Orgel
Orgel - Königin der Instrumente
Die größte Domorgel der Welt lässt sich im Passauer Stephansdom bestaunen. Das Wunderwerk der Technik besteht aus fünf in dem riesigen Kirchenbau verteilten Orgelwerken, die sich alle von einem Hauptspieltisch aus gemeinsam bedienen lassen. Dem Organisten stehen mehr als zweihundert Register zur Verfügung, das sind Gruppen von Pfeifen - insgesamt fast 18.000 - die sich in ihrer Bauart und Klangfarbe unterscheiden.
Die Register sind häufig nach klassischen Instrumenten wie Flöten, Trompeten oder Violinen benannt, deren Klang durch entsprechende Pfeifen "nachgeahmt" wird. Durch die Kombination verschiedener Register lassen sich Millionen von Klangfarben erzeugen. Deshalb wird die Orgel gerne auch als "Königin der Instrumente" bezeichnet. Im weitesten Sinne könnte man die Orgel sogar als Vorläufer des Synthesizers betrachten. Der wesentliche Unterschied: Sounds werden nicht mechanisch durch ein Gebläse und Pfeifen, sondern mithilfe elektronischer Schwingkreise erzeugt.
Die Kunst des Orgelbaus
Die historische Orgel im Passauer Dom hat Orgelbaumeister Wolfgang Eisenbarth auf den neuesten Stand gebracht. Natürlich fertigt er in seinem Betrieb auch neue Instrumente, die in alle Welt gehen. Viele haben das Ausmaß eines dreistöckigen Hauses und werden in der Werkstatt vor der Auslieferung probehalber zusammengebaut. Das meiste ist Handarbeit, das gilt vor allem für die Herstellung der Pfeifen aus verschiedenen Hölzern und Metalllegierungen. Doch nicht nur das Material beeinflusst den Klang. Auch die Mensur - das Verhältnis von Länge und Durchmesser - sowie die Bauform sind maßgebend. Für tiefere Töne braucht man längere, für hohe kürzere Pfeifen.
Die wichtigsten Register einer Orgel sind die Prinzipale. Das sind die nach außen sichtbaren Hauptstimmen der Orgel, sie bilden sozusagen das Klanggerüst. Dazu kommt die Familie der Flöten und Streicher mit weiteren Mensuren. Für einen dunkleren und fülligeren Klang werden üblicherweise trichterförmige Pfeifen gewählt. Was die Bauformen und Materialien angeht, hat jeder Orgelbaumeister seine Betriebsgeheimnisse. Und so hat jede Orgel ihren charakteristischen unverwechselbaren Klang.
Die Orgel ein Holzblasinstrument
Die einfachste Bauform einer Orgelpfeife ist die sogenannte Lippenpfeife. Die Druckluft aus dem Gebläse trifft auf eine abgeschrägte, scharfkantige Lippe und teilt sich dort. An der Kante bilden sich abwechselnd nach außen und nach innen drückende Verwirbelungen. Das führt zu Druckschwankungen, die die Luftsäule im Innern der Pfeife zum Schwingen anregen. Das Prinzip ähnelt dem einer Trillerpfeife oder Blockflöte. Da nur ein Teil der eingeblasenen Luft der Klangerzeugung dient, zählt man die Orgel zu den Holzblasinstrumenten. Bei Blechblasinstrumenten wird der gesamte Luftstrom zur Klangerzeugung genutzt. Der Musiker presst seine schwingenden Lippen gegen ein Mundstück und erzeugt so Druckwellen in Trompete, Posaune oder Tuba.
Hans-Jürgen von der Burchard, Stand vom 29.03.2010







