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Interview: Trödel-King Roland Beuge

Roland Beuge ist ein Sammel-Experte. Als "Der Trödel-King" ist er regelmäßig für den WDR unterwegs in Schatz- und Plunderkammern zwischen Keller und Dachboden. Er hilft Menschen, das zu Geld zu machen, was sich dort über die Jahre angesammelt hat.Der Erlös ermöglicht es vielen von ihnen, sich einen Herzenswunsch zu erfüllen. Planet Wissen hat Roland Beuge, der fast jeden freundschaftlich mit "Du" anspricht, während der Dreharbeiten getroffen.

Unsere Videos können Sie mit dem Macromedia Flash-Player ab der Version 8.0 ansehen. Den neuesten Flash-Player können Sie beim Hersteller Adobe unter folgender Adresse kostenlos downloaden:
http://www.macromedia.com/go/getflashplayer_de

Sammeltipps vom Trödel-King (0'39'')
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Planet Wissen (PW): Was filmt ihr heute?

Roland Beuge (R.B.): Wir besuchen eine Frau, bei der wir vor einiger Zeit schon einmal für eine Sendung waren. Sie wollte Sachen verkaufen, die sie von ihrem Vater geerbt hatte. Bei ihr haben wir im hintersten Winkel irgendwo ein Bild von dem Berliner Maler Max Kaus gefunden. Das hat auf einer Auktion 8.000 Euro eingebracht. Und heute zeigen wir, was mit diesem Geld passiert ist. Das Bild war das Wertvollste, was wir während der Dreharbeiten bisher gefunden haben.

Roland Beuge und ein Verkäufer beugen sich gemeinsam über eine E-Gitarre. (Rechte: WDR)

Für jedes Objekt kennt der Trödel-King einen Experten

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PW: Was für Sammelobjekte sind Dir sonst noch in besonderer Erinnerung geblieben?

R.B.: Elefanten. In fast jedem Haushalt entdeckt man welche, wenn man darauf achtet. Ich weiß auch nicht, was die Leute daran finden, aber sie sind überall. Und Engel natürlich. Ich kann schon keine Engel mehr sehen.

PW: Was ist das Ungewöhnlichste, das dir bisher passiert ist?

R.B.: Wir waren mal bei einer Frau aus Bornheim, deren Mann hatte Silbermünzen mit doppelseitigem Klebeband im Partykeller unter die Decke geklebt. Die wollten wir abmachen, um sie zu verkaufen. Das war eine unglaublich mühselige Arbeit. Wir mussten jede einzelne mit dem Spachtel abmachen. Wir sind kaum vorwärts gekommen - und wir wollten doch an dem Tag noch verschiedene andere Sachen drehen. Wir waren schon völlig fertig. Irgendwann sind wir nach oben gegangen zum Mittagessen. In dem Keller haben wir die Scheinwerfer angelassen, die wir zum Drehen aufgestellt hatten. Als wir wieder runter kamen, haben wir unseren Augen nicht getraut. Durch die Wärme von den Scheinwerfern sind die Münzen alle praktisch von allein heruntergefallen.

PW: Du triffst während der Dreharbeiten viele Sammler. Was hat diese zu ihrem Hobby gebracht?

R.B.: Eigentlich sammelt doch jeder Mensch etwas. Für manche hat das etwas mit Kindheitserinnerungen zu tun. Andere haben eher Freude an etwas Schönem und Abstraktem - an etwas Außergewöhnlichem, das nicht jeder hat. Und wieder andere Leute sammeln Funktionales. Ich mag etwa technische Gegenstände, die ohne Strom funktionieren. Ich habe unter anderem einen Handbohrer, eine Reisewaschmaschine und eine Taschenlampe, die ohne Batterie leuchtet.

Roland Beuge und eine Frau mit einer asiatischen Vase. (Rechte: WDR)

Roland Beuge begutachtet eine Vase, die verkauft werden soll

Vergrößern

PW: Also sind auch die Gründe, mit dem Sammeln anzufangen, ganz unterschiedlich?

R.B.: Genau. Manche Leute, die Aufmerksamkeit brauchen, suchen über das Sammeln Kontakt zu anderen. Es gibt aber auch Menschen, die sammeln, weil ihre Idole das tun. Sammelt etwa ein Freund, der mir wichtig ist, Trecker, animiert mich das vielleicht, auch dazu, so etwas zu sammeln. Es gibt natürlich auch logisches Sammeln, wegen der Wertsteigerung. Wenn jemand mit diesem Interesse zum Beispiel Platzteller sammelt, wird er darauf achten, Unikate zu haben. Überhaupt wollen viele Sammler Raritäten besitzen, Besonderheiten, die nur in geringer Stückzahl hergestellt wurden. Eben keine Massenware.

