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Der Traum einer Elbunterquerung

Lange war es nur ein Traum: 1872 hatte der damalige Senator und spätere Bürgermeister Dr. Johannes Versmann erstmals der Hamburger Bürgerschaft vorgeschlagen, unter der Elbe eine Verkehrsverbindung zwischen St. Pauli und dem benachbarten Steinwärder (heute: Steinwerder) am gegenüberliegenden Elbufer zu errichten. Die Umsetzung der damals so kühnen Idee ließ allerdings noch lange auf sich warten. Erst 1907 begannen die Bauarbeiten der Elbunterquerung. Der Bauingenieur Otto Stockhausen, der "Herr Tunnelbauer", wie er respektvoll genannt wurde, war erst 29 Jahre alt, als er die Verantwortung für das ehrgeizige Bauvorhaben übernahm.

Die Baukosten beliefen sich auf 10,7 Millionen Goldmark. Auf einer Gesamtlänge von 426,5 Metern sollten in maximal 23,5 Meter Tiefe zwei Tunnelröhren errichtet werden. Jede dieser Röhren sollte eine Breite von 4,66 Metern und eine Höhe von 4,88 Metern haben. Die Röhren waren so dimensioniert, dass auch beladene Fuhrwerke bequem passieren konnten. Fahrzeuge und Personen sollten auf jeder Seite mithilfe von insgesamt sechs Fahrstühlen in die Tiefe abgelassen beziehungsweise nach oben befördert werden.

Der erste Durchbruch des Elbtunnel in Hamburg. Gruppenbild mit den Bürgermeistern Schröder und Johann Predöhl, 1910. (Rechte: AKG)

Der erste Durchbruch des Elbtunnel

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Schwerstarbeit in Druckluftkammern

Bei den 1907 beginnenden Probebohrungen hatte man festgestellt, dass vor St. Pauli die Flusssohle aus einer stabilen Tonschicht und zwei Drittel der restlichen Strecke aus einer durchlässigen Sand- und Geröllschicht bestand. Bei der Herstellung der Tunnelröhren kam ein noch heute gebräuchliches Vortriebsschildverfahren zum Einsatz, mit dem eine kreisförmige Fläche in das Erdreich gefräst wurde, die dann anschließend mit eisernen Spundwänden ausgekleidet wurde.

Während die Arbeiten in den festen Tonschichten als unproblematisch eingeschätzt wurden, kam es im Bereich der wasserdurchlässigen Mergelschichten zu den erwarteten Schwierigkeiten. Um einen Wassereinbruch zu verhindern, musste in Druckluftkammern gearbeitet werden. Im Juni 1909 kam es beim Abblasen des Luftdrucks zu einem Wasser- und Sandeinbruch, der jedoch glücklicherweise keine gravierenden Folgen hatte.

Fotomontage: Eingang für Fußgänger und PKW in den Elbtunnel um 1920. (Rechte: AKG)

Eingang für Fußgänger und PKW

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Die Druckluftkrankheit fordert ihre Opfer

Der Stundenlohn von 60 bis 76 Pfennig und die monatliche Druckluftprämie in Höhe von 100 Reichsmark waren für damalige Verhältnisse ein Spitzenverdienst, der vor allem für Wanderarbeiter aus Polen, Russland, Skandinavien, Holland und Belgien sehr attraktiv gewesen sein muss. Die Arbeit in den Luftdruckkammern war allerdings mit erheblichen gesundheitlichen Risiken verbunden. Um die Folgen der gefürchteten Druckluftkrankheit zu vermeiden, mussten die Arbeiter täglich anderhalb Stunden ein- beziehungsweise ausgeschleust werden.

Bei der Druckluftkrankheit - auch Taucherkrankheit genannt - wird bei einem zu raschen Anstieg des Umgebungsdrucks vermehrt Stickstoff im Blut freigesetzt, was dann lebensbedrohliche Atemlähmungen verursachen kann. Für die gesundheitliche Versorgung der Bauarbeiter gab es ein Lazarett mit Betten und Untersuchungszimmer sowie einen Arzt, der die Vorschriften des Gesundheitsschutzes zu überwachen hatte. Dennoch gab es während der Bauarbeiten durch die Druckluftkrankheit 615 Leicht-, 74 Schwerverletzte und drei Todesfälle.

Das Eingangsgebäude zum Elbtunnel um 1920. (Rechte: AKG)

Das Eingangsgebäude zum Elbtunnel

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Fußgänger unter der Elbe

Am 7. September 1911 wurde nach vierjähriger Bauzeit der Elbtunnel für den Besucherverkehr feierlich eröffnet. Der enorme Arbeitskräftebedarf im Hamburger Hafen und der dort angesiedelten Werftindustrie sorgten Tag und Nacht für einen regen Publikumsverkehr. In Spitzenzeiten passierten jährlich 16 Millionen Fußgänger, vier Millionen Fahrräder und 59.000 Fuhrwerke und Autos den Elbtunnel. Heute gehört der Besuch des alten Elbtunnels zum Pflichtprogramm eines jeden Hamburgbesuchers.

Ulrich Neumann, Stand vom 01.06.2009

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Collage mehrerer Bauwerke (Rechte: SWR)

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