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Luther, der Reformator

Als der Mönch Martin Luther im Jahr 1517 seine 95 Thesen gegen den Ablasshandel veröffentlicht, denkt er noch nicht an den endgültigen Bruch mit der katholischen Kirche. Noch will er verändern, nicht spalten. Dass er schon bald als vogelfrei gelten und mit seinen Ideen eine gewaltige religiöse Umwälzung auslösen wird, weiß er noch nicht. Luthers Worte verbreiten sich in Windeseile, seine Schriften werden überall gedruckt. Langsam dringt der immer lauter werdende Protest aus dem provinziellen Wittenberg ins ferne Rom.

Abbildung der Bannbulle von Papst Leo X. gegen Luther. (Rechte: Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt, Wittenberg)

Bannbulle gegen Luther

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Der hoch verschuldete, auf den Ablass angewiesene Kardinal Albrecht von Mainz schwärzt Luther in Rom an und der Ablassprediger Tetzel wehrt sich mit Gegenthesen gegen Luthers Argumente. In immer neuen Disputationen mit bedeutenden kirchlichen Vertretern seiner Zeit beharrt Luther auf seinem Standpunkt und fordert die Reformierung der sittenverderbten römisch-katholischen Institution Kirche. Niemand aus dem päpstlichen Lager weiß ihm sachlich beizukommen und mutig wehrt Luther alle Drohungen aus Rom ab, die ihn zum Widerruf auffordern. Schließlich verliert der Papst die Geduld und verfasst eine Bannbulle gegen Luther, in der er den Wittenberger Theologen exkommuniziert und damit aus der Kirche ausschließt. Luthers Schriften werden öffentlich verbrannt. Luther wehrt sich, indem er seinerseits die päpstliche Bulle in aller Öffentlichkeit dem Feuer übergibt.

Polemische Karikatur gegen das Papsttum: Papst thront im Höllenschlund. Erschienen in: Luther, Martin: Wider das Bapstum zu Rom vom Teuffel gestifft, Wittemberg 1545. (Rechte: Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt, Wittenberg)

Papst im Höllenschlund

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Der Reichstag zu Augsburg

Unterdessen ist der junge Habsburger Karl V. zum Kaiser gekrönt worden. Karl V. wird einer der mächtigsten Herrscher des neuzeitlichen Europas werden und ein Reich regieren, "in dem die Sonne nie untergeht". Doch der Kaiser hat nicht nur herrschaftliche Ambitionen. In Anlehnung an die römische Reichsidee will er ein neu erstarktes geeintes Reich römisch-katholischer Prägung: Ein Reich, ein Glaube, ein Kaiser - so seine Maxime. Auf dem Augsburger Reichstag von 1521 lässt er Luther vorladen. Doch der weise Kurfürst Friedrich von Sachsen hält seine schützende Hand über Luther. Der Reformator ist längst zu einer Figur auf dem diplomatischen Schachbrett seiner Zeit geworden. Einerseits hält der Kurfürst an seinem unerschrockenen Ordinarius fest. Er respektiert Luthers reformatorische Geradlinigkeit und ist stolz auf den Ruhm des Wittenberger Professors, der die vom Kurfürsten gegründete Wittenberger Universität weit über die Landesgrenzen hinaus berühmt gemacht hat. Gleichzeitig kann Luther noch eine wichtige Rolle im ständigen Konflikt der Kurfürsten mit dem Kaiser um politische Eigenständigkeit spielen. Friedrich der Weise sagt dem Kaiser Luthers Kommen zu, ringt Karl V. aber sicheres Geleit für den kleinen Augustinermönch ab.

Luther vor dem Kaiser

Schlotternd vor Angst, aber von der einfachen Bevölkerung im Triumphzug geleitet, trifft Luther in Augsburg ein - er wäre nicht der erste Ketzer, der auf einem Reichstag den Flammen des Scheiterhaufens übergeben würde. Indes setzen die kirchlichen Vertreter nicht länger auf Verhandlung. Um jeden Preis wollen sie eine sachliche Diskussion verhindern, in der der brillant argumentierende Reformator Luther seine Argumente darlegen könnte. Pomp, Reichtum, Macht und nicht zuletzt die kaiserliche Präsenz sollen Luther einschüchtern und zur "Revocatio", zum Widerruf bewegen. Doch Luther bleibt standhaft. Widerrufen kann er nicht, sagt er, solange man ihn nicht in der Sache vom Gegenteil überzeugen kann. "Hier stehe ich, ich kann nicht anders. Amen." So soll er der Legende nach seine Rede beendet haben. Der Kaiser und die Kirchenoberen sind bestürzt, über den Ketzer wird die Reichsacht verhängt, Luther für vogelfrei erklärt. Von nun an darf ihn jedermann im Reich töten und geht doch straffrei aus. Aber das Versprechen des freien Geleits sichert Luther zumindest den Rückzug vom Reichstag. Luther ist standhaft geblieben. Die Reformation ist nicht länger aufzuhalten.

Eine Burg auf einer Anhöhe, umgeben von Bäumen. (Rechte: WDR)

Auf der Wartburg verbrachte Luther viele Jahre

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Luther auf der Wartburg

Doch der sächsische Kurfürst Friedrich der Weise traut dem Vesprechen des freien Geleits nicht. Er sorgt sich um Luthers Leben und sinnt auf eine List. Heimlich beauftragt er seine Männer, Luther auf offener Straße zu entführen. Er will, dass der Überfall wie eine Verschleppung Luthers durch kaiserliche Truppen aussieht. Der Plan gelingt und der völlig verängstigte Luther wird nach Eisenach verfrachtet, wo ihn Friedrich auf der Wartburg versteckt. Viele Jahre wird Luther dort verbringen. Damit er in seiner halbfreiwillligen Gefangenschaft nicht durchdreht, verschafft ihm der Kurfürst eine neue Identität. Als Junker Jörg, als Rittersmann in weltlicher Garderobe, tritt Luther nun außerhalb der Burg auf. So lang die Zeit dem von Unrast getriebenen Reformator auf der Wartburg auch wird, er vertut sie keineswegs untätig. Luther stürzt sich in das größte schriftstellerische Werk seines Lebens: die Übersetzung der Bibel in die deutsche Sprache.

Gregor Delvaux de Fenffe, Stand vom 18.05.2012
Sendung: Bauernkrieg! - Blutiger Traum von einer gerechten Welt , 21.05.2012

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