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Was versteht man unter einem "schwarzen" Musical?

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Die afroamerikanische Bevölkerung hatte in den USA zu Beginn des 20. Jahrhunderts nicht die gleichen Rechte wie die weißen Bürger. Es herrschte eine strikte Rassentrennung: Es gab verschiedene Schulen für Kinder weißer und schwarzer Hautfarbe. Auch bei öffentlichen Toiletten, in Bussen, Bars, Kirchen, Restaurants und Theatern wurde peinlich genau auf die Trennung von Schwarz und Weiß geachtet. Diskriminierung, Unterdrückung und Benachteiligung der afroamerikanischen Bevölkerung waren an der Tagesordnung.

Ein Schwarzweiß-Foto zeigt eine Szene aus dem Bühnenstück 'Porgy and Bess'. (Rechte: AKG)

Kassenhit: "Porgy and Bess"

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Umso bemerkenswerter ist unter diesen Umständen ein Musical, das als das erste "schwarze" gilt. Es wurde nicht nur von einem afroamerikanischen Komponisten- und Autorenteam geschrieben, sondern auch ausschließlich von schwarzen Schauspielern aufgeführt. Seine Uraufführung hatte "Shuffle Along", so der Name des Stücks, 1921 im Cort-Theatre, am New Yorker Broadway. Das Bühnenwerk war für die damaligen Verhältnisse in vielerlei Hinsicht fortschrittlich. Die lebensnah inszenierte Liebesgeschichte brach zum ersten Mal mit dem Tabu, dass schwarze Schauspieler auf öffentlichen Bühnen keine Liebesszenen darstellen durften. Außerdem war es schwarzen Besuchern erstmalig erlaubt, neben weißen im Parkett zu sitzen. Sie wurden nicht, wie sonst üblich, auf die Balkone verbannt.

Ein farbiges Plakat aus dem Jahr 1926/1927 zeigt Josephine Baker mit entblößtem Busen und Federkostüm. Über dem Bildmotiv trägt das Plakat die Überschrift 'La Revue des Folies Bergère'. (Rechte: AKG)

Josephine Baker auf dem Weg zum Weltstar

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"Shuffle Along" präsentierte hervorragende Jazzsongs, die zu wahren Hits wurden. Es hatte bei schwarzen und weißen Besuchern so viel Erfolg, dass es auf mehr als 500 Aufführungen kam. Florence Mills, die weibliche Hauptdarstellerin, konnte mit dem Stück ihren Durchbruch feiern. Und auch für die junge Chorsängerin Josephine Baker wurde "Shuffle Along" ein wichtiger Meilenstein ihrer Karriere. Der große Erfolg dieses einzigartigen Musiktheaterwerkes wurde zum Wegbereiter für weitere "schwarze" Musicals. Zwischen 1921 und 1924 wurden neun verschiedene Stücke dieses neuen und beliebten Genres aufgeführt. Darunter "Runnin' Wild" oder "The Chocolate Dandies", mit dem Josephine Baker endgültig Starstatus erlangte. Auch in den Folgejahren wurden "schwarze" Musicals am Broadway gefeiert. "The Blackbirds" (1928) oder "Harlem" (1929) wurden ebenso Kassenschlager wie "Porgy and Bess" (1935). Dieses Stück gilt ebenfalls als "schwarzes" Musical, obwohl es von zwei Weißen, George und Ira Gershwin, geschrieben wurde, denn auf der Bühne brillierte ein schwarzes Schauspielerensemble. Die allgemeine Begeisterung für das "schwarze" Musical brachte der afroamerikanischen Kulturszene große Anerkennung und stärkte das Selbstbewusstsein der schwarzen Bevölkerungsschicht. Außerdem gilt die Kunstform des "schwarzen" Musicals als wichtiger Einfluss auf den gesamten Musicalbereich.

Alfried Schmitz, Stand vom 15.06.2010

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