Buenos Aires
Geschichte der Stadt
Buenos Aires wurde zum zweiten Mal und endgültig am 11. Juni 1580 gegründet. Doch in ihren ersten 100 Jahren kam die Stadt über eine Barackensiedlung kaum hinaus. Die spanischen Herren hatten zunächst wenig Interesse an Buenos Aires. Trotz des Hafens blieb die Versorgungslage schlecht. Denn die Krone verbat der Stadt den freien Außenhandel. Und trotzdem: Mit Beginn des 18. Jahrhunderts mauserte sich Buenos Aires zu einem der größten Handelszentren Südamerikas – dem Schmuggel sei Dank. Bis die Krone 1778 ganz offiziell den Handel erlaubte. Ein enormer Aufschwung begann. Um 1800 zählte Buenos Aires 38.000 Einwohner – die Porteños. 1600 waren es gerade mal 500.
Geschichte der Stadt
Die politische Macht lag bei der Kolonialverwaltung. Doch das Streben nach Unabhängigkeit wurde immer größer. 1810 wurde in Buenos Aires der Vizekönig abgesetzt und eine eigene Regierung eingesetzt. 1816 folgte die Unabhängigkeit der "Vereinten Provinzen Südamerikas". 1853 verabschiedeten die Gouverneure die Verfassung der "Federación Argentina". Buenos Aires wurde zum Einfallstor für Einwanderer aus Europa. Von 1857 bis 1898 kamen etwa eine Million Einwanderer nach Argentinien. Vor allem aus Spanien und Italien. Viele erhofften sich durch die Landwirtschaft ein besseres Leben und zogen aufs Land. Viele blieben aber auch in Buenos Aires. 1900 lebten hier über eine Million Menschen. Damit war in ganz Amerika nur New York größer. Prachtstraßen, das Opernhaus Teatro Colón, Straßenbahnen – Buenos Aires glänzte. Die Stadt war und ist unübersehbar europäisch geprägt. Sie gilt als das Paris Südamerikas und ist auch heute Zentrum des Landes mit mittlerweile rund zwölf Millionen Einwohnern im Großraum Buenos Aires.
Historisches Zentrum – die Plaza de Mayo
Von Buenos Aires aus wird das Land gelenkt und regiert. Und die Plaza de Mayo rückte dabei immer wieder in den Blickpunkt. Sie ist der älteste Platz der Stadt, sozusagen das historische Zentrum. Hier steht auch der Präsidentenpalast, die Casa Rosada. An keinem anderen Platz der Stadt ist die Stimmung des Volkes angeblich so gut spürbar wie hier. Auf diesem Platz wurde schon Evita Perón bejubelt. Hier versammeln sich unzufriedene Arbeiter und Kriegsveteranen. Berühmt wurde der Platz aber besonders durch die "Madres de Plaza de Mayo". Während der Militärdiktatur von 1976 bis 1983 ließen sie sich den Protest nicht verbieten. Zehntausende Menschen verschwanden damals - entführt, gefoltert, getötet.
Um zu erfahren, was mit ihren Kindern passiert ist, kamen die "Mütter der Plaza de Mayo" am 30. April 1976 zum ersten Mal auf dem Platz zusammen - um sich zu solidarisieren und um sich zu organisieren. Waren es zunächst nur 14 Mütter, stieg ihre Zahl im Jahr darauf bereits auf 300. Sie ließen sich nicht einschüchtern, erregten auch Aufmerksamkeit im Ausland. Bis heute setzen sie sich für Aufklärung und die Verfolgung der Verantwortlichen der Militärdiktatur ein. Ihr Kennzeichen ist ein weißes Kopftuch. In Argentinien sind sie so etwas wie eine nationale Institution – mit eigener Zeitung und einem Radiosender. Unterstützt werden sie von internationalen Menschenrechtsorganisationen und Spendern.
Von Lifestyle und Müllsammlern
Buenos Aires ist die Vorzeigestadt Argentiniens. Hier gibt es die prachtvollsten Bauten, Szeneviertel, imposante Avenidas, elegante Wohngegenden, Luxushotels. Kein Viertel erscheint wie das andere. Bayerisch, pariserisch, jüdisch – Buenos Aires bietet eine bunte Gesellschaft. Der Stadtteil Palermo zum Beispiel ist ein Mekka für junge Designer. Hier sitzen Film- und Fernsehfirmen. Und hier sitzt man nach einer ausgedehnten Shoppingtour in durchgestylten Bars.
Aber in Buenos Aires ist auch die Kluft zwischen Arm und Reich deutlich spürbar. Wenn man das Zentrum verlässt, erreicht man schnell die Armenviertel. Hier gibt es schlammige Gassen und rostende Dächer statt Villen und prachtvollen Avenidas. Und hier wohnen viele der sogenannten Cartoneros. Auch sie gehören zum Stadtbild von Buenos Aires. Cartoneros streifen in der Nacht mit ihren Karren durch die Stadt, immer auf der Suche nach verwertbarem Müll, vor allem Pappe und Papier. Das verkaufen sie dann weiter und verdienen so ihren Lebensunterhalt. Sogar die Kinder helfen schon mit. Schätzungen zufolge liegt ihre Zahl zwischen 40.000 und 100.000. Vor allem nach der Wirtschaftskrise 2001 schoss ihre Zahl in die Höhe.
Die Porteños – europäisch und auf der Suche nach sich selbst
Man fühlt und denkt europäisch in Buenos Aires, nicht zuletzt weil die Stadt das Einfallstor für die Einwanderer aus Europa war. Die Nachbarn in Lateinamerika, aber auch die Menschen aus anