Musiktherapie
Schmerzwissenschaften
Musik bewirkt eine geringere Ausschüttung von Stresshormonen und steigert die Ausschüttung von schmerzkontrollierenden Betaendorphinen. Also empfindet man bei Musik tatsächlich weniger Schmerz. Zahnärzte nutzen diesen Umstand schon länger. Und bei einer Teilnarkose schirmt die Musik natürlich auch unangenehme Geräusche von außen ab. Musik ist außerdem Fürsorge und Betreuung - der Patient fühlt sich besser aufgehoben. Auch in der Therapie chronischer Schmerzen wird sie eingesetzt. Patienten berichten zum Beispiel, dass sie von der Musik regelrecht von ihren Schmerzen abgeschirmt würden. Nachgewiesen sind auch positive Effekte bei der Behandlung von Tinnitus-Patienten. Neben Entspannung wurden durch ausgewählte Musik auch störende Ohrgeräusche überlagert und aus dem Bewusstsein gedrängt.
Neurologie
In der Rehabilitation von Schlaganfallpatienten ist es wichtig, den Patienten ihre motorischen Fähigkeiten wieder anzutrainieren. Mit einer Gruppe von Nichtmusikern wurde so ein Rehatraining mit Musikübungen auf einer Tastatur und einem elektronischen Schlagzeug durchgeführt. Es zeigte sich, dass sie schneller Fortschritte machten als andere Patienten. Man nimmt an, dass das unter anderem daran liegt, dass die Patienten beim Musizieren eine unmittelbare Rückmeldung übers Ohr bekommen, ob sie eine Bewegung richtig ausgeführt haben oder nicht. Außerdem macht diese Form des Trainings den Patienten einfach mehr Spaß und erhöht so auch ihre Leistungsbereitschaft während der Trainingseinheiten.
Geriatrie
Musik wird auch versuchsweise bei Alzheimer-Patienten angewendet. An der Uni Zürich hat man im Kernspintomografen Musikergehirne untersucht und gezeigt, dass sie an einigen Stellen mehr Masse aufweisen. Deshalb nimmt man an, dass der Abbau von Hirnsubstanz durch Musizieren gebremst werden kann. An der Uni Magdeburg wird derzeit getestet, ob alte Menschen so gezielt therapiert werden können.
Psychiatrie
Musik verringert Ängste und mildert Depressionen. Das war sogar die allererste therapeutische Anwendung von Musik, die überliefert worden ist. König David soll Saul auf seiner Harfe vorgespielt haben, wenn er deprimiert war. Wie das geklungen haben mag, wissen wir heute natürlich nicht mehr. Ein etwas moderneres Beispiel sind die "Goldberg Variationen" von Johann Sebastian Bach. Sie haben eine einfache Struktur, sind aber auch sehr variabel, was perfekt war, um dem depressiven Grafen, für den sie komponiert wurden, zu helfen. Musik scheint Bereiche im Gehirn zu erreichen, die mit Sprache nicht zugänglich sind.
Deshalb wird sie auch beim sogenannten frühkindlichen Autismus eingesetzt. Bei autistischen Menschen ist die emotionale Verarbeitung gestört. Das bedeutet, dass sie enorme Schwierigkeiten haben, Beziehungen und Stimmungen auszudrücken. Musik kann ihnen genau dabei helfen. Therapeuten der Uni Witten/Herdecke kommunizieren allein durch Musik mit ihren jungen Patienten. Dadurch lockern sie sich während der Stunden und gehen langsam selbst auf die Musik ein. Nach der Therapie sind sie entspannter und ruhiger.
Salim Butt, Stand vom 17.01.2012
Sendung: Musik - Balsam für Körper und Seele , 17.01.2012







