Interview mit Catherine Rückwardt
Planet Wissen (PW): Catherine Rückwardt, Sie selbst stammen aus einer Musikerfamilie. Ihr Vater war Dirigent und Pianist, Ihre Mutter, die Sängerin Judith Beckmann, sang auf der Bühne der Hamburger Staatsoper. Waren Sie bei den Aufführungen Ihrer Eltern m
Catherine Rückwardt (C.R.): Als Kind war ich schon immer im Theater dabei, selbst wenn am nächsten Tag Schule war. Darum haben mich schon meine Schulfreundinnen beneidet, um eine so exotische Mutter.
PW: Waren Sie ein Wunderkind oder haben Sie viel Rückhalt aus Ihrem Elternhaus bekommen?
C.R.: Ich habe natürlich Klavier- und Geigenunterricht gehabt. Musik war ein Bestandteil unseres Lebens, also war es eine logische Konsequenz, daraus meinen Beruf zu machen. Diese Tür wollten mir meine Eltern natürlich nicht zuschlagen. Das Elternhaus ist sehr wichtig, wenn man Musik ausüben möchte.
PW: Nach dem Geigenstudium und der Ausbildung zur Konzertpianistin, wie wurden Sie Dirigentin?
C.R.: Die Grundzüge des Dirigierens hat mir mein Vater, der selber Dirigent war, beigebracht. Dirigierklassen, so wie heute, gab es damals noch nicht so häufig. Ich begann als Probenpianistin, und nach nur einem Jahr stand ich am Pult. Der beste Weg, das Dirigieren zu erlernen, ist, man tut es.
PW: Muss man von der Musik berührt sein, um sie dirigieren zu können?
C.R.: Es hilft ungemein, wenn einem die Musik liegt. Es kann aber auch vorkommen, dass sich einem zuerst nur drei Takte eines Stückes erschließen. Und aus dieser Samenzelle muss man sich dann ein Verständnis für den Rest des Werkes erarbeiten.
PW: Ist es für einen Dirigenten nicht viel einfacher, wenn er sich auf bestimmte Werke und Komponisten spezialisiert?
C.R.: Auf Dauer ist es gut, wenn man sich spezialisiert. Das kann man aber erst machen, wenn man längere Zeit im Geschäft ist und viele Erfahrungen hat.
PW: Von 76 Opernhäusern mit regulärem Spielbetrieb gibt es nur drei Chefdirigentinnen. Hat man es heute immer noch schwerer, sich als Frau am Pult zu behaupten?
C.R.: Bei der alltäglichen Arbeit mit dem Orchester läuft alles glatt. Bis man aber so weit kommt und Dirigentin ist, ist es sehr schwierig. Frauen werden einfach nicht zum Vorstellungsgespräch eingeladen.
PW: 2001 wurden Sie Generalmusikdirektorin des Mainzer Philharmonischen Staatsorchesters. War das noch eine Sensation?
C.R.: Es war eine Sensation und es ist heute immer noch eine Sensation, wenn eine Frau in eine solche Position gelangt. Das Medieninteresse ist groß und es ist auch hilfreich für kommende Frauen....
PW: Hat man es als Dirigentin irgendwann geschafft und kann sich dann zurücklehnen?
C.R.: Nein, das nie. Es ist ein langer und sehr mühsamer Weg, bis man am Pult steht. Und das Schöne: Man hat nie ausgelernt als Dirigent, es gibt immer etwas Neues zu entdecken.
Interview: Sabine Kaufmann, Stand vom 05.12.2007





