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Nachrichtensendungen

Die Nachrichten des privaten Fernsehsenders RTL unterscheiden sich schon optisch von denen der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten. Wo aber liegen neben einer anderen Sendezeit und dem Studiodesign die Unterschiede in der Konzeption der Sendung und der Auswahl der Nachrichten? Planet Wissen hat im Herbst 2003 mit denen gesprochen, die es genau wissen: Hartmann von der Tann, früherer Chefredakteur der ARD-Nachrichten und Peter Kloeppel, Moderator und stellvertretender Redaktionsleiter von RTL-Aktuell.

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Bei Nachrichten, die so bedeutend sind, dass sie die Welt verändern können, wie die Terroranschläge am 11. September 2001, ist von den Nachrichtenmachern eine blitzschnelle Reaktion und Einschätzung gefragt. Sie müssen entscheiden, ob die Nachricht bedeutsam genug ist, um das laufende Programm zu unterbrechen. Für Hartmann von der Tann gibt es den Prototyp einer Nachricht nicht, der es in jedem Fall rechtfertigen würde, das laufende Programm zu stoppen. Das sei von zu vielen Faktoren abhängig: "Wenn etwa der Irak-Krieg ausbricht, aber es gibt noch keine Bilder dazu, wird man sich sicher anders verhalten, als am 11. September, als es schnell Bilder gab."

Für Peter Kloeppel sind solche Nachrichten absolute Sonderfälle, die nur alle drei bis vier Jahre auftreten. Ereignisse, die es rechtfertigen, das laufende Programm zu unterbrechen, müssten aber nicht unbedingt die katastrophale Dramatik eines 11. September haben. So glaubt der RTL-Moderator, dass beispielsweise auch bei einem Kanzlerrücktritt oder einem Anschlag auf einen deutschen Politiker ein Eingriff ins laufende Programm gerechtfertigt ist.

Porträt-Foto von Peter Kloeppel. (Rechte: dpa)

Peter Kloeppel

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Keine Nachricht ohne Bild?

"Wir machen Fernsehen", sagt Peter Kloeppel und betont das Wort "Sehen" in "Fernsehen". "Bilder spielen eine wichtige Rolle und wir versuchen alles, um die Bilder zu unseren Nachrichten zu bekommen." Nur im Notfall, so Kloeppel, greife man auf Grafiken oder Karten zurück.
Ähnlich sieht es von der Tann: "Wenn es keine Bilder zu einem wichtigen Ereignis gibt, über das berichtet werden muss, etwa der Beginn eines Golf-Krieges, schaltet man zu seinen Reportern nach Washington, Berlin, London und Kairo. Und wenn man gut vorbereitet ist, hat man schon längst latent aktuelles Material angehäuft, dass man im Notfall senden kann."

Informationen aus zweiter Hand?

Peter Kloeppel ist grundsätzlich dagegen, Nachrichten aus anderen Medien zu übernehmen. Die Redakteure in den großen Nachrichtenredaktionen haben immer sehr viele Zugänge zu Informationsquellen, was dazu verführe, sich auf die Informationen, die ein anderer Journalist zuvor recherchiert hat, zu berufen. "Dann ist es die klassische Aufgabe eines Redaktionsleiters, den Redakteur am Schlawittchen zu packen und Informationen zu fordern, die noch kein anderer hat". Wenn man schon keine eigene Quelle finden könne, sollte die fremde Quelle zumindest bestätigt und genau benannt werden.
Von der Tann bleibt beim zwei Quellen-Prinzip: "Wenn ich vor der Alternative stehe, etwas gerüchteweise zu übernehmen, um damit als Erster die Information zu bringen, oder auf eine weitere Quelle zu warten und zu riskieren Zweiter zu werden, warte ich lieber."

Porträt-Foto von Hartmann von der Tann. (Rechte: dpa)

Hartmann von der Tann

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Wie viel bunte Nachrichten verträgt eine Nachrichtensendung?

Als die Staatskanzlei in Hannover meldete, dass Kanzler Schröder sich von seiner Frau Hillu trennt, gab es in der Tagesschau heftige Diskussionen darüber, ob das Thema "tagesschaufähig" ist. "Ich war der Ansicht: Jawohl, das ist tagesschaufähig", sagt von der Tann, "denn es gab eine Mitteilung der Staatskanzlei und auch Hillu ist eine Person aus dem politischen Leben - andere waren da anderer Ansicht." Deutlich bunter als die Tagesschau sind die RTL-Nachrichten. Moderator Kloeppel wird es ab und an sogar zu bunt: "Ich bin ein begeisterter Verfechter von einem bunten Thema am Ende der Sendung, wenn aber zwei im Angebot sind, frage ich, ob wir wirklich zwei von den Dingern brauchen. Es gibt Tage, wo dann nach lebhafter Diskussion das zweite Thema aus der Sendung "rausgeboxt" wird."

Spielt die Quote eine Rolle bei der Nachrichtenauswahl?

Für Hartmann von der Tann "mit Sicherheit überhaupt nicht", allerdings räumt der öffentlich-rechtliche Nachrichtenmacher ein, das jeder Redakteur ein Gefühl dafür hat, wie man eine Nachricht verpacken muss, um gute Quoten zu erzielen, aber auf die Auswahl nehme das keinen Einfluss. Peter Kloeppel fragt zuerst sich selbst, ob eine Nachricht interessant ist: "Wir Journalisten sind auch ganz normale Bürger. Da gibt es Sachen, die interessieren uns sehr, dann kommen sie in die Sendung. Dann gibt's auch Sachen die interessieren uns, aber den Rest der Welt nicht, dann kommt das Thema nicht in die Sendung." Zwar schaue man sich bei RTL die Quoten der jeweiligen Themen an, man würde jedoch "einem sehr rostigen Kompass" folgen, wenn man sich bei der Auswahl allein auf die Quote verließe.

Götz Bolten, Stand vom 29.10.2003

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Collage aus Bildmotiven zum Thema Fernsehgeschichte. (Rechte: NDR)

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