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Hochzeitsbräuche

Schon in der Urgeschichte der Menschheit gingen Paare feste partnerschaftliche Bindungen ein, um den Bestand der Sippe durch Nachwuchs zu sichern. In der weiteren Entwicklung wurde das Eingehen solcher Partnerschaften durch festliche Rituale gefeiert, die als Vorläufer der Hochzeit gelten, wie man sie seit den Hochkulturen der Ägypter, Griechen und Römer der Antike und bis heute kennt. Neben den Feierlichkeiten entwickelte sich auch eine Reihe von außergewöhnlichen Bräuchen. Der Grund für ihre Entstehung liegt in der Besonderheit der Ehe, die einen sogenannten Übergangsritus darstellt - den Übergang von der Jugend ins Erwachsenenalter.

Vor einem Kirchenportal steht eine heitere Hochzeitsgesellschaft. Der Bräutigam trägt die Braut über eine Leine, an der Kinderwäsche befestigt ist. (Rechte: dpa)

Viel Glück und viele Kinder!

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Vom Polterabend in den Reisregen

Der Polterabend ist einer der ältesten Bräuche. Seine Ursprünge reichen bis in die vorchristliche Zeit zurück. Durch das Zerschlagen von Steingut und Porzellan sollen böse Geister vertrieben werden. Ein typischer Übergangsritus, der das Brautpaar von einem Lebensstadium in das nächste begleiten soll. Zu beachten ist beim Poltern, dass kein Glas zerschlagen werden darf, denn das bringt Unglück. Die Scherben müssen vom Brautpaar gemeinsam zusammengekehrt werden. Ein symbolträchtiger Akt, der als Harmonieprobe gilt. Der Polterabend findet traditionell am Abend vor der Hochzeit statt.
Junggesellenabschied nennt man gesellige, heitere und feucht-fröhliche Zusammenkünfte, die Braut und Bräutigam getrennt voneinander mit ihren jeweiligen Freunden im Vorfeld zur eigentlichen Hochzeitsfeier und auch noch vor dem Polterabend begehen. Neben reichlich Alkohol, der dabei fließt, müssen Braut und Bräutigam amüsante Aufgaben bestehen und derbe Späße über sich ergehen lassen. Oft sind solche Gruppen auch lustig kostümiert.

Ein Brautpaar schreitet vor einer Kirche die Stufen hinab. Rechts und links stehen die Hochzeitsgäste und werfen Reis. (Rechte: dpa)

Brautpaar im Reisregen

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Reisregen: Hat das Paar Junggesellen- und Polterabend heil überstanden und ist die Trauung vollzogen, dann stehen Bekannte und Verwandte vor der Kirche oder dem Standesamt Spalier, um das Brautpaar mit einem Reisregen zu empfangen. Dieser Brauch stammt aus dem asiatischen Raum. Dort ist Reis nicht nur das Nahrungsmittel Nummer Eins, sondern steht auch für Glück und Fruchtbarkeit.

Torsymbol: Beim Verlassen von Kirche oder Standesamt müssen Braut und Bräutigam oft ein symbolisches Tor durchschreiten. Mal sind es Blumenkränze, mal aber auch, in Anspielung auf Beruf oder Hobby der Brautleute, Feuerwehrschläuche, Kehrbesen, Eishockeyschläger oder Reiterkappen, die von den Hochzeitsgästen von beiden Seiten über die Frischvermählten gehalten werden. Auch hier steht wieder der Übergangsritus im Hintergrund, das Tor als Symbol für den Übergang von einem Lebensstadium ins nächste.

Bechern und sägen

Hochzeitsbecher kennt man seit der Renaissance. Einer Legende nach soll dieses eigentümliche Trinkgefäß von einem jungen Goldschmied erfunden worden sein, dessen zukünftiger Schwiegervater die Heirat seiner Tochter unbedingt verhindern wollte. Er stellte die Bedingung, und damit den jungen Mann vor die schier unlösbare Aufgabe, einen Becher herzustellen, aus der Braut und Bräutigam gleichzeitig trinken könnten. Der verliebte Schmied fertigte mit viel Phantasie ein Gestänge, an dessen beiden Seiten jeweils ein beweglicher Becher befestigt war. Auf diese Weise konnten Braut und Bräutigam in der Tat gleichzeitig trinken. Ein schwieriges Unterfangen ist es aber allemal, bei dem der Becherinhalt oft verschüttet wird. Aus diesem Grund gilt das gemeinsame und gleichzeitige Trinken aus dem Hochzeitsbecher seitdem auch als Harmonieprobe für das Brautpaar. Seit einiger Zeit erfreut sich dieser alte Brauch wieder großer Beliebtheit und Hochzeitsbecher sind wieder auf dem Markt.

Eine Hochzeitsgesellschaft umringt ein Brautpaar, das gerade gemeinsam einen Holzstamm zersägt, der auf einem Holzbock liegt. (Rechte: dpa)

Sägen als Harmonieprobe

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Holzstammsägen ist ebenfalls ein Test, bei dem das frischvermählte Brautpaar sein Harmonieverständnis prüfen kann. Mittels einer großen Baumsäge, die von der einen Seite gezogen, von der anderen geschoben wird, müssen die Brautleute versuchen, möglichst schnell und möglichst synchron einen dicken Stamm zu zersägen. Wie gut oder wie schlecht diese Zusammenarbeit klappt, soll Hinweis geben auf die Fähigkeit des Brautpaares, mit Konflikten und Problemen umzugehen.

Ein Schwarzweiß-Foto zeigt einen Bräutigam, der die Braut über die Türschwelle einer Wohnung trägt. Links sieht man drei lachende Kinder. (Rechte: dpa)

Die Braut wird über die Schwelle gehoben

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Mit vollem Brautschuh in die Ehe

Über die Schwelle tragen muss der Bräutigam die Braut, um sie damit symbolhaft von einer Lebensphase in die andere hineinzuführen. Auch hier steht natürlich der Übergangsritus Pate. Es war aber auch die Angst vor bösen Geistern, die man in den Ritzen und Schwellen der Häuser vermutete. Unbeschadet von diesen gefährlichen Dämonen sollte die Frischvermählten ihr neues Leben in einem neuen Haus oder in einer neuen Wohnung beginnen können.

"Something old, something new, something borrowed, something blue and a silver sixpence in your shoe": All das, so sagt ein altes englisches Sprichwort aus der viktorianischen Zeit, soll die Braut am Hochzeitstag tragen, damit in der Ehe alles gut geht. Mit alt ("old") ist meist ein schönes Schmuckstück aus Familienbesitz gemeint. Es stellt den Bezug zur Tradition, zur Vergangenheit und zum alten Leben der Braut her. Neu ("new") sollte das Brautkleid sein. Das steht für ein glückliches und erfolgreiches Leben. Trägt sie etwas Geliehenes ("borrowed"), am besten von einer anderen Braut, die schon verheiratet ist, dann geht mit diesem Gegenstand deren Glück auch auf sie über. Die Farbe Blau ("blue") steht für Reinheit und Treue. Meistens trägt die Braut unter ihrem Kleid versteckt ein blaues Strumpfband. Und das silberne Sixpencestück ("silver sixpence") im Schuh, das symbolisiert natürlich späteren finanziellen Wohlstand.

Ihre Brautschuhe soll die Braut mit vorher gesparten Kupfermünzen, früher Pfennige, heute 1-, 2- oder 5-Cent-Stücke, bezahlen. Dieser Brauch soll die Sparsamkeit symbolisieren. Der Ritus stammt aus den Tagen, als die Frauen noch ausschließlich damit beschäftigt waren, den Haushalt zu führen und dementsprechend auch die Haushaltskasse möglichst sparsam zu verwalten. Bei der Hochzeitsfeier wird einer der Brautschuhe symbolisch unter den anwesenden Gästen versteigert. Die Bietenden legen ihre Gebote gleich bar in den Schuh, der reihum geht. Zum Schluss erhält die Braut den Schuh samt Geld zurück.

Braut in weißem Kleid hält einen Brautstrauß aus rosafarbenen Rosen in der Hand. (Rechte: dpa)

Wer ihn fängt, heiratet als nächste

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Das Recht der ersten Nacht

Einen Brautstrauß sollte die Braut unbedingt haben. Er schmückt sie nicht nur, sondern steckt auch voller Symbole. Traditionell ist es die Aufgabe des Bräutigams, den Strauß zu besorgen, den er vor der Kirche oder vor dem Standesamt seiner Zukünftigen überreicht. Nach der Trauung versammeln sich alle unverheirateten Frauen, in Zeiten gleichgeschlechtlicher Partnerschaften dürfen das auch Männer sein, vor der Braut. Die kehrt der Menge den Rücken zu und wirft den Strauß über ihre Schulter nach hinten. Wer ihn fängt, heiratet als nächste(r).

Die Blumen selbst sprechen eine eindeutige Sprache. Weiße Rosen oder Lilien sollen die Jungfräulichkeit der Braut symbolisieren. Hochzeitssträuße aus frischen und wohlriechenden Blumen kennt man seit der Renaissance. Sie sollten die üblen Körpergerüche der Hochzeitsgesellschaft übertünchen. Neben bunten Blüten sieht man auch oft Myrtenzweige. Sie sind ebenfalls ein Zeichen für die Unschuld der Braut. Schon in der Antike wurde Myrte als Hochzeitsgebinde verwendet. Es ist die Blume der Götter und steht für Frieden, Ruhe, Glück und Fruchtbarkeit. Die Griechen hatten sie ihrer Göttin Aphrodite, die Römer ihrer Göttin Demeter geweiht. Bräute tragen seitdem oft einen Myrtenkranz auf dem Kopf. Die Herren tragen ein Myrtenzweig am Revers der Jacke.

Bei der Brautentführung wird die Frischvermählte von Freunden und Bekannten durch sämtliche Kneipen der näheren und weiteren Umgebung geführt. Der Bräutigam, auf der Suche nach seiner Braut, nimmt die Verfolgung auf und muss dabei in jeder Gaststätte die Zeche der Truppe übernehmen, die natürlich schon über alle Berge und in der nächsten Lokalität ist. Je schneller der Bräutigam die Braut findet, desto billiger kommt er davon. Dieser heitere Brauch hat einen nicht so heiteren Ursprung. Er geht zurück ins tiefste Mittelalter. Damals durften die Lehnsherren ihren Leibeigenen gegenüber das "Jus primae noctis", das Recht der ersten Nacht, ausüben. Heiratete eine ihrer Untergebenen, so stand ihnen, vor dem Bräutigam, die erste Nacht mit der Braut zu.

Alfried Schmitz, Stand vom 25.05.2010
Sendung: Hochzeitsbräuche - Zwischen alten Riten und neuem Rummel, 26.05.2010

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