Interview mit Musicalstar Anna Montanaro
Planet Wissen (PW): Frau Montanaro, wann haben Sie begonnen davon zu träumen, einmal ein Musicalstar zu werden?
Anna Montanaro (A.M.): Sehr früh. Ich bin ja auch schon mit 16 Jahren von zu Hause weg, nach Hamburg, auf die Musicalschule. Ich wollte früher eigentlich mehr in Richtung Tanz gehen. Ich war als Kind schon in der Gifhorner Musikschule und hatte auch schon Tanzstunden. Zusätzlich habe ich im Chor gesungen, und das wollte ich dann irgendwie verbinden. Und das kann man ja im Musical sehr gut: Tanz, Gesang und Schauspiel. Aber eigentlich war ich am Anfang doch eher die Tänzerin. Ich habe auch an der Musicalschule den Schwerpunkt Tanz belegt und meine ersten Engagements als Tänzerin absolviert.
PW: Sie haben die "Stage School" in Hamburg besucht. Welche Erfahrungen haben Sie dort gemacht?
A.M.: Für mich war das eine sehr gute Schule. Damals, das ist ja nun schon 15 Jahre her, als ich meinen Abschluss gemacht habe, gab es wirklich nur zwei Schulen im deutschsprachigen Raum, in Wien und in Hamburg. Man hatte also keine besonders große Auswahl. Heute ist das anders. Mittlerweile kann man ja an jeder Hochschule Musical studieren. Für mich war das die absolut perfekte Schule. Morgens um acht ging die erste Ballettstunde los und ich hatte abends dann noch die Möglichkeit, die offenen Klassen zu besuchen und habe bis zehn Uhr abends getanzt und gespielt und habe wahnsinnig viel gelernt. Das war eigentlich die schönste Zeit bisher.
PW: Sie haben es zu Engagements am New Yorker Broadway und im Londoner West End gebracht. In New York war es die Rolle der "Velma Kelly" im Musical "Chicago". Was für ein Gefühl war das für Sie, auf diesen weltbekannten Bühnen zu spielen?
A.M.: Beides war sehr schön, aber ich sage auch immer wieder, dass ich wahnsinnig gerne in Deutschland arbeite. Ich muss nicht unbedingt noch einmal nach London oder New York gehen. Es war eine große Ehre, dass ich das machen durfte, aber ich finde, dieser Job ist in Deutschland viel sozialer. Alleine dadurch, dass wir hier in den Theatern eine Kantine haben. Das gibt es dort nicht. Die Darsteller wohnen in diesen riesigen Städten teilweise auch so weit vom Theater entfernt, dass sie nach der Show direkt zum Zug laufen müssen, um noch nach Hause zu kommen. Hier ist es so, dass man nach jeder Vorstellung noch in der Kantine zusammensitzt oder auch vor der Vorstellung. Und in New York ist es oft so, dass man sich nur auf der Bühne sieht und sonst nicht. Man lernt die Leute, mit denen man zusammenarbeitet, hier auch privat kennen und hat mit ihnen auch privat eine gute Zeit. Das macht schon mehr Spaß. Natürlich habe ich, als ich jung war, wie viele andere auch davon geträumt, einmal am Broadway zu spielen und das war auch großartig. Manchmal muss ich mich selbst daran erinnern und mir sagen: Mensch, du hast diese Hauptrolle am Broadway gespielt, das ist schon unglaublich. Aber trotzdem finde ich, dass wir hier in Deutschland auch ganz tolles Theater spielen.
PW: Was hat sich denn in der deutschen Musicallandschaft in den 15 Jahren geändert, die Sie nun schon aktiv auf der Bühne sind?
A.M.: Es hat sich einiges getan. Besonders auch das Verhalten der Besucher hat sich verändert. Sie kennen die Musicalszene und die Stücke einfach besser, denn es werden heute ja an jedem Stadttheater auch Musicals gespielt - und es sind ja auch die Stücke, die wirklich laufen in den Häusern. Es gibt ein wahnsinnig großes Publikum fürs Musical. Vor zehn Jahren, da gab es "Cats" und "Starlight Express" und das war's. Züge und Katzen - das war die Musicalszene. Mittlerweile stehen in Deutschland richtige Menschen auf der Bühne und das ist doch schön.
