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Eliana Burki - Alphorn-Queen zwischen Blues und Funk

Als Kind soll Eliana Burki Klavier lernen. Doch schon im Alter von fünf Jahren weiß sie genau: das ist nicht ihr Ding. Ihr Favorit ist eine über drei Meter lange Röhre aus Holz. Die Urgewalt archaischer Alphornklänge zieht die junge Schweizerin magisch an und lässt sie nicht mehr los. Schnell und unmissverständlich macht sie der erstaunten Mutter klar, wo ihre musikalischen Ambitionen liegen: sie will Alphorn spielen.

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Alphornbläserin Eliana Burki (5'22")
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Alphorn - das rockt!

Eliana Burki ist in jeder Hinsicht eine Exotin in der Männer-dominierten Alphornwelt. Sie ist eine Frau, weigert sich schon als Kind, in der traditionellen Tracht aufzutreten, und entdeckt mit 13 Jahren ihre Vorliebe für Jazz- und Blueskompositionen. Den Traditionalisten schmeckt das gar nicht, denn es gibt so etwas wie einen Kodex für Alphornspieler. Der schreibt vor, dass nur bestimmte Töne und traditionelle Weisen erlaubt sind und dass grundsätzlich in der traditionellen Tracht gespielt werden soll. Jazz- und Blues- oder gar Rockmusik sind in diesem Setup nicht vorgesehen. Eliana setzt sich gegen solche Widerstände unbeirrt durch und entlockt der "langen Tröte" verblüffende Töne. Ihr Alphornlehrer Hans-Jürg Sommer komponiert den ersten Blues für die zielstrebige Musikerin - da ist sie gerade elf Jahre alt. Bis zu vier Stunden täglich probt sie auf dem knapp 3,70 Meter langen Instrument.

Eliana Burki beim Alphorn-Spielen (Rechte: SWR)

Eliana Burki

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Neben der musikalischen Begabung braucht Eliana vor allem körperliche Fitness. Alphorn spielen ist ohnehin anstrengend, doch die fetzigen Jazz-, Blues- und Rockstücke erfordern eine enorme Ausdauer und Kraft. Musikalisch ist sie vorbelastet: Die Mutter eine sehr gute Pianistin, mit der sie regelmäßig klassische Konzerte spielt. Den Feinschliff holt sie sich an der Jazz-Schule Basel mit einem Abschluss in Klavier und Gesang. 2001: Ihr Auftritt beim Blues-Festival Basel ist ein großer Erfolg und die Initialzündung für Eliana, Profimusikerin zu werden. Es folgen internationale Auftritte und Tourneen. Sie gründet eine eigene Band, tourt durch Russland, Südamerika, Hongkong und Indien. 2008 kommt in Zusammenarbeit mit dem langjährigen "Queen"-Produzenten David Harris ihr Debüt-Album "Heartbeat" auf den Markt. Mit Mitte Zwanzig ist sie international erfolgreich und ihr abgefahrener Alphorn-Sound einzigartig in der Musikwelt. Selbst ihr sonst so konservatives Heimatland erkennt, dass es mit Eliana Burki eine hervorragende Botschafterin der "jungen und dynamischen Schweiz" hat - ein Imagegewinn für die Eidgenossen. 2010 sind große Tourneen durch die USA, China, Japan und Deutschland geplant. Das zweite Album ist in Arbeit. Alle Stücke komponiert sie mit ihrer Band selbst, ständig auf der Suche nach neuen Klängen. Die findet sie unter anderem auf ihren Reisen in exotische Länder, wo sie sich gerne von fremden Musikstilen inspirieren lässt. Mit der vermutlich zurzeit besten Alphorn-Spielerin ist das Traditionsinstrument in der Moderne angekommen.

Zwei Alphornbläser beim Spiel auf einer Wiese (Rechte: dpa)

Je länger es ist, desto mehr Töne sind möglich

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Alphorn-Basics

Das Alphorn ist schon "von Natur aus" gebogen. Krumm wie es ist, wächst es zum Beispiel als Fichte an den Engadiner Berghängen. Die Bäume werden über der Wurzel abgeschnitten, halbiert und bis auf eine Wandstärke von fünf Millimetern ausgehöhlt: im traditionellen Instrumentenbau eine rund 70-stündige Handarbeit. Heute übernehmen das meistens Fräsmaschinen. Später werden die beiden Hälften wieder miteinander verleimt. Um das Ganze transportabel zu halten, sind Alphörner aus zwei oder drei Teilen zusammengesteckt. Moderne Varianten werden aus Acrylglas oder Karbonfasern hergestellt, wiegen weniger als ein Kilo, klingen aber deutlich schlechter als die Naturstoff-Variante. Das Mundstück ist aus Holz. Je nach Stimmung sind die "XXL-Hörner" unterschiedlich lang.

Ein Fis/Ges-Alphorn, die in der Schweiz häufigste Art, misst 3,47 Meter. Ein C-Alphorn bringt es dagegen "nur" auf 2,45 Meter. Obwohl aus Holz, zählt das Alphorn zu den Blechblasinstrumenten. Der Grund dafür ist die Tonentstehung. Genau wie bei der Trompete erzeugen Lippenschwingungen des Musikers den Ton. Sie bringen die Luftsäule im Instrument zum Schwingen und der Ton wird dadurch verstärkt. Weil ein Alphorn weder Klappen noch Ventile besitzt, kann man nur Naturtöne spielen. Die Anzahl spielbarer Töne hängt von der Länge des Instruments ab - je länger es ist, desto mehr Töne sind möglich. 17 sind es bei Eliana Burkis 3,68 Meter langem F-Alphorn, bei kürzeren Varianten entsprechend weniger. Da mit Naturtoninstrumenten wie dem Alphorn oder auch der Fanfare nicht alle Halbtonschritte der chromatischen Tonleiter gespielt werden können, klingt das Ganze mitunter etwas schräg.

Alphorn-Geschichte

Zweifellos ist das Alphorn das Schweizer Nationalinstrument. Wann und wo es aber erfunden wurde, lässt sich kaum beantworten. "Vorfahren" des Blasinstruments finden sich weltweit in der ganzen Menschheitsgeschichte. Überall dort, wo unsere Vorfahren in ein ausgehöhltes Stück Holz, einen Ast oder Ähnliches geblasen haben. Die erste schriftliche Erwähnung des Alphorns in der Schweiz stammt aus dem Jahr 1527, aus einem Rechnungsbuch des Klosters St. Urban. Früher diente es als Kommunikationsmittel. Je nach Landschaftsform ist der kräftige Sound noch in fünf bis zehn Kilometern Entfernung zu hören. Bauern in abgelegenen Bergregionen haben am Abend einen "Alpsegen"(Gebetsruf) gespielt. Damit signalisierten sie, dass bei ihnen alles o.k. ist. Blieb der Alpsegen aus, war etwas nicht in Ordnung. Im 18. Jahrhundert ist das Alphorn fast schon Geschichte. Verarmte, musizierende Hirten haben es in den Städten als "Bettelhorn" in Verruf gebracht. Im 19. Jahrhundert erlebt das Schweizer Nationalsymbol eine Renaissance. Die Epoche der Romantik und nicht zuletzt englische Touristen verschaffen der Folklore - und damit auch dem Alphorn - den zweiten Frühling. Heute ist der Schweizer Jodler-Verband stolz auf seine rund 2000 organisierten Alphornbläser auf der ganzen Welt, die traditionsbewusst und voller Stolz ins lange Rohr blasen.

 


Hans-Jürgen von der Burchard, Stand vom 29.03.2010

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