Urmel aus dem Eis
Geboren im Eisberg, gejagt von König Futsch
An einem schönen, sonnigen Tag treibt ein großer Eisberg an den Strand der kleinen Südseeinsel Titiwu. In diesem Eisberg verbirgt sich ein sonderbares Ei. Der etwas zerstreute Inselbewohner Professor Habakuk Tibatong besteht darauf, dass es ausgebrütet wird. Und er glaubt seinen Augen nicht zu trauen: Dem Ei entsteigt ein merkwürdiges grünes Wesen. Ein Tierbaby, das aussieht wie eine Kreuzung von Dinosaurier und Nilpferd und das einen rosa Schnuller um den Hals trägt: das Urmel.
Vorbei ist es mit der Ruhe in der Tier-Sprechschule des Professors, in der der lispelnde Pinguin Ping, der singende Seele-Fant, der Waran Wawa, die Schweine-Dame Wutz und der Schuhschnabel Schusch sprechen lernen. Denn das Urmel ist eine wissenschaftliche Sensation und sorgt auch fern der Insel für Wirbel. Altkönig Futsch von Pumponel möchte das Urmel fangen und in den Zoo sperren. Es beginnt eine dramatische Jagd, bei der die Tiere, der Professor und der Waisenjunge Tim Tintenklecks immer neue Verstecke für das Urmel finden.
Star der Puppenkiste und ein Vorbild für Kinder
Das Urmel verzauberte erstmals in der Adventszeit im Jahr 1969 Millionen Kinder und Eltern in Deutschland vor dem Fernseher. Das unschuldige und verspielte Dinosaurierbaby war wegen seiner symphatischen Schwächen eine perfekte Identifikationsfigur für die kleinen Zuschauer. Es lispelte, hatte viele Streiche im Kopf und wurde zu einem der größten Stars der "Augsburger Puppenkiste". Vor allem die witzigen Dialoge des Puppenkisten-Regisseurs und -Drehbuchautors Manfred Jenning (gestorben 1979) faszinierten das Fernsehpublikum.
Auch in vielen anderen Ländern lief der Urmel-Vierteiler mit großem Erfolg, sogar in Kuwait. Eine unglaubliche Geschichte: Ein Saurierbaby überlebt Jahrtausende eingefroren im Eis, bis es von einem Professor aufgetaut wird. "Jurassic Park" seherisch vorweggenommen - nur gab es statt aufwändiger Computertricks damals Palmen aus Lindenholz und ein Meer aus Klarsichtfolie.
Max Kruse: Erfinder des Urmels
Der Autor der Urmel-Bücher, Max Kruse, wurde am 19. November 1921 in Bad Kösen geboren. Er ist der Sohn der berühmten Puppenschöpferin Käthe Kruse und eines Bildhauers. Puppen begleiteten ihn sein Leben lang. Zunächst arbeitete er als Kaufmann und baute die Werkstätten seiner Mutter in Bad Pyrmont wieder neu auf. Das Unternehmen übergab er 1958 an seine Schwester. "Ich wollte schreiben, und ich musste mich endlich von meiner Familie freimachen", erklärte er.
Seinen Durchbruch als Schriftsteller schaffte Kruse 1965, als sein erstes Kinderbuch "Der Löwe ist los" (geschrieben 1952) mit der "Augsburger Puppenkiste" verfilmt wurde. Aber "Urmel aus dem Eis" wurde mit Abstand sein bekanntestes Buch. Die literarische Geburt des kleinen Saurierbabys wurde, wie Kruse erzählte, inspiriert durch eine gerade gelieferte Tiefkühltruhe: "Ich dachte damals, wie es wohl wäre, wenn das Ei eines Urtieres tiefgefroren die Jahrmillionen bis heute überdauert hätte und in unserer Zeit ausgebrütet würde". Den Namen "Urmel" kombinierte er aus "Ur" wie in "Urzeit" und einer Zärtlichkeits-Formel. Dem ersten Urmel-Abenteuer folgten noch zehn weitere Bücher: Das kleine grüne Tierchen taucht darin ins Meer, lässt sich per Rakete ins All schießen, zieht zum Pol und fliegt auf den Mond.
Heute lebt Max Kruse mit seiner Frau in der Nähe von München. Er wurde im Jahr 2000 unter anderem mit dem "Großen Preis der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur" ausgezeichnet und hat mehr als 50 Kinder- und Jugendbücher geschrieben, die in zahlreiche Sprachen übersetzt wurden.
Claudia Kracht, Stand vom 01.06.2009





