Das Zeitalter der Reformation
Reformation außer Kontrolle
Luther, der seine reformatorischen Ideen in Gefahr sieht, begibt sich wieder in die Öffentlichkeit. Es hält ihn nicht länger auf der Wartburg, er kehrt endgültig als Theologe Martin Luther zurück und predigt erfolgreich gegen das zerstörerische Werk der bilderstürmenden "Schwarmgeister". Doch die zunächst auf die Missstände der Kirche bezogene Reform führt bald zu gravierenden sozialen Unruhen. Im Jahr 1524 kommt es in Deutschland zu Bauernaufständen. Die unter der Fronarbeit und Leibeigenschaft schwer leidende bäuerliche Bevölkerung erkennt in Luthers Bewegung die Chance, sich von den Übergriffen der hohen Adligen zu befreien.
Anfangs stellt sich Luther noch auf die Seite der Bauern und appelliert an die Adligen, ihrer Verantwortung als christliche Obrigkeit nachzukommen und die Bauern nicht länger der Unterdrückung, Willkür und Rechtlosigkeit auszusetzen. Doch die Verhandlungen, bei denen die Bauern mit äußerst maßvollen Forderungen auftreten, scheitern am kategorischen Widerstand des Adels, der auf seine angestammten Privilegien nicht verzichten will.
Der Deutsche Bauernkrieg
Als den Bauern bewusst wird, dass die Adligen die Erhebungen aussitzen wollen, kommt es in weiten Teilen Süddeutschlands und in der Schweiz zu gewaltsamen Übergriffen. Burgen werden erobert und angezündet, Adlige vertrieben oder getötet, Klöster gewaltsam aufgelöst. Luther, angewidert von den bürgerkriegsähnlichen Zuständen, die Deutschland in ein Schlachtfeld zu verwandeln drohen, schlägt sich auf die Seite des Adels. In seiner Schrift "Wider die räuberischen und mörderischen Rotten der Bauern" verlangt er die gewaltsame Niederschlagung der marodierenden Bauern. Bald schon erliegen die schlecht gerüsteten Bauerngruppen den kampferprobten Söldnertruppen der Fürsten. Luthers Sache erlitt dadurch in der einfachen und armen Bevölkerung einen enormen Imageschaden.
Von der Einheit zur Spaltung
Luther wollte keineswegs eine Spaltung der Kirche erwirken. Luther wollte die Reform. Es ging ihm um die "Confessio" der Christen – das ehrliche, ungeheuchelte Bekenntnis. Der Ursprung der Bezeichnung "Konfession" steckt darin. Allerdings war Luther auch ein unnachgiebiger Kämpfer. Bayern etwa verbot den Druck von Luthers Schriften und die freie Predigt der Lutheraner. Luther mahnte daher die Menschen, Bayern zu verlassen, wenn seine Ideen dort nicht zum Zuge kommen durften.
Als sich abzeichnete, dass sich die Reform politisch nicht durchsetzen lies, bediente Luther sich der Fürsten. Er hielt diese an, die Reformation mit allen Mittel voranzutreiben. Die Idee der grundlegenden Erneuerung der Kirche wurde schnell zum Spielball politischer Interessen. Da Luther aufgrund des Widerstands von Kaiser und katholischer Kirche sowie der erklärten Gegnerschaft einiger Territorialfürsten nicht an eine einheitliche Reichskirche denken konnte, gründete er auf den Schultern einzelner Fürsten die sogenannten Landeskirchen. Ihnen standen die Fürsten selbst fortan als Bischöfe vor. Daraufhin konnte der Landesherr das der römischen Kirche gehörende Kirchengut nach Gutdünken einziehen. Luther nahm daher letztlich in Kauf, dass es in Deutschland zu zwei nebeneinander existierenden Kirchen kam.
Cuius regio – eius religio
Luther gibt sein Mönchsein auf, heiratet eine ehemalige Nonne, gründet eine Familie und bekommt sechs Kinder. Bis zu seinem Tode wird er für die reformatorischen Ideen einstehen. Doch auch nach seinem Tod 1546 wird die Realität der zwei einander bekämpfenden Konfessionen die Geschicke des Deutschen Reichs bestimmen. Jahrzehnte lang werden Kaiser, Päpste, katholische Fürsten und Reichsstädte versuchen, die Rechte der reformierten Landesherren zu beschneiden und die reformatorischen Kräfte zurückzudrängen. Erst der Augsburger Religionsfriede von 1555 sichert den Reichständen, also den Städten und Landesfürsten, echte Religionsfreiheit zu. Die jeweiligen Untertanen hatten sich allerdings dem verbindlichen Credo ihrer Oberen anzuschließen. Cuius regio – eius religio: Wer regiert, bestimmt den Glauben. Andernfalls hatte man auszuwandern. Doch war dies nur ein Friede auf tönernen Füßen. Ein halbes Jahrhundert später brach der verheerendste Religionskrieg der Geschichte mit aller Macht über das Deutsche Reich herein: der Dreißigjährige Krieg.
Gregor Delvaux de Fenffe, Stand vom 18.05.2012
Sendung: Bauernkrieg! - Blutiger Traum von einer gerechten Welt , 21.05.2012
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