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Agatha Christie

"Meine schriftstellerische Tätigkeit als Beruf aufzufassen, wäre mir lächerlich erschienen." Erstaunliche Worte von Agatha Christie. Sie selbst sah sich in erster Linie als Ehefrau, die nebenbei Krimis schrieb. Und so wurde sie sozusagen beiläufig zu einer der erfolgreichsten Autorinnen aller Zeiten. Besonders zwei Figuren machten die Britin unsterblich: die schrullige Hobby-Ermittlerin Miss Marple und der clevere belgische Detektiv Hercule Poirot.

Das Schwarzweiß-Foto von 1969 zeigt Agatha Christie im Alter von 79 Jahren bei einem Auftritt in der Öffentlichkeit. Sie trägt einen mit weißem Pelz besetzten Hut. (Rechte: dpa)

Agatha Christie im Alter von 79 Jahren

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Ein Leben voller Reiselust

Am 15. September 1890 wurde die spätere Starautorin als Agatha Miller in Torquay an der britischen Südküste geboren. Sie war das dritte Kind einer Engländerin und eines reichen Amerikaners. Die Millers lebten sehr vornehm mit eigenem Dienstpersonal. In der damaligen Zeit war es üblich, dass für Mädchen keine Schulpflicht bestand. Und auch die junge Agatha erhielt ihre Ausbildung daheim von den Eltern. Schon mit fünf Jahren fing sie an zu lesen und zeigte ebenso großes Interesse an Rechenaufgaben. Der Vater starb, als sie elf Jahre alt war. Damit endete auch das extrem luxuriöse Leben der Millers.

Ein altes Schwarzweiß-Foto zeigt die zirka 35 Jahre alte Agatha Christie mit ihrer sechs Jahre alten Tochter auf dem Schoß. (Rechte: WDR)

Agatha Christie mit ihrer Tochter Rosalind um 1925

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Mit 17 ging Agatha nach Paris für ein Klavier- und Gesangsstudium, das sie aber bald wieder abbrach. Zurück in England fand sie die erste große Liebe ihres Lebens, den Leutnant Archibald Christie. 1914 heirateten sie. Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges verlangte, dass ihr Mann an die Front musste. Sie selbst wurde Apothekenhelferin im Kriegslazarett von Torquay. 1919 kam ihre Tochter Rosalind zur Welt. Zwei Jahre später erschien ihr erster Kriminalroman. Oft begleitete Agatha Christie ihren Mann auf seinen langen Reisen in die britischen Kolonien. Dennoch sollte ihre Ehe 1926 in die Brüche gehen, als ihr Mann eine Affäre mit einer anderen Frau hatte. Inspiriert von den Ausflügen während ihrer Ehe ging Agatha Christie schon wenig später allein auf große Reisen. Unter anderem fuhr sie mit dem Orient-Express bis an seine Endstation im irakischen Ur. Bei einer ihrer Reisen traf sie ihren zweiten Ehemann, den 14 Jahre jüngeren Archäologen Max Mallowan. Mit ihm blieb sie bis an ihr Lebensende zusammen. Durch ihre Buchverkäufe finanzierte sie einige seiner Expeditionen, an denen sie auch selbst immer wieder teilnahm. Wie viele andere erfolgreiche britische Künstler vor und nach ihr wurde Agatha Christie 1971 von der Queen in den Adelsstand erhoben. Sie starb am 12. Januar 1976 im Alter von 85 Jahren.

Das Schwarzweiß-Foto zeigt die britische Schauspielerin Margaret Rutherford in ihrer Rolle als Miss Marple in einer Filmszene. Sie scheint gerade in Gefahr zu sein, denn sie hält eine Art Stock in der Hand, mit dem sie offensichtlich jeden Moment zuschlagen will. (Rechte: AKG)

Margaret Rutherford gab Miss Marple ein markantes Gesicht

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Die Königin des Rätselkrimis

