Zupfinstrumente
Harfe
Zu den ältesten Zupfinstrumenten gehört sicherlich die Harfe, die aus einem Jagdbogen entwickelt wurde. Die Jäger der frühen Kulturen mussten bemerkt haben, dass die Bogensaite beim Spannen einen Ton erzeugte. Vorstellbar ist, dass sie zuerst eine, dann zwei, später drei und immer mehr Saiten aufgespannt haben, um einen größeren Tonumfang zu erhalten. Da die Töne nur einen leisen Klang produzierten, kam man schließlich darauf, das Instrument mit einem Resonanzkörper zu versehen. Von Abbildungen auf Vasen oder Grabreliefs weiß man, dass in den ersten Hochkulturen der Sumerer und der Ägypter die Harfe ein beliebtes Instrument war. In der griechischen Antike waren sowohl die Harfe als auch die Kithara und die Lyra in Gebrauch. Originale Saiteninstrumente aus der Zeit der Antike sind heute nicht mehr erhalten. Einer der berühmtesten Harfenisten der Antike war König David, der auf vielen Abbildungen mit einer Harfe dargestellt wird. Durch sein Harfenspiel soll er der Erzählung nach den zürnenden König Saul besänftigt haben.
Mit der Völkerwanderung im 4. und 5. Jahrhundert nach Christus brachten Normannen und Angelsachsen die Harfe in den Westen Europas. Die romanische Harfe ist die älteste Form einer Harfe in Europa. Mit diesen noch kleinen Harfen zogen im Mittelalter Troubadoure, Barden und Minnesänger wie Walther von der Vogelweide von Ort zu Ort und trugen ihre Lieder vor. Ein Land, in dem die Harfe bis auf den heutigen Tag größte Popularität besitzt, ist Irland. Das Instrument war lange Zeit ein Zeichen des Widerstandes gegen die englische Besetzung des Landes. Sowohl im irischen Staatswappen als auch auf den Euro-Münzen ist die Harfe abgebildet.
Ihre klangliche Vollendung fand die Harfe durch die Erfindung des Pedalsystems von Jacob Hochbrucker aus Donauwörth. Durch Betätigen des Pedals mit dem Fuß wurde es möglich verschiedene Halbtöne zu erzeugen. Die sogenannte Südtiroler Volksharfe wurde noch durch den Bau der Doppelpedalharfe, die sieben Pedalen besitzt, übertroffen. Durch diese Verbesserung, die auf den Franzosen Erard zurückgeht, konnten fortan nicht nur zwei, sondern drei verschiedene Töne auf einer Harfensaite gespielt werden. Zusammen mit einem verbesserten Klangkörper führte diese Entwicklung zur heutigen Konzertharfe.
Zither:
Obwohl die Zither überwiegend mit alpenländischer Musik in Zusammenhang gebracht wird, stammt das wohl bekannteste Musikstück, das je für eine Zither geschrieben wurde, aus dem berühmten Kinofilm "Der Dritte Mann" von 1949. Diese Titelmelodie ging damals um die Welt, belegte elf Wochen lang Platz eins der amerikanischen Charts und wurde als Single 40 Millionen Mal verkauft.
Eine Vorform der heutigen Harfenzither und Konzertzither ist die Rafelen. Sie hat nur drei Saiten und war bereits im 15. Jahrhundert bekannt. Ursprünglich geht die Rafelen auf das "Schaitholt" zurück. Dabei handelt es sich um eine Schindel, auf die man Saiten gespannt hat und die so einen Ton erzeugen konnte. Eine vollchromatische Tonleiter konnte man darauf allerdings noch nicht spielen. Die Zithern gehören traditionell in den deutsprachigen Alpenraum, Bayern, Österreich und die Schweiz. Gerade im Winter hatten die Bauern viel Zeit, um ihre Zitherinstrumente zu verfeinern und in geselliger Runde zu musizieren. So begründeten sie die Tradition der Zither- und Stubenmusik. Um die Melodie mit dem rechten Daumen spielen zu können, stülpen sich die Zitherspieler einen Ring darüber und zupfen die Saiten damit. Die anderen Finger der rechten Hand spielen die Begleitung und mit der linken Hand werden die Saiten abgedrückt, damit Halbtöne zu hören sind.