PW: Sind Sammler Eigenbrötler?

R.B.: Das kommt darauf an, wie man es sieht. Viele Leute ziehen sich in ihr Sammelgebiet ein Stück weit zurück. So hat jemand, der Schallplatten sammelt, oft auch einen Musikraum, in dem er die Sachen hört, und natürlich auch Abspielgeräte, die den Klang der Platte möglichst gut hervorbringen. Dort verbringt er Zeit und entspannt sich dabei. Oder ein Briefmarkensammler, der viel Liebe zum Detail braucht, sitzt da mit seiner Lupe und betrachtet die Feinheiten einer Marke, die man mit bloßem Auge gar nicht sieht. Insofern ist natürlich schon jeder für sich allein. Aber es gibt natürlich auch Sammelforen, in denen die Leute sich austauschen. Und viele haben Sammlerfreunde, die sie immer wieder treffen, auf Börsen und Messen oder auf dem Flohmarkt.

PW: Ist ein Sammler jemals fertig mit seiner Sammlung?

R.B.: Nein, nie. Je mehr jemand sammelt, desto weniger ist er fertig. Dann achtet er mehr auf das Alter der Gegenstände, auf die Regionen, aus denen etwas kommt, und natürlich auch auf den Zustand. Da verkauft er auch mal etwas Schlechteres, wenn er etwas anderes dafür bekommen kann, was er sich schon lange wünscht. So wird ein Schreibmaschinen-Sammler sofort drei Maschinen der Marke Remmington hergeben, wenn er dafür eine von Enigma bekommen kann, die noch funktionsfähig ist. Eine Enigma ist eben viel seltener.

Roland Beuge betrachtet eine Glasvase (Rechte: WDR)

Roland Beuge schätzt den Wert einer Glasvase

Vergrößern

PW: Gibt es auch Sammler mit Messie-Tendenzen?

R.B.: Ja, mich zum Beispiel! Ich fahre in meinem Auto einen ganzen Hausstand durch die Gegend. Mit dem Werkzeug, das ich immer dabei habe, könnte man ein Haus bauen. Man weiß nie, wofür man die Sachen so braucht! Das hängt natürlich auch vom Stauraum ab, den ich habe. Wer wenig Platz hat, ist gar nicht so gefährdet, der Sammelsucht zu erliegen. Verfüge ich aber über eine Garage, tue ich da zunächst die schönen Dinge hinein. Aber irgendwann ist die Garage so voll, dass ich keinen Schuhkarton mehr rein bekomme. Dann merke ich, dass da ganz schön viel Zeug zusammengekommen ist.

PW: Wie bist du zum Sammeln gekommen?

R.B.: Eigentlich fing alles damit an, dass ich als Jugendlicher zu meiner Konfirmation nur 265 Mark bekommen habe, meine Freunde aber je um die 1.500 Mark. Davon konnten sie sich ein Mofa kaufen. Damit ich das auch konnte, bin ich Autowaschen und auf den Trödelmarkt gegangen. Dort habe ich mein ganzes Lego verkauft und meine Comics. Außerdem habe ich Zeitungen ausgetragen und Rasen gemäht. Ich traf viele Leute, die mir ihre alten Sachen aus dem Keller geschenkt haben. Diese habe ich auf dem Trödel verkauft. Später habe ich dann auch Sachen vom Sperrmüll geholt und sie bearbeitet.

PW: Und an was hängst du besonders?

R.B.: Ich habe ja immer ein Lager gebraucht für die Sachen, die ich wieder verkaufen wollte. Also habe ich sozusagen in einem Trödelladen gewohnt. Ich habe alles gesammelt, was nicht niet- und nagelfest war, alles von dem ich dachte, ich kann es noch gebrauchen oder verkaufen. Viele der Gegenstände, die ich täglich benutze, haben für mich eine besondere Geschichte: mein Zigarettenetui oder meine Uhr zum Beispiel. Ich sammle aber keine Zigarettenetuis oder Uhren - ich sammle besondere Dinge. Ich denke, jeder Mensch sammelt irgend etwas, und wenn es Erinnerungen oder Erlebnisse auf Reisen sind. Wer nichts sammelt, hat keine Seele.

Interview: Christina Lüdeke, Stand vom 11.01.2012
Sendung: Sammeln - Die Jagd nach Kunst und Krempel, 11.01.2012

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Bildcollage zum Thema Sammeln. (Rechte: WDR)

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