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Amateurfilm

Filmemachen ist nicht allein Sache der Profis. Deshalb sollte der Amateurfilm nicht als beiläufiges und temporäres Phänomen gesehen werden, sondern als grundlegende Alternative zum professionellen Film. Bevorzugte Filmmotive der Hobbyfilmer: Freizeit, Urlaub, Familienfeierlichkeiten. Amateurfilmer nähern sich der Welt im Film auf eine andere Art als die Profis. Der Medienwissenschaftler Karl Sierek beschreibt Amateurfilmer in unserem Video zum anklicken liebevoll als die "Bastler" und "Schnüffler" unter den Filmemachern.

Eine Gruppe von Amateurfilmern und -fotografen steht und sitzt auf einem Steinpodest, die Objektive auf ein gemeinsames Ziel ausgerichtet. (Rechte: ddp)

Amateurfilmer - nah dran am Geschehen

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Massenmedium Amateurfilm

Jeder fünfte deutsche Haushalt hat heute eine Videokamera. Das war nicht immer so - erst seit Erfindung von Super-8 im Jahr 1965 und der Videotechnik Anfang der 80er Jahre wurden bewegte Bilder für breite Masse erschwinglich. Als Amateurfilme bezeichnet man alle nicht berufsmäßig und nicht kommerziell hergestellten Filme. Als Liebhaberei betrieben, stehen das Hobby und persönliche Interessen im Vordergrund. Der materielle Gewinn ist von untergeordneter Bedeutung. Vielmehr werden die Filme meist für ideelle, private und insbesondere familiäre Zwecke hergestellt. Dennoch ist die Bandbreite von Amateurfilmen groß und umfasst sowohl intime Familienzeugnisse als auch auf Veröffentlichung angelegte Filme und Videos, zum Beispiel in Offenen Kanälen oder für Festivals.

Fünf Schwarz-Weiß-Porträts von Männern mit Super-8-Kamera vor der Nase (Rechte: Kodak)

In den 70ern: Männer und ihr neues Steckenpferd

Vergrößern

Amateure und Profis haben gemeinsame Wurzeln

Die Geschichte des Amateurfilms ist so alt wie die Filmgeschichte selbst: Die gemeinsamen Wurzeln werden bei den Brüdern Lumière gesehen. "Babys Frühstück" oder "Die Ankunft des Zuges", 1895 von Louis und Auguste Lumière gedreht, zählen zu den ersten Filmaufnahmen überhaupt. Mit feststehender Kamera kurbelten die Brüder Familienidyllen, Großstadtleben und Alltagszenen, Bilder ihrer täglichen Umgebung - wie sie bis heute von Hobbyfilmern aufgenommen werden.
Doch die meisten der weniger bekannten, kapitalschwache Pioniere, Bastler und Tüftler, konnten sich in der aufstrebenden Filmindustrie nicht gegen die wohlhabenden Lumières, Edisons und Meßters durchsetzen - sie sind weitgehend anonym geblieben, obwohl sie einen ebenso großen Anteil an der Erfindung des Kinos haben. Während das professionelle Kino in wenigen Jahren den Aufstieg aus den Jahrmarktbuden der Schausteller geschafft hat, findet das Kino der Amateure weniger in der Öffentlichkeit statt. Noch immer führt es ein Schattendasein in Hobbykellern und Dachkammern. Während sich der, der professionelle Film als allgemein anerkannte Kunstform etabliert hat, wird der Amateurfilm offiziel kaum gewürdigt.

Sicht eines Videofilmers auf das ausgeklappte Display seiner Kamera. Im Display ist eine Hausfront zu sehen, an der zwei Flaggen hängen. (Rechte: ddp)

Digitale Videosysteme halten Einzug

Amateurfilm - Vorbild für den professionellen Film

Dabei dient das Stiefmütterchen Amateurfilm dem professionellen Film oft als Ideenquelle - inhaltlich wie ästhetisch: Vermeintlich unprofessionelle Kameraführung, wie etwa verwackelte, aus der Hand gedrehte Einstellungen, solche, die man zum Beispiel in den Dogma-Filmen (nach Vorgabe von dänischen Filmemachern mit Handkamera und ohne aufwändige Effekte gedrehte Kinofilme) findet, sind dem Amateurfilm entlehnt. Auch die Lieblingsinhalte des Amateurfilms, insbesondere Themen wie das tägliche Leben, die Normalität, sind mittlerweile oft im Fernsehen zu sehen, zum Beispiel in Doku-Soaps.

Natalie Muntermann, Stand vom 07.12.2006

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