Die Harfenzither und die kleine Konzertzither sind recht junge Instrumente, die erst um 1850 entstanden sind und musikalisch eine sehr ähnliche Stimmung erzeugen. Gerade im 20. Jahrhundert sind es nicht nur die Alpenländer, in denen die Zither beliebt ist, sondern auch in Sachsen und im Ruhrgebiet entstehen viele Zitherclubs mit zahlreichen Mitgliedern.
Hackbrett
Das heutige Hackbrett ist erst nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden und ist insofern ein sehr junges Instrument Es wird mit zwei Schlägeln oder Klöppeln gespielt, die vorne mit Filz oder Leder bezogen sind. Im asiatischen Raum benutzt man zum Hackbrettspielen auch Bambusstäbchen. Beim Anschlagen kann man immer nur zwei Töne auf einmal spielen. Streng genommen gehört das Hackbrett auch weniger zu den Zupf- als vielmehr zu den Saiteninstrumenten und ist von der Spielweise ähnlich zum Cembalo, dessen Saiten ebenfalls angeschlagen werden. Aufgrund seiner historischen Entwicklung kann man das Hackbrett wiederum zur Gruppe der Zupfinstrumente zählen.
Der Vorläufer des Hackbretts war das Psalterium, das man bereits im Mittelalter kannte. Sein Resonanzkörper war trapezförmig beziehungsweise rechteckig. Das Psalterium war ein reines Zupfinstrument und kam aus dem Orient nach Europa. Verwandt mit dem Hackbrett ist das Saitentamburin, das im Mittelalter überwiegend von Gauklern und Spielleuten in Südfrankreich gespielt wurde.
Laute
Der Ursprung der Laute liegt im arabischen Raum. Dort war das Instrument "a loud" weit verbreitet. Übersetzt aus dem Arabischen heißt "a loud" das Holz. Und der Klang des arabischen Wortes hat sich noch in der heutigen Bezeichnung Laute gehalten. Die Laute kam nicht wie die Harfe über Griechenland nach Europa, sondern sie nahm ihren Weg über Nordafrika. Mauren und Sarazenen brachten die Laute in der ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts nach Spanien und Sizilien und von dort breitete sie sich in den folgenden Jahrhunderten in ganz Europa aus. Auffälligstes Merkmal der Laute ist der lange Steg und der abgeknickte Hals des Instruments. Frühe Instrumentenbauer gingen davon aus, dass sie durch diese Bauweise die Statik des Instruments verbessern konnten, aber das erwies sich als Irrtum. Einen akustischen Effekt, also dass die Töne anders oder besser klingen, hat der abgeknickte Hals auch nicht. Heute gilt er als typische Zierde der Laute.
Gitarre
Die ersten gitarrenähnlichen Instrumente hatten Resonanzkörper, wie zum Beispiel den Panzer einer Schildkröte oder Kürbisse, die mit Fell bespannt wurden. Bereits seit 5000 Jahren sind diese Saiteninstrumente bekannt, die in den ersten Hochkulturen von Mesopotamien und Ägypten in Gebrauch waren. Die arabische Laute, die persische Setar mit drei Saiten und die Gitarre haben eine selbstständige Entwicklung durchlaufen.
Ab wann man von der klassischen Gitarre sprechen kann, ist nicht genau bestimmbar, da noch in der Renaissance die gitarrenähnlichen Instrumente regional sehr unterschiedlich waren. Oft wurde die Gitarre nur als Begleitinstrument für Gesang eingesetzt. Besonders in Spanien trieb man den Bau und die Entwicklung der Gitarre voran. Ihre heute gebräuchliche Form erhielt die Konzertgitarre erst Mitte des 19. Jahrhunderts durch den spanischen Instrumentenbauer Antonio de Torres Jurado.
Vor allem durch die Volksmusik und die amerikanische Countrymusic trat die Gitarre im 19. Jahrhundert ihren Siegeszug um die Welt an. In Deutschland wurde die akustische Gitarre in der Wandervogelzeit zu Beginn des 20. Jahrhunderts populär. Und heute hat die E-Gitarre als das wichtigste Instrument der Pop- und Rockmusik bereits Kultstatus erlangt.
Sabine Kaufmann, Stand vom 16.01.2012
Sendung: Musik - Balsam für Körper und Seele , 17.01.2012