PW: Warum haben Sie sich eigentlich speziell für das Musical entschieden? Sie hätten sich ja auch auf eine künstlerische Gattung beschränken können, also Tanz, Schauspiel oder Gesang.
A.M.: Es ist beim Musical die Herausforderung, alles können zu müssen, also gut im Tanz, im Gesang und im Schauspiel zu sein. Es ist ja auch das Tolle an meiner Ausbildung, dass ich das alles kann. Das wird sehr oft unterschätzt. Wir haben in Deutschland mittlerweile sehr viele gute Musicaldarsteller, die alle drei Sparten sehr gut beherrschen. Aber immer hört man abschätzig den Satz, ja, ja, die Musicaldarsteller, die können nur von jedem ein bisschen. Und so ist es lange nicht mehr.
PW: Sie sind das, was man einen Musicalstar nennen kann. Mussten Sie für "Mamma Mia!" dennoch einen Vorstellungstermin überstehen, ein sogenanntes Casting, um die Rolle zu bekommen?
A.M.: Ich habe das große Glück gehabt, dass ich zehn Jahre lang nicht mehr zum Vorsingen musste, aber für diese Rolle dann doch wieder. Das lag wohl daran, dass ich noch nie für diese große Musicalproduktionsfirma aus London gearbeitet habe, die auch "Mamma Mia!" aufführt. Die kannten mich natürlich schon vom Namen her, aber haben doch darauf bestanden, dass ich noch einmal vorsinge. Das war ziemlich aufregend für mich, nach zehn Jahren. Aber es hat ja gut geklappt, denn ich habe die Rolle schließlich bekommen. Ich musste mich dann aber auch sehr gewissenhaft auf meinen musikalischen Part vorbereiten und sehr viel mit einem Gesangstrainer arbeiten und üben, denn die vielen ABBA-Songs, die dieses Stück ja beinhaltet, stellen schon eine besondere Herausforderung an meine Stimme dar. Ich habe eine Stimme, die sich sehr gut für dramatisch vorgetragene Lieder eignet. Popsongs in dieser typischen ABBA-Art waren für mich ein ungewohntes Gebiet, das ich mir erst einmal erarbeiten musste. Wobei ich schon die künstlerische Freiheit habe, den Liedern meine persönliche Note geben zu können.
PW: In "Mamma Mia!" spielen Sie die weibliche Hauptrolle der Donna und scheinen sichtlich Spaß daran zu haben. Was ist das Besondere an diesem Musical der beiden ehemaligen ABBA-Mitglieder Björn Ulvaeus und Benny Andersson?
A.M.: (lacht) Dieses Stück macht sehr großen Spaß. Besonders wohl auch, weil drei Freundinnen im Mittelpunkt stehen, die ihre Jugend miteinander verbracht haben und sich nach langer Zeit wiedersehen. Die hatten sehr viel Spaß miteinander und die haben auch wieder großen Spaß, als sie sich nun endlich wieder treffen. Und diesen Spaß, den leben und erleben wir tatsächlich auch auf der Bühne jeden Abend neu. Da gibt es bei der Begrüßungsszene der drei ein ganz spezielles Ritual, das sie "Rudelknutschen" nennen. Und wir drei Schauspielerinnen machen uns einen großen Spaß daraus, den bei jeder Aufführung neu zu erfinden. Und dabei fangen wir dann selber so sehr an zu lachen, dass wir uns sehr auf unsere Rollen konzentrieren müssen. Aber das ist so eine wunderbare Spontaneität, die uns das Stück erlaubt. Das macht Spaß! So bleibt das Stück wach. Wir haben schon großes Glück, denn wir drei verstehen uns wirklich sehr gut.
Interview: Alfried Schmitz, Stand vom 12.12.2007