Schon in früher Kindheit begann Agatha Christies Interesse an Kriminalromanen. Zusammen mit ihrer älteren Schwester las sie begeistert die Sherlock-Holmes-Romane. Mit dem Schreiben eigener Krimis begann sie aber erst im Alter von 26 Jahren. Durch ihren Dienst als Apothekenhelferin in einem Kriegslazarett hatte sie mit Medikamenten und Giften zu tun. Das beflügelte ihre Phantasie und sie begann einen ersten Krimi um einen Giftmord. Ihre erste Krimiveröffentlichung kam 1921 auf den Markt. Die 1920er Jahre gelten heute als das "Golden Age", das goldene Zeitalter des Krimis. Agatha Christie war eine von vielen Autorinnen ihrer Zeit wie Dorothy Sayers und Margery Allingham. Mit ihrem siebten Roman "The Murder of Roger Ackroyd" gelang ihr 1926 der große Durchbruch. Danach entwickelte sie sich zur Königin des Rätselkrimis.

Das Strickmuster ihrer Romane ist oft ähnlich: Ein Mord ist geschehen, in einer "geschlossenen" Umgebung wie einem Pfarrhaus, einer Bibliothek oder einem Zug. Es gibt einen begrenzten Kreis von Verdächtigen, alle haben ein Alibi, eines oder mehrere davon sind falsch. Um zur Lösung zu gelangen, setzte Christie in ihren Büchern verschiedene Ermittler ein, von denen vor allem zwei Weltruhm erlangten: Hercule Poirot und die ewig 70-jährige Miss Jane Marple. Beide haben ihre eigene Herangehensweise bei der Auflösung ihrer Fälle. Bei Hercule Poirot regierte die Logik, bei Miss Marple die Intuition.

Was Christies Romane auszeichnet, sind ihre Sprache, ein gewisser Witz und auch die Art, wie sie ihre Charaktere zum Leben erweckte. Während andere Autoren ihre Helden meist als perfekte Menschen darstellen, gab Christie ihren Hercule Poirot sogar der Lächerlichkeit preis. Sie beschrieb ihn als unattraktiven "Eierkopf" und machte sich über ihn lustig, wenn er in "Mord im Orient-Express" beim Essen Schwierigkeiten hatte, "seinen Schnurrbart aus der Suppe zu halten".

Das Schwarzweiß-Foto zeigt Agatha Christie während eines Besuchs in Bayreuth, als sie gerade in eine Luxuskarosse einsteigt. (Rechte: dpa)

Agatha Christie bei einem Besuch in Bayreuth 1962

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Romane, Theaterstücke, Computerspiele

Inspiration für ihre Krimis fand Agatha Christie auf ihren zahlreichen Reisen sowie den Expeditionen mit ihrem zweiten Ehemann. In den über 55 Jahren ihrer schriftstellerischen Tätigkeit schrieb sie 66 Detektivromane. Daneben entstanden zahlreiche Kurzgeschichten, nicht zu vergessen ein gutes Dutzend Bühnenstücke. Laut Angaben ihrer offiziellen Webseite wurden weltweit bislang über zwei Milliarden Bücher von ihr verkauft. Wobei es sich um eine "vorsichtige Schätzung" handeln soll. Auch hält Agatha Christie den Rekord für das Theaterstück mit der längsten Spielzeit. Seit 1952 läuft in London ihr Bühnenstück "The Mousetrap" ("Die Mausefalle"), das bis heute zum Pflichtprogramm für London-Touristen gehört. Viele ihrer Romane dienten als Vorlagen für Kino- und Fernsehfilme. Auch diese Umsetzungen ihrer Werke wurden zu Klassikern des Krimigenres.

Heute wird das Werk Agatha Christies von einer britischen Gesellschaft verwaltet, deren Vorsitz ihr einziger Enkel Mathew Prichard führt. Die "Agatha Christie Ltd" kümmert sich um die Vermarktung und auch Neubearbeitung ihres Werkes. Selbst Computerspiele nach Vorlagen ihrer berühmten Romane wie "Mord im Orient-Express" sind inzwischen erhältlich. Sie sollen dafür sorgen, dass auch neue Generationen an das Krimiwerk der wohl erfolgreichsten Autorin aller Zeiten herangeführt werde

Helmut Brasse, Stand vom 01.06.2009

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