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Sherlock Holmes - Ein literarisches Phänomen

Als Arthur Conan Doyle 1886 seine erste Sherlock-Holmes-Geschichte schrieb, ahnte er nicht, welchen Ruhm er mit dieser Figur erlangen würde: Der eigenwillige Detektiv mit Pfeife und Tweedmütze wurde einer der bekanntesten Titelhelden der Literatur. Die spannenden Kriminalfälle des wohl populärsten Detektivs aller Zeiten erreichten weltweite Millionenauflagen und machten Doyle zum reichen Mann. Die Figur des Sherlock Holmes erlangte Kultstatus.

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Das Sherlock-Holmes-Museum in London (2'13'')
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Die Geburt des Meisterdetektivs

Arthur Conan Doyle entwickelte neben seinem Beruf als Mediziner eine Leidenschaft für die Schriftstellerei. Die Figur, die ihn berühmt machen sollte, ersann er zunächst allerdings ohne die Absicht, sie zum Helden einer ganzen Serie werden zu lassen: 1886 tauchte der Detektiv Sherlock Holmes zum ersten Mal in der Erzählung "A Study in Scarlet" ("Eine Studie in Scharlachrot") auf. Darin ging es um einen Rachemord. Holmes ermittelte den Täter schon in seinem ersten Fall mit viel Sachverstand und mit für die damalige Zeit sehr fortschrittlichen Methoden der Kriminalwissenschaft. In einem gut ausgerüsteten Chemie-Labor untersuchte er zum Beispiel Blutspuren. Diese Kriminalgeschichte, in der auch schon Dr. Watson als Assistent und Weggefährte des Meisterdetektivs auftauchte, verkaufte Doyle an einen Verleger für umgerechnet 150 Euro. Abgedruckt wurde sie in einem Weihnachtsalmanach 1887.

Ein Schwarzweiß-Porträt von Arthur Conan Doyle mit gezwirbeltem Schnurrbart. (Rechte: dpa)

Arthur Conan Doyle: Holmes’ geistiger Vater

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Ein Essen mit Folgen

Doyle hatte sich längst anderen literarischen Stoffen und seinem Hauptberuf als Mediziner zugewandt, als er zwei Jahre später die Nachricht eines amerikanischen Verlegers erhielt. Dieser hatte wohl mehr zufällig die Detektivgeschichte des Briten gelesen und wollte nun mit Doyle wegen weiterer Episoden von Sherlock Holmes ins Geschäft kommen. Er beauftragte einen Verlagsvertreter, Doyle bei einem gemeinsamen Essen kennen zu lernen und ihn unter Vertrag zu nehmen. Zu diesem Arbeitsessen wurde auch ein anderer Schriftsteller geladen, an dem der amerikanische Verleger ebenfalls großes Interesse bekundete: der irische Poet Oscar Wilde, der bald darauf mit seinen Werken große Berühmtheit und Anerkennung erlangen sollte. Wilde und Doyle wurden mit dem amerikanischen Verlag handelseinig. Oscar Wilde schrieb daraufhin sein Buch "Das Bildnis des Dorian Gray", Doyle legte mit "Das Zeichen der Vier" seinen zweiten großen Kriminalroman um Sherlock Holmes vor.

Der Tod des Detektivs

Es waren aber nicht die insgesamt vier langen Kriminalgeschichten um den Londoner Detektiv mit dem hageren Gesicht und der markanten Hakennase, die am populärsten wurden. In der Gunst der Leser standen die 56 kurzen Episoden von Sherlock Holmes ganz oben. Sie erschienen als Fortsetzungsgeschichten vor allem im "Strand Magazine", einer sehr populären Monatszeitschrift. Die enorme Beliebtheit von Sherlock Holmes und seinen Fällen bescherte diesem Magazin hohe Verkaufszahlen und seinem Autor enormen Wohlstand. Die Geschichten wurden in mehr als 50 Sprachen übersetzt und dienten als Vorlage für Filme, Theaterstücke, Hörspiele und Comics.

