Stimmt es, dass eine neue Übersetzung der Bibel im Jahr 2005 von der Kirche verboten wurde?
"Wenn ihr verarscht oder gelinkt werdet oder man Gerüchte über euch verbreitet wegen mir, dann könnt ihr darüber froh sein. Feiert und habt keine Angst, denn nach dem Leben werdet ihr dafür ganz fett absahnen" - so klingt die Bibelstelle Matthäus 5,11.12 in der im Jahr 2005 erschienenen Volxbibel von Martin Dreyer. Der freikirchliche Pastor und Sozialarbeiter war zu der Überzeugung gelangt, dass Kirche und Bibel junge Menschen nur dann erreichen können, wenn sie ihre Sprache sprechen. Biblische Gleichnisse, in denen am Beispiel von Hirten und Schafen Gottes Wort verkündet wird, oder diskrete Formulierungen für Marias jungfräuliche Empfängnis wie "Und er [Josef] erkannte sie nicht" seien für heutige Jugendliche in Deutschland schlichtweg nicht mehr verständlich, weil sie nichts mehr mit ihrem Lebensalltag oder ihrem Sprachgebrauch zu tun hätten.
Neue Studien wie die 15. Shell-Jugendstudie geben ihm Recht: Sie kommt zu dem Schluss, dass 80 Prozent der Jugendlichen nicht mehr in der Bibel lesen und dass die meisten von ihnen zeitgemäße Antworten der Kirche auf wichtige Lebensfragen vermissen.
Unterstützt von Jugendlichen, aber auch von Theologen, übertrug Dreyer daher die Bibel in eine aus seiner Sicht jugendgerechte Sprache, in der es von Slang und Kraftausdrücken wie "Hör auf mit dem Mist", "am Arsch vorbeigehen", "Bock haben" oder "superglücklich sein" nur so wimmelt. Auch biblische Bilder und Gegenstände werden der heutigen Zeit angepasst, so dass in der Volxbibel auch von Rollstühlen, Mopeds und McDonald's die Rede ist. Aufgemacht ist sie wie eine Zigarettenpackung.
Schon vor ihrem Erscheinen sorgte die Volxbibel für Aufruhr: Ursprünglich sollte sie im Wittener Verlag R. Brockhaus erscheinen; angesichts des Wirbels zogen es die Verleger jedoch vor, das umstrittene Werk in einen eigenen Volxbibel-Verlag auszulagern. Bereits kurz nach ihrem Erscheinen waren die ersten 5000 Exemplare der Jugendbibel vergriffen.
Trotz des Verkaufserfolgs stieß die Volxbibel zum Teil auf herbe Kritik. Der Verfasser Martin Dreyer wurde mit mehreren Hundert Protestmails überschüttet; die "Apostolische Pfingstgemeinde" in Leipzig warnt auf ihrer Homepage ausdrücklich vor dem Werk.
Zwar stimmt es nicht, dass die Kirche die Volxbibel verboten hat, aber auch Vertreter der evangelischen und katholischen Kirche lehnen die Jugendbibel teilweise ab. Für wenig anregend und bedeutungslos hält sie beispielsweise Dr. Hermann Barth, seit 2006 Präsident des Kirchenamtes der Evangelischen Kirche in Deutschland. Sein Urteil: "Der verwendete Slang wirkt künstlich und ist als Dauerton unerträglich." Von einer "hingerotzten Gossensprache mit oft geschmackloser Wortwahl" spricht auch die als relativ liberal geltende “Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend“; das katholische Bibelwerk und die evangelische Bibelgesellschaft kritisieren die Volxbibel. Die Filialen der "Christlichen Bücherstuben GmbH" verkaufen das Werk nicht.
Martin Dreyer stört das wenig. Längst ist die 3. Auflage der Volxbibel erschienen, bisher wurden mehr als 100.000 Exemplare verkauft. Und im Internet ist jeder eingeladen, die Volxbibel weiterzuentwickeln und zu bearbeiten.
Annette Holtmeyer/Britta Schwanenberg, Stand vom 01.06.2009





