• Zum Inhalt springen
  • Zur Hauptnavigation springen
  • Zur Themennavigation springen
  • Zum Suchfeld springen
Logo von Planet Wissen

Planet Wissen
Jüdisches Museum Berlin

  • Hilfe
  • Kontakt
  • WDR
  • SWR
  • BR Alpha

Themennavigation

  • Natur Technik
  • Politik Geschichte
  • Kultur Medien
  • Länder Leute
  • Sport Freizeit
  • Alltag Gesundheit

Suche

Hauptnavigation

  • Startseite
  • Sendungskalender
  • Wissen interaktiv
  • Bildergalerien
  • Podcast
  • Kontakt
  • Newsletter
  • Hilfe
  • Impressum

Navigationspfad

Sie befinden sich hier:

  • Planet Wissen
  • Kultur & Medien
  • Sammeln
  • Museen
  • Jüdisches Museum Berlin

Reportage: Führung durch das Jüdische Museum Berlin

Am Wandertag ins Museum, das hört sich für die meisten Schüler wohl nicht gerade spannend an. Verstaubte Exponate, humorlose Museumsführer, still muss man dabei auch noch sein - da kann man sich Besseres vorstellen. Dass es auch anders geht, dafür sorgen in den meisten Häusern die Museumspädagogen: Sie versuchen täglich aufs Neue, für die Themen ihres Hauses eine anschauliche und altersgerechte Umsetzung zu finden. Planet Wissen hat sich angesehen, wie das Jüdische Museum in Berlin sich dieser Aufgabe stellt.

Ein Junge steht vor einer Vitrine mit unterschiedlichen Kippas. (Rechte: Jüdisches Museum Berlin)

Wie sich das wohl anfühlt? Schüler im Jüdischen Museum

Vergrößern

Mehr zum Artikel

Museen
Video
Das Guggenheim-Imperium
Jüdisches Museum
Reportage
Das älteste Museum
Literatur & Co
Link-Tipps

Check-in wie am Flughafen

Schulausflug für die Klassenstufe 7 der Berliner Humboldt-Oberschule. Ein bisschen erschlagen sehen die Teenies aus, als sie in der Eingangshalle ankommen - hinter ihnen liegt die ganz normale Kontrolle, die jeder Besucher des Jüdischen Museums über sich ergehen lassen muss: Taschen, Rucksäcke, Ranzen kommen unters Durchleuchtungsgerät, die Schüler selbst müssen die Sicherheitsschleuse mit dem eingebauten Metalldetektor passieren. Vor dem Gebäude patrouilliert ein Polizist. Vorsichtsmaßnahmen wie am Flughafen - "die haben wahrscheinlich Angst vor Anschlägen", murmelt ein Schüler und schluckt.

Canan Korucu vor einer Glasvitrine in Tischform, in der sich Geschirr, eine Weinflasche und ein Kerzenleuchter befinden. (Rechte: Kerstin Hilt)

Canan Korucu erklärt eine festlich gedeckte Sabbat-Tafel

Vergrößern

Bei den Schließfächern nimmt Museumsführerin Canan Korucu die Klasse in Empfang. "Hier drin habe ich eine Überraschung für euch", sagt sie und hält ein kleines schwarzes Lederköfferchen in die Höhe - "aber die gibt's erst später!" "Jüdisches Leben" heißt der Rundgang, den Lehrerin Gisela Flügel für ihre Schüler gebucht hat - einige davon haben bei ihr katholische Religion, andere sind im Ethikkurs; alle haben sie erst kürzlich das Thema Judentum im Unterricht behandelt. Und auch wenn es heute eigentlich um jüdischen Alltag, jüdische Sitten und Gebräuche gehen soll: Zuerst will Canan Korucu mit ihrer Gruppe ins Untergeschoss - dorthin, wo an das Schicksal der Juden während des Nationalsozialismus erinnert wird.

