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Moderne Vampire

Dracula und andere Vampire aus Film und Literatur sind seit Jahren bei Jung und Alt beliebt. Doch jenseits von Filmen und Legenden gibt es heute Menschen, die sich als wirkliche Vampire bezeichnen. Diese Vampyre - wie sie sich schreiben - lassen sich nicht in ein Schema pressen, und ihre Erscheinungsformen sind vielfältig. Manch einer ist Vampirliebhaber, ein anderer Gothic-Fan und Freund vampirischer Mode, ein dritter gibt sich sexuellen Spielen hin, die vom Biss in den Hals bis hin zum Blutaustausch via Kanüle reichen können.

Zwei junge Frauen im Vordergrund, mit schwarzer sexy Kleidung, hell und auffällig geschminkt. (Rechte: Peter Endig/ddp)

Wave-Gothic-Treffen in München

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Vampirische Gothics

Allen Vampiren ist gemeinsam, dass es ihnen an Energie fehlt. Vampire - auch die modernen - sehen sich auf der dunklen Seite des Lebens. Sie verbindet ihre Einsamkeit. Um am Leben teilhaben zu können, rauben sich moderne Vampyre, ebenso wie ihre Vorbilder, die mythischen Vampire, Energie von anderen Menschen. Dies geschieht durch starke körperliche oder seelische Präsenz und die damit verbundene Anziehung etwa von Aufmerksamkeit, Macht oder Geld, in sehr seltenen Fällen auch durch einen wahrhaftigen Blutaustausch. Vampyre oder Vampirliebhaber, die oft zur Gothic-Szene gehören, sind meist selbstkritische und zweifelnde Personen, die sich viele Gedanken über sich und die Welt machen. Besondere Mode, düstere Musik und blasse Haut sind nur einige oberflächliche Merkmale. Dazu lieben sie oft Poesie und haben einen Hang zur Dunkelheit, der bis hin zum Interesse an Friedhöfen, Gräbern und Gruften führen kann. Sie verbindet eine melancholische Grundstimmung.

Tom Cruise als langhaariger Vampir hält sein Opfer in den Armen und hat den Mund zum Biss aufgerissen. (Rechte: dpa)

Stärke und Macht wirken anziehend

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Moderne Vampyre

Journalistin Britta Radkowsky und Kriminalbiologe Mark Benecke haben sich mit Gothic-Musik und -anhängern beschäftigt und gelten als Spezialisten auf diesem Gebiet. Radkowsky ist Journalistin und Buchautorin, Benecke befasst sich als Kriminalbiologe und als Autor auch unter kriminalistischen Gesichtspunkten mit dieser Szene. Beide beschäftigen sich mit modernen Vampyren und haben unter anderem Interviews mit Leuten aus der Szene geführt. In Beneckes "Interview mit einer Vampirin" antwortet eine junge Frau etwa auf die Frage, was sie an Hälsen interessiert: "Die Haut. Und die Vorstellung, dass da das Blut fließt und man das Pochen spürt. Da reicht schon die bloße Vorstellung. Und die Haut: Je weißer, desto besser." Die Leidenschaft geht so weit, dass es nicht nur um die leichenblasse Haut geht, sondern um das Blut selbst, das Zeichen von Leben, welches sich dahinter verbirgt. Doch nicht jeder Goth ist ein Vampyr. Die meisten rauben Energie eher im übertragenen Sinne. "Es gibt Vampire, die anderen Leuten Energie entziehen", erklärt die anonyme Interviewte weiter, zum Beispiel "Menschen, die in den Raum kommen und ihn sofort beherrschen." Solange man nicht gezwungen wird, gegen seinen Willen zu handeln, findet sie solche Menschen sympathisch, "die gut mit anderen umgehen können. Man merkt gar nicht so richtig, ob die einem ihren Willen aufzwingen oder nicht."

Schwarz gekleidete, winkende Frau sitzend bei einer Veranstaltung. (Rechte: dpa)

Anne Rice schrieb "Interview mit einem Vampir"

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Anne Rice und ihre Fans

Spätestens in den 80er Jahren blühte die Vampirliebe auf, was vor allem mit dem Aufkommen von Aids zusammenhing. Die Krankheit, die mit Blut und mit Sexualität verbunden und zudem tödlich ist, war der Auslöser dafür, dass ein verstärktes Interesse am Vampirthema aufkam. In den 80er Jahren machte sich dann auch ein Kult um die Bestsellerautorin Anne Rice breit. Zunächst gab es einige hundert Mitglieder ihres Fanclubs. Doch mit Coppolas Dracula-Verfilmung und dann vor allem mit der Verfilmung von Anne Rices Roman "Interview mit einem Vampir" in den 90er Jahren wuchs die Anzahl der Fans schnell auf ein Vielfaches an. Zum jährlichen Treffen, dem "Annual Gathering of the Coven", das teilweise im Hause von Anne Rice veranstaltet wurde, erklärt Britta Radkowsky in ihrem Buch "Moderne Vampyre": "Bis zu 7000 Vampir-Liebhaber in aufwendigen Kostümen tummelten sich zu Spitzenzeiten auf dieser Veranstaltung, um ihre mythische Erfahrungswirklichkeit, die sich zunächst noch auf rein ästhetisches Empfinden gründete, mit anderen auszuleben."

Mit der rückläufigen Popularität von Anne Rice, der irgendwann der Fankult um ihre Person zu viel wurde und die sich deshalb bewusst vor ihren Fans zurückgezogen hat, hat auch der Vampirkult wieder ein wenig abgenommen. Doch die "Szene" gibt es immer noch: Im Internet und in Clubs, bei Konzerten oder Treffen, die dieser Jugend-Subkultur zugeordnet werden können, trifft man auf Vertreter der verschiedenen Gruppierungen von Vampirismus. Und auch in anderen Teilbereichen bleibt der Vampirismus lebendig: Zum Beispiel bei Rollenspielen treffen sich Vampirfans und schlüpfen nach einem mehr oder weniger vorgegebenen Regelwerk in die Rollen von Vampiren. Wenn auch nicht nur in der Figur von Dracula, sondern in den unterschiedlichsten Ausprägungen - Vampire scheinen wirklich unsterblich zu sein!

Andrea Schultens, Stand vom 01.06.2009

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