen. Die Mühle, die erste und älteste naturkraftgetriebene Maschine der Welt, hat bereits 1200 Jahre vor Christus in der künstlichen Bewässerung durch Wasserschöpfräder in Mesoptamien ihren Ursprung. Die ersten europäischen Müller waren die Römer. Der Architekturschriftsteller Vitruv beschreibt 24 vor Christus die erste Wassermühle mit einem Steinmahlgang. Die Römer brachten ihr Mühlenwissen in die Rheinprovinzen mit. Im Mittelalter waren es dann zunächst Mönche, die das römische Mühlenwissen bewahrten und im Rahmen der klösterlichen Selbstversorgung weiter praktizierten. Die neuzeitlichen Wurzeln der europäischen Mühlen gehen daher auf das Ingenieurwissen der Klosterschulen zurück.

Mühle in Hüven (Rechte: Hans-Jürgen Noack)

Historische Mühlen erfahren neue Blütezeit

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Vom Mittelalter bis zum 20. Jahrhundert wurde das Mühlenwissen weltweit vertieft und verfeinert. Stand anfangs die Mühle zur Vermahlung von Getreide im Vordergrund, wurde ihre Antriebskraft bald für eine Vielzahl technischer Arbeitsleistungen herangezogen.

Mit dem Zeitalter der technischen Industrialisierung, besonders der Einführung der Dampfmaschine um 1780, begann die allmähliche Verdrängung der Wasser- und Windmühlen. Im gesamten 19. Jahrhundert und bis in die Nachkriegsepoche des 20. Jahrhunderts hinein blieben Mühlen unverzichtbare Kraftmaschinen. Schließlich aber verdrängten motorgetriebene, wetterunabhängige Industriemühlen die historischen Mühlen, die schnell in der Produktionskapazität an ihre Grenzen stießen. Die Wind- und Wassermühlen waren nicht länger konkurrenzfähig, das sogenannte Mühlensterben endgültig.

Unter Bundeskanzler Konrad Adenauer wurde 1957 das Mühlenstillegungsgesetz verabschiedet. Es bewilligte Müllern und Mühlenbesitzern eine staatliche Prämie unter der Auflage, dreißig Jahre lang die stillgelegte Mühle nicht mehr zu betreiben. Im Zuge der staatlichen Stillegung wurden die meisten Mühlen aufgegeben. Zählte man in Deutschland im Jahr 1875 noch etwa 70.000 Getreidemühlen, gab es 1966 in der Bundesrepublik nur noch etwa 6.400. Dagegen spielten die historischen Getreidemühlen in der ehemaligen DDR vor der Wiedervereinigung eine ungleich größere Rolle, die mit festgelegten Mahlkontingenten einen Beitrag zur planwirtschaftlichen Ordnung leisteten.

Heutzutage erfahren die historischen Mühlen eine neue Blütezeit. Mühlenliebhaber, Mühlenvereine, technisch interessierte Besucher und Touristen erkennen die kulturhistorische Bedeutung der Mühlen. Vielerorts werden Mühlen saniert, wieder in Betrieb genommen und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Besonders der deutschlandweite Tag der offenen Tür der Mühle, der alljährlich am Pfingstmontag stattfindet, ist zur vielbeachteten Institution geworden.

Schnitt durch die Mahlbühne der Wassermühle in Laderholz (Rechte: Reprint Verlag)

Die Grundzüge des Antriebs sind immer gleich geblieben

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Faszinierende Mühlentechnik

Die schweren Korn- und Mehlsäcke, die körperlichen Anstrengungen des Müllers, der Mehlstaub, das typische Klappern des Mahlgangs - der Weg vom Korn zum Mehl ist in der Mühle mit allen Sinnen erfahrbar. Alte Mühlen faszinieren daher auch Menschen, die sich sonst nicht für Technik und Maschinen interessieren. Denn in der Mühle kann man ohne technisches Vorverständnis den Weg der Energie und Kraftübertragung gut mitverfolgen. Denn so alt die Mühlentechnik auch ist, die Grundzüge des Antriebs sind immer gleich geblieben. Ausgangspunkt ist die senkrechte Bewegung eines Rads, das allein durch die Strömungskraft des Wassers oder des Windes angetrieben wird. Diese Drehbewegung wird durch ein Winkelgetriebe in eine waagrechte Position umgeleitet. Denn erst durch diese Kraftumlenkung kann der waagrecht gelagerte Mühlstein arbeiten.
Erst sehr viel später, im 11. Jahrhundert, wurde die Daumenwelle erfunden, die aus der drehenden Kraft des Mühlrades eine Hin- und Her-Bewegung ableitete. Diese für die Betätigung von Sägen und Schmiedehämmern notwendige Bewegung ermöglichte die entscheidende Ausweitung des Repertoires der Mühlenarbeitsleistung. Jahrhunderte lang war die Mühle in Europa die Universalmaschine, ohne die sprichwörtlich nichts ging. Durch die Antriebskraft der Mühle ließ sich nahezu jedes Werkzeug bedienen, das durch eine Dreh- oder Schlagbewegung angetrieben wurde.
Inzwischen kennt die Mühlenforschung über 160 technische Mühlenanwendungen. Es existierten unter anderem Bohrmühlen, Schleifmühlen, Dreschmühlen, Hammermühlen, Wasserschöpfmühlen, Papiermühlen, Knochenmühlen, Kreidemühlen, Gipsmühlen, Papiermühlen, Buttermühlen, Ölmühlen, Kräutermühlen und vor allem die Getreidemühle.

Mahlgang und Antrieb der Wassermühle Moisburg im Landkreis Stade (Rechte: Hans-Jürgen Noack)

Der Mahlgang wird beschickt

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Vom Korn zum Mehl

Kernstück jeder Getreidemühle ist der Steinmahlgang, das Zusammenspiel der Mühlsteine, die durch die Mahlbewegung das Korn zu Mehl verarbeiten. Dabei dreht sich nur der obere Mühlstein, der durch das Mühlrad oder die Windflügel angetrieben wird. Der obere Mühlstein heißt deswegen auch Läuferstein, er zermalmt das Korn auf dem festsitzenden unteren Mühlstein, dem Bodenstein. Das Getreide wird durch einen Trichter in den Mahlgang geschüttet - der Mahlgang wird beschickt, heißt es in der Müllersprache. Das Getreide fällt vom Trichter durch das Steinauge des Läufersteins zwischen die Mahlflächen und gelangt als Mehl, Grieß und Kleie wieder heraus. Kleie sind die Spelzen, die nicht verdaulichen Teile des Getreides. Grießkörner sind nur grob gemahlene Getreidekörner, die erneut in den Mahlgang gelangen. Das Mehl selbst wird durch den Mehlbeutel im Mehlkasten, einem feinmaschigen Sieb, von Grieß und Kleie getrennt aufgefangen.

Gregor Delvaux de Fenffe, Stand vom 01.06.2009

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