Das Jüdische Museum aus der Vogelperspektive: ein silbernes Pfeilgebäude inmitten einer Grünfläche, im Hintergrund die Berliner Skyline. (Rechte: Jens Ziehe/Jüdisches Museum Berlin)

Das Jüdische Museum von oben

Vergrößern

Eine Ausstellung nicht nur aus der Opferperspektive

"Eigentlich wollen wir gerade nicht, dass 2000 Jahre deutsch-jüdisches Zusammenleben nur auf die Zeit unter Hitler verengt wird", meint Museumspädagogin Nina Ritz. "Aber an der Architektur unseres Hauses und ihrem Aufruf zum Erinnern können und wollen wir natürlich nicht vorbeigehen." In der Tat ist der Bau des berühmten Architekten Daniel Libeskind ziemlich ungewöhnlich. Von außen silbrig-glänzend und nur mit ein paar Sichtscharten als Fenster versehen, von innen intim und verwinkelt, ist das Jüdische Museum eher Symbol als Gebäude. Aus der Vogelperspektive hat es die Form eines mehrzackigen Blitzes: Ein zerbrochener Davidstern, wird immer wieder gesagt; tatsächlich aber hat Daniel Libeskind auf einem alten Berliner Stadtplan die ehemaligen Wohnhäuser von Juden, die nach 1933 deportiert wurden oder flüchten konnten, miteinander verbunden - und dabei jene Form erhalten, der er dann dem Museumsneubau gab.

"Bei unseren älteren Museumsbesuchern merkt man leider häufig, dass sie wegen der deutschen Schuld kaum unbefangen hierher kommen können ", erzählt Museumspädagogin Nina Ritz. "Die trauen sich dann oft gar nicht nachzufragen." Bei Kindern ist das zum Glück anders, hat Museumsführerin Canan Korucu erfahren. Sie ist mit ihrer Klasse gerade in der "Achse des Exils" angelangt, jenem Gang im Untergeschoss, in dem Schicksale von jüdischen Emigranten dargestellt werden - mit Fotos, Briefen und Erinnerungsgegenständen anschaulich aufbereitet. Denn das ist ein weiteres Credo des Jüdischen Museums: Geschichte mit Hilfe von Geschichten zu erzählen und nicht nur mit Fakten - um auf diese Weise Vergangenes vorstellbar zu machen.

Ein Wald von Betonstelen, aus denen Bäume wachsen, vor dem silbernen Bau des Jüdischen Museums. (Rechte: Jens Ziehe/Jüdisches Museum Berlin)

Trauma und Hoffnung: der Garten des Exils

Vergrößern

"Falsche Fragen gibt's hier nicht" - das Museum als Ort der Interaktion

In der Zwischenzeit laufen die Schüler neugierig auf jenen hellen Punkt am Ende des Ganges zu, der ins Freie führt - in den so genannten "Garten des Exils", auch dies ein Einfall von Architekt Libeskind. Canan Korucu lässt sie erst einmal zwischen den vielen Betonstelen herumirren, die dort stehen. Der Boden zwischen ihnen ist oft schräg, steigt an und fällt wieder ab; schnell weiß man nicht mehr, wo man sich befindet. "Wie würdet ihr euch fühlen, wenn ihr wüsstet: Morgen müssen wir in ein fremdes Land ziehen, und wir dürfen nur einen Koffer mitnehmen?", fragt Canan Korucu ihre Gruppe. Schnell entspinnt sich ein Gespräch über Flucht und Exil. Man kennt die Sprache der neuen Heimat nicht, nicht das Essen, nicht die Sitten und Gebräuche, tragen die Schüler zusammen; man ist noch viel orientierungsloser und verzweifelter als hier, im Labyrinth. "Aber da oben, da wachsen doch solche Bäume aus den Pfeilern", meint Anna. "Vielleicht soll das ja zeigen, dass es immer auch Hoffnung gibt, wenn man irgendwo neu anfängt?", fällt Leon ihr ins Wort - und Lehrerin Gisela Flügel ist überrascht, was ihren Schülern so alles einfällt, wenn sie einmal aus dem Klassenzimmer draußen sind.

Offensiv auf die Schüler zuzugehen, ihnen Raum zum Mitreden und Nachfragen zu geben - das ist das Konzept der Führungen, das Museumspädagogin Ritz erarbeitet hat und nach dem die zahlreichen Museumsführer bis zu 20 Besuchergruppen am Tag durch das Haus schleusen. "Erst vor kurzem haben wir eine Führung über das Judentum und den Islam ins Programm genommen - die bieten wir auch auf türkisch an", sagt Nina Ritz. Und Oberstufenschüler können für einen Projekttag ins Museumsarchiv kommen und dort mit Originaldokumenten arbeiten. "Wenn die dann auf einmal einen Judenstern oder einen Deportationsbescheid in die Hand bekommen - da halten die schon erstmal inne. Das wird für die auf einmal ganz anders greifbar."

Von Geschirrspülern und Gummibärchen

Canan Korucu und die Schüler sind mittlerweile im zweiten Stock, bei der Vitrine mit dem Geschirr angelangt. Manche Teller und Töpfe haben am Rand eine rote, andere eine blaue Markierung, sogar rote und blaue Spülschwämme gibt es. "Das kommt bestimmt daher", vermutet Rolf, "dass Juden Fleisch und Milch und das Geschirr dafür nicht miteinander in Berührung bringen dürfen, oder?" Lehrerin Gisela Flügel nickt stolz - was koscheres Essen bedeutet und dass Juden kein Schweinefleisch essen, das haben sie im Unterricht bereits durchgenommen. Canan Korucu macht es anschaulich: "Und was wäre mit Spaghetti Bolognese, geht das?" - Ja, meinen die meisten, schließlich sei da ja Rind- und nicht Schweinefleisch drin. Aber der Parmesan obendrauf, auf den muss ein strenggläubiger Jude verzichten - denn der ist aus Milch, und Milchprodukte darf man erst mit dreistündigem Abstand und von einem anderen Teller zu sich nehmen. "Braucht man dann auch zwei Geschirrspüler, einen für das Fleisch- und einen für das Milchgeschirr?", hakt Leon nach. "Reiche Leute haben tatsächlich manchmal zwei", schmunzelt Canan Korucu. "Aber eigentlich reicht es auch, wenn man einfach zwei getrennte Waschgänge einlegt."

Ein Junge mit einem jüdischen Gebetsmantel und einer Kippa auf dem Kopf schaut in die Kamera. (Rechte: Kerstin Hilt)

Juden nennen den Gebetsmantel "Tallit"

Vergrößern

Am Ende dürfen die Schüler noch den Gebetsmantel umlegen, den Jungen zu ihrer Bar Mizwa bekommen - zur feierlichen Aufnahme in die Gemeinde, vergleichbar mit Konfirmation oder Firmung. Und in der Vitrine daneben sind Kippas ausgestellt, die Käppchen, die strenggläubige Juden beim Beten und in der Öffentlichkeit tragen. "Da ist ja sogar eine von Nike dabei!" Und genauso welche mit Harry-Potter- oder Sesamstraßen-Motiv, stellen die Schüler überrascht fest. Canan Korocu ist jedenfalls zufrieden. "Genau darum geht's mir", sagt sie - "den Schülern ein bisschen was aus dem jüdischen Alltag zu zeigen, dass sie merken: Das sind genauso Menschen wie wir auch." Zum Schluss ist dann der Zeitpunkt gekommen, wo sie ihr Köfferchen öffnet. Heraus kommen koschere Gummibärchen, hergestellt mit Fisch- statt mit Fleischgelatine. Der Geschmackstest verläuft angenehm, aber unspektakulär: "Schmecken ja genauso wie unsere." Ob die Klasse noch einmal einen Ausflug ins Jüdische Museum machen würde? "Klar", meinen sie, "das war gar nicht so langweilig, wie wir dachten - besser als Kino!" Und zu ihrer Lehrerin gewandt, äußern sie noch einen weiteren Wunsch: bald einmal in eine Synagoge zu gehen - zu einem jüdischen Gottesdienst.

Kerstin Hilt, Stand vom 13.06.2007

Mehr zum Thema

Bildcollage zum Thema Sammeln. (Rechte: WDR)

Sammeln


  • Flohmärkte
  • Sammler

Wissen interaktiv

Männer tragen Thorarollen (Rechte: ddp)

Judentum

Wissen interaktiv

Feiernde Juden (Rechte: AFP)

Jüdischer Festkreis

Wissen interaktiv

Bildcollage zum Thema Koschere Küche (Rechte: WDR/SWR)

Koschere Küche

Wissen interaktiv

Neue Synagoge Berlin (Rechte: WDR)

Synagoge

nach oben

  • Seite empfehlen
  • Seite drucken
  • Impressum

URL dieser Seite: http://www.planet-wissen.de/kultur_medien/sammeln/museen/museen_juedisch.jsp

© WDR / SWR / BR-alpha 2012

WDR, SWR und BR-alpha sind nicht für die Inhalte fremder Seiten verantwortlich, die über einen Link erreicht werden.