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Khaled Hajj Brahim - Der König des Rai

Der algerische Sänger Khaled gilt als unbestrittener König des Rai, seit ihm 1985 in Oran beim bis dahin ersten Rai-Festival der Stadt dieser Titel verliehen wurde. Indem er in den 90er Jahren zum international erfolgreichsten Künstler des Genres aufstieg, konnte er diesen Ruf etablieren. Besonders sein Hit "Aicha" dürfte entweder im Original oder in einer der unzähligen Cover-Versionen auf der ganzen Welt bekannt sein.

Der algerische Rai-Sänger Khaled im Porträt. (Rechte: dpa)

Khaled Hajj Brahim

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Die frühen Jahre

Geboren wurde Khaled im Jahr 1960 in der westalgerischen Stadt Sidi-El-Houri. Mit vollem Namen Khaled Hajj Brahim, wuchs er dort als Sohn eines Polizeibeamten in den neuen Bezirken der Stadt Oran auf, der Hauptstadt des Rai. Er fühlte sich schon früh von der Musik angezogen, die bis dahin noch als Musik der Unterschichten galt und mit Betrunkenen und Prostituierten assoziiert wurde. Gleichzeitig begeisterte er sich für westliche Pop-Stars wie James Brown oder die Beatles und begann, sich selbst das Spiel der Gitarre, der Harmonika und des Akkordeons beizubringen. Mit 14 veröffentlichte er seinen ersten Song und avancierte bereits damit zum Kinderstar des Rai. Nachdem er von zu Hause ausriss, verdingte er sich durch Auftritte in Clubs, auf Parties und auf Hochzeiten.

Anfang der 80er Jahre traf er auf den algerischen Produzenten Rachid Baba Ahmed, der den Rai revolutionierte, indem er die traditionelle Musik um elektronische Elemente erweiterte. In seinem professionellen Studio entstanden einige wegweisende Aufnahmen. Die Kombination von Khaleds Stimme mit Synthesizern, Gitarre und Drum-Machine erwies sich als wahrer Kassenknüller. Der algerischen Regierung jedoch war das populäre Genre suspekt und die allzu freimütigen Texte fielen immer wieder der Zensur zum Opfer.

Koranlehrer mit Schülern beim Studium. (Rechte: dpa)

Den Islamisten ist der Rai ein Dorn im Auge

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Der Wechsel nach Frankreich

Ende der 80er Jahre, als sein Ruf als "König des Rai" in ganz Algerien längst unbestritten war, nahm Khaled den ersten Anlauf, seine Karriere auch auf das Ausland auszuweiten. Auf heute legendären Festivals, in Bobigny und La Vilette, gab die erste Garde des Rai ihren Einstand in Frankreich. Und Khaled half, den Rai dort salonfähig zu machen.
Schon 1989 nahm er in Paris sein erstes internationales Album "Kutché" auf, gemeinsam mit dem algerischen Komponisten Safy Boutella. Der Durchbruch gelang ihm aber erst 1991 mit dem Album "Khaled", an dem der US-Produzent Don Was und der britische Komponist Michael Brook beteiligt waren. Inzwischen hatte er die Vorsilbe Cheb abgelegt, weil man sie im Ausland zu oft für seinen Vornamen gehalten hatte.
Mit dem Dancefloor-Hit "Didi" gelang Khaled der kommerzielle Urknall des globalisierten Pop-Rai, der noch in so entfernten Ländern wie Indien, der Türkei oder Israel nachhallte. Vier Jahre später sollte es ihm gelingen, mit dem Song "Aicha" diesen Erfolg noch einmal zu überbieten.

In der Zwischenzeit war Khaled nach Frankreich übergesiedelt, zumal in Algerien die Lage immer schwieriger wurde. Den immer selbstbewusster auftretenden Fundamentalisten waren die "Unmoral" und der Erfolg des Rai schon immer ein Dorn im Auge gewesen. In den 90er Jahren aber glitt das Land in einen blutigen Bürgerkrieg, in dem auch die Rai-Stars zur Zielscheibe wurden. Im Jahr 1994 fielen der Produzent Rachid Baba Ahmed sowie der Rai-Sänger Cheb Hasni Anschlägen zum Opfer. Khaled aber engagierte sich in Frankreich an Solidaritäts-Konzerten und initiierte mit dem kabylischen Kollegen Idir die Bewegung "L'Algerie, la vie", die sich für ein multiethnisches und multireligiöses Algerien einsetzt und der sich fast die gesamte Rai-Szene im Exil anschloss.

Khaled und der Komponist Bruno Coulais bei einer Preisverleihung. (Rechte: dpa)

Nur eine von zahlreichen Auszeichnungen

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Monarchie und Alltag

Nach seinem großen Erfolg mit "Didi" steuerte Khaled zunächst den Soundtrack zum Film "1,2,3 Soleils" von Bertrand Blier bei. Die Songs erschienen später auf dem Album "N'Ssi, N'Ssi" und Khaled wurde dafür mit einem César (der französischen Entsprechung zum Oskar) ausgezeichnet. Kommerziell erfolgreicher aber war das Album "Sahra", das 1996 erschien. Mit seiner bunten Mischung aus Reggae-Einflüssen, HipHop-Grooves und französischem Pop-Schmelz à la "Aicha" aus der Feder des Erfolgsproduzenten Jean-Jacques Goldman zeigte es Khaled in seiner bislang vielseitigsten Form. Aufgenommen auf Jamaika, in Los Angeles und Paris, zeugte das Album vom globalen Anspruch Khaleds.

Der Preis dafür war eine allmähliche Entfremdung von seinem ursprünglichen Publikum in Algerien und den "beurs", wie sich die maghrebinischen Einwandererkinder in Frankreich nennen. In eingefleischsten Fan-Kreisen jedenfalls machte ihm Anfang der 90er Jahre der Sänger Cheb Hasni den Rang des Rai-Königs streitig. Der schmalzige Stil aber, für den der Algerier berühmt war und den er "Lover's Rai" nannte, hat nie ein internationales Publikum angesprochen.

Khaled dagegen eroberte sich ein weltweites Publikum. Sein Gala-Konzert mit seinen beiden Kollegen Rachid Taha und Faudel, einem Nachwuchsstar, markierte die endgültige Ankunft des Rai im französischen Pop-Mainstream. Die Show mit dem Titel "1,2,3 Soleils", die im Herbst 1998 in Paris über die Bühne ging, wurde auf CD und Video fest gehalten und zeigte Khaled auf einem der Höhepunkte seines musikalischen Schaffens.

Andrea Oster, Stand vom 01.06.2009

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