Super-8
1965 - Kodak bringt Super-8 auf den Markt
1965 kam das amerikanische Unternehmen Kodak mit einem neuen Filmformat auf den Markt: Das Super-8-Format. Damit setzte Kodak einen neuen Standard in der Amateurfilmtechnik. Den Amateurfilm gab es zwar schon vor 1965, er blieb jedoch weitgehend das Privileg einer wohlhabenden und technisch versierten Minderheit. 1979 besaßen rund 14 Prozent der bundesdeutschen Haushalte eine Schmalfilmkamera. In diesem Jahr wurden allein in Deutschland 19 Millionen Super-8-Kassetten verkauft. Der Amateurfilm erreichte mit Einführung der Super-8-Technik das Ziel seiner Entwicklung hin zu einem Massenmedium: Die Erfindung der Super-8-Kamera machte privates Filmen zu erschwinglichen Preisen möglich - auch wenn eine Super-8-Kamera damals schnell 1000 DM kostete.
Kameradeckel auf, Super-8-Kassette rein...
Super-8 wird neuer Welt-Standard
Kodak erreicht mit dem Super-8-Format einen neuen Standard. Durch eine schmalere Perforation des Films konnte ein größeres Bildformat und eine bessere Auflösung erzielt werden. Durch diese Entwicklung und eine hohe Bedienerfreundlichkeit gelang Super-8 der Durchbruch zum Massenmedium. Die 15 Meter langen Filmspulen (entsprechen etwa 3,5 Minuten bei 18 Bildern/Sekunde) wurden in Kassetten geliefert, die problemlos eingelegt werden konnten - und die Entwicklung war im Filmpreis inbegriffen. Die Kameras waren batteriebetrieben und häufig mit Spiegelreflexsucher, Belichtungsautomatik und Zoomobjektiv ausgestattet.
"und los geht's! -Film einlegen, filmen - supereinfach!"
Beaulieu, NIZO Braun und Co.
In den zwei Jahrzehnten nach Einführung des Super-8-Formats wurde eine enorme Vielzahl an Super-8-Kameratypen und Projektoren entwickelt. Eumig, Bolex, NIZO Braun und Bauer hießen die gängigsten Hersteller. Beaulieu-Kameras waren die Ferraris unter den Super-8-Kameras. Die technischen Möglichkeiten gingen von Zeitlupe und Zeitraffer über Einzelbildschaltung, Selbstauslöser bis hin zu Überblend-Vorrichtungen mit automatischem Rückspulmechanismus. Aufgrund der geringen Lichtempfindlichkeit des Materials wurden häufig Filmleuchten mit Handgriff zur Grundausstattung hinzugefügt - damit die Familie auch im Wohnzimmer gefilmt werden konnte.
Die Filme waren in der Regel in Farbe und ohne Ton. Farbfilm existierte zwar bereits seit 1923 für 16mm und 1932 für 8mm, aber erst mit Super-8 wurde er zum selbstverständlichen Standard. Der Tonfilm konnte sich dagegen auch bei Super-8 nicht richtig durchsetzen - selbst die auf den Super-8-Rohfilm aufgebrachte synchrone Magnettonspur führte aufgrund ihrer geringen Qualität nicht zu einer nennenswerten Verbreitung des Tonfilms im Amateurbereich. Das Tonproblem sollte sich erst mit der Videotechnik entschärfen.
Familienglück auf Super-8 verewigen
Super-8 - Geschichte(n) von unten
Auch wenn die Zuschauer nicht aus einer gerade gezeigten Familie stammen, tauchen sie bei vielen Super-8-Filmen ein in eine vergangene Epoche mit fremden Menschen - die einem doch seltsam vertraut vorkommen. Dieses Hemd hatte Papa auch mal und: das sieht ja aus wie bei uns früher im Schrebergarten! Die Motive in den Super-8-Filmen offenbaren, wie der gemeine Deutsche in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts lebte und verreiste, sie sind ein unmittelbares Dokument der Zeitgeschichte - von den glücklichen Momenten im Leben einer Familie. Diese Super-8-Filme sind unspektakuläre Aufnahmen, und vermutlich üben sie gerade deswegen eine ungeahnte Faszination aus.
Der Klassiker unter den Super-8-Filmen: Der Umkehrfilm K 40
Vom Massenmedium zum Nischendasein
Die Einführung der Videotechnik Anfang der 80er-Jahre hat den Super-8-Film nahezu verdrängt. Wer nicht die von Papa übernehmen konnte, hat es schwer, heute noch eine Super-8-Kamera zu ergattern: Es werden keine Kameras mehr sondern nur noch die Filme hergestellt - allerdings bei weitem nicht mehr so viele wie früher. Etwa 30.000 Filme gingen 2003 noch über deutsche Ladentheken. Gab es in den Hoch-Zeiten von Super-8 über 30 verschiedene Super-8-Filme auf dem Markt, stellen heute nur noch Kodak und eine Handvoll Spezialanbieter diese Filmkassetten her. Auch der Klassiker unter den Super-8-Filmen, der Umkehrfilm "Kodakchrome 40" stand im Jahr 2000 kurz vor dem Aus. Doch dass Kodak trotzdem weiter produziert, liegt vor allem daran, dass man sich gegenüber den verbliebenen Schmalfilmern verpflichtet fühlt - schließlich hatte Kodak das System erfunden. Seit über 40 Jahren wird der K 40 nunmehr unverändert angeboten. Neben Kodak stellen nur noch Super-8-Spezialisten die Super-8-Filmkassetten her - mit Einfallsreichtum: Sie basteln die Super-8-Filmkassetten selber zusammen, zerschneiden zum Beispiel 35mm-Material auf das richtige Format und bauen es in die für Super-8 so typischen Filmkassetten ein. Die Produktion von Kameras, Projektoren und Zubehör endete vor 20 Jahren, sie sind nur noch auf Flohmärkten, Filmbörsen oder bei wenigen Händlern zu finden.
Super-8-Szene heute
Neben nostalgischen Amateurfilmern, die dem Format treu geblieben sind, entdeckte Mitte der 90er Jahre eine kleine Szene von Künstlern, Filmstudenten und professionellen Filmemachern die Super-8-Technik, die ihre Papis in den 70ern zur Dokumentation von schönen Familienereignissen genutzt hatten. Insbesondere Profis schätzen den Super-8-Look wegen seines ganz besonderen Farbcharakters. Hinzu kommen häufig leichte Unschärfe und die verwackelte Optik. Der Grund: Der Film wird bei der Belichtung nicht mehr von einer in die Kamera eingebauten Andruckplatte aus Metall fixiert, sondern nur noch von einem Stück Plastik, das zur Kassette gehört. Als Folge davon steht das Bild nicht mehr so ruhig, und es kann stellenweise unscharf werden.
Der besondere Super-8-Look ist es, den die heutige Szene so anzieht; in Musikclips, Werbefilmen oder Kurzfilmen wird der Super-8-Look gezielt eingesetzt - um Kontraste zwischen der heute gewohnten Perfektion und den wenig perfekten Bildern zu schaffen. So wird der zappelige und körnige Super-8-Look oft eingesetzt, um Aspekte wie Intimität oder Erinnerung darzustellen.
Natalie Muntermann, Stand vom 07.12.2006