Geschrieben hat Doyle die vielen Kriminalepisoden allerdings nur widerwillig und auf Druck seines Verlegers und seiner vielen Leser. Schon 1893 war Doyle der Sherlock-Holmes-Figur überdrüssig geworden und arbeitete auf das Ende seines Helden hin. In der Erzählung "The Final Problem" ("Der letzte Fall") ließ er ihn dann sterben: Holmes stürzt bei einem Kampf mit seinem ärgsten Widersacher Professor Moriarty in der Schweiz einen Wasserfall hinunter. Doyle wollte damit das Kapitel Sherlock Holmes für immer schließen. Doch es sollte anders kommen…

Holmes lebt weiter

Als Doyle 1893 beschloss, Sherlock Holmes seinen letzten Fall lösen und darin sterben zu lassen, ging ein Aufschrei des Entsetzens durch die Welt. Es hagelte Protestbriefe, mit oft bitterbösen und enttäuschten Kommentaren. "Sie Biest!" war dabei noch eine der harmloseren Beschimpfungen, die Doyle über sich ergehen lassen musste. Die Grenzen zwischen fiktiver Romanfigur und Realität waren vollkommen verschwommen. Sherlock Holmes hatte im Leben der Leser eine bedeutende Rolle eingenommen. Eine ähnliche Massenhysterie hatte es 1774 gegeben, als Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) seinen Roman "Die Leiden des jungen Werther" veröffentlichte. Darin wählte der Protagonist aus Liebeskummer den Freitod. Die bewegende Geschichte löste damals eine wahre Selbstmordwelle unter den jungen Menschen aus. Soweit gingen die Holmes-Fans zwar nicht, aber in vielen Städten sah man Holmes-Fans, die zum Zeichen der Trauer schwarze Armbinden trugen und den Tod ihres Helden beweinten. Auch die Tagespresse nahm Anteil am Phänomen Holmes. Die "Kölnische Tageszeitung" schrieb: "Es ist sicher, dass das gegenwärtige Europa an einer Krankheit leidet, die man den Sherlockismus nennen kann..."

Nachdem die vielen "Sherlockianer" wütend und enttäuscht ihren Kummer über das Ableben von Sherlock Holmes zum Ausdruck gebracht hatten und der Verlag Doyle mit einer größeren Geldsumme überredet hatte, ließ der Schriftsteller seinen Romanhelden wieder auferstehen: Zwar sei Professor Moriarty bei dem Handgemenge in der Schweiz getötet worden, aber Holmes selbst habe den Sturz überlebt, ließ Doyle verkünden und machte mit dieser Nachricht und den folgenden neuen Holmes-Geschichten die vielen Fans des Detektivs glücklich. 1902 erschien dann mit "The Hound of the Baskervilles” ("Der Hund von Baskerville") wieder ein Roman mit Sherlock Holmes. Es sollte die bekannteste Kriminalgeschichte um den Meisterdetektiv aus London werden.

Ein Wohnzimmer. Wände und Möbel sind in Rot gehalten. Auf einem Stuhl liegt eine Violine. Der Blick auf den offenen Kamin wird durch eine Tischlampe verdeckt. Auf dem Tisch liegt eine alte englische Zeitung. Sie trägt den Titel 'Police News' - 'Polizei-Nachrichten'. Daneben eine Tasse, Teller und Essbesteck. (Rechte: dpa)

Das Wohnzimmer des Meisterdetektivs

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Romanfigur mit Postanschrift

Sherlock Holmes wohnte in der Londoner Baker Street 221 - natürlich nur in der Phantasie und in den Geschichten seines Erfinders Sir Arthur Conan Doyle. 1990 ist Doyles Phantasievorstellung allerdings Wirklichkeit geworden: In unmittelbarer Nähe der Romanadresse entstand in der Baker Street ein Sherlock-Holmes-Museum. Es präsentiert die Wohnung des Meisterdetektivs genau so, wie Doyle sie sich ausgedacht und in seinen Erzählungen beschrieben hat: ein Wohnzimmer, gemütlich möbliert im Stil der Viktorianischen Zeit und vollgestopft mit vielen Erinnerungsstücken des Kriminalisten. Es gibt zwei Schlafräume in der Wohnung, einen für Holmes selbst, den anderen für seinen treuen Weggefährten Dr. Watson. In den Romanen wohnen und arbeiten die beiden dort von 1881 bis 1904.

Sherlock Holmes ist wohl eine der wenigen Romanfiguren, die es in der wirklichen Welt zu einer realen Wohnungsadresse gebracht haben. Noch heute erreichen Hunderte von Briefen die Londoner Baker Street 221. Dort befindet sich zwar das nüchterne Verwaltungsgebäude einer Bausparkasse, doch die stellte eigens einen Mitarbeiter ab, der stellvertretend für den Meisterdetektiv die Post seiner vielen Fans nach bestem Wissen und Gewissen beantwortet.

Alfried Schmitz, Stand vom 05.10.2010
Sendung: In der Schattenwelt der Detektive, 05.10.2010

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