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Der Entdecker: Dieter Pröttel

Eigentlich wollte er Finanzminister werden. Deshalb hat Dieter Pröttel auch Volkswirtschaft studiert. Damit wurde er dem Wunsch seiner Eltern gerecht, erst einmal eine solide Ausbildung zu machen. Seine wahren Interessen gingen aber früh in eine ganz andere Richtung. Als Jugendlicher schon schrieb er Drehbücher für die "bunten Abende", die sein Vater in seiner Heimatstadt Offenburg organisierte. Später gründete Pröttel sein kabarettistisches Trio "Die drei Halodies". Und für den Erfolg ließen die drei sich etwas ganz Besonderes einfallen.

Dr. Dieter Pröttel zu Gast bei Planet Wissen. (Rechte: SWR/Brigitte Karwath)

Dr. Dieter Pröttel zu Gast bei Planet Wissen

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Wer wagt gewinnt! Mit einem Trick ins Showgeschäft

Frechheit siegt! Das dachten sich die drei jungen Musiker Hans, Lothar und Dieter, als sie trotz einer Absage als Kandidaten für die Talentshow "Wer will, der kann" bei der Funkausstellung 1954 in Düsseldorf überhaupt nicht daran dachten, sich kampflos zurückzuziehen. Überzeugt vom eigenen Können machte sich das kabarettistische Trio "Die drei Halodies" auf zum Hotel des Moderators: Peter Frankenfeld. Dieter Pröttel gab sich als Journalist aus, bat um ein Interview und bekam es. Im Laufe des Gesprächs gab er sein wahres Ansinnen zu erkennen. Frankenfeld gab dem Trio eine Chance und die drei Halodies gewannen den Wettbewerb. Danach tourten sie mit Hans Joachim Kulenkampff, Heinz Erhard, Caterina Valente und Freddy Quinn durch Deutschland.

Das war der Einstieg ins Showgeschäft und einen der Truppe sollte es nie mehr loslassen: Dr. Dieter Pröttel. Nach seinem Studium der Volkswirtschaft an der Universität in Freiburg im Breisgau stellte ihn der Südwestfunk in Baden-Baden als Redakteur im Ressort Unterhaltung ein. Wie so oft war es der Zufall, der ihm eine ganz große Herausforderung und ein paar Magengeschwüre bescherte. Michael Pfleghar, der Regisseur der Sendung "Bonsoir Kathrin", die vom Süddeutschen Rundfunk in Stuttgart produziert wurde, war erkrankt. Diese Show mit Caterina Valente war Anfang der 60er die größte Samstagabendshow, die es im Fernsehen gab. Der Programmdirektor des SDR ließ beim Südwestfunk in Baden-Baden anfragen, ob man sich den jungen Mann als Regisseur für diese Produktion ausleihen könne. Mit viel Lampenfieber meisterte der Jungregisseur seine Aufgabe. Von da an ging es Schlag auf Schlag.

Zusammenarbeit mit den ganz Großen der Fernsehunterhaltung

Selbst durch eine Talentshow entdeckt, war es Pröttel ein Anliegen, für den Nachwuchs in der Unterhaltungsbranche zu sorgen. Er konzipierte die Sendung "Talentschuppen", in der er als Redakteur, Regisseur und Moderator in einer Person fungierte. Das Team ging auf Talentsuche und das mit Erfolg: Viele spätere Stars hatten im Talentschuppen ihren ersten Auftritt. So wurden zum Beispiel Juliane Werding und Joy Fleming, Michael Schanze und Hape Kerkeling von Dieter Pröttel entdeckt.

Pröttel arbeitete schon früh mit den großen Stars zusammen. Bei den "Deutschen Schlagerfestspielen" gewann er die Gunst von Marlene Dietrich: Sein Beleuchter setzte das Licht von unten, und so waren die Fältchen der Dietrich beinahe verschwunden. "Junger Mann, Sie wissen, was eine alte Frau braucht", war der Kommentar der großen Diva.
Hildegard Knef musste Dieter Pröttel kurz vor ihrem Auftritt an der Flucht hindern. Sie hatte gerade eine peinliche Play-Back-Panne eines Kollegen beobachtet und befürchtete nun das gleiche Desaster für sich selbst.

Über 2000 Sendungen hat Dieter Pröttel produziert. "Am laufenden Band" mit Rudi Carrell, "Der heiße Draht" und "Auf los geht's los" mit Joachim Fuchsberger, "Hätten Sie heut' Zeit für mich" und "Flitterabend" mit Michael Schanze, "Zum blauen Bock" mit Heinz Schenk und viele, viele mehr.

Chefredakteur von "Bild und Funk" und Ausflug in die Filmbranche

Von 1970 bis 1975 nahm Dieter Pröttel sich eine Auszeit von der Regiearbeit. Er wurde Chefredakteur der Fernsehzeitschrift "Bild und Funk" in München, danach war er Geschäftsführer der "Alpina Schallplatten GmbH und der TV Produktion "Pan TV". Bei seinem Ausflug in die Filmbranche führt er Regie bei den Spielfilmen "Die Supernasen" und "Zwei Nasen tanken super" mit Thomas Gottschalk und Mike Krüger.

Doch Pröttel trieb es wieder zurück zur Fernsehshow. Er arbeitete für alle Sender, hatte auch keine Berührungsängste mit dem Privatfernsehen. Der Jahresrückblick "Menschen" beim ZDF beruhte auf seiner Idee. Pröttel war auch bei der ersten großen Co-Produktion der ARD mit dem chinesischen Fernsehen 1987 als Regisseur dabei.

Viele Jahre war er Regisseur der großen Samstagabendshow "Verstehen Sie Spaß". Im Dezember 2006 betreute er seine letzte Sendung "Verstehen Sie Spaß" und verabschiedete sich mit 73 Jahren in den wohlverdienten Ruhestand. "Es gibt niemanden der so erfolgreich Unterhaltungsregie gemacht hat. Sein Verhältnis zu jedem Team war immer von Herzlichkeit und Freundlichkeit geprägt. Laute Worte gab es bei ihm nie". Dieses Lob kam von einem, der es wissen muss und der die Branche genauso gut kennt wie Pröttel: von Frank Elstner.

Horst Basting, Stand vom 25.06.2010
Sendung: Die großen Fernsehshows - Von Kuli bis Gottschalk, 25.06.2010

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Collage aus Bildmotiven zum Thema Fernsehgeschichte. (Rechte: NDR)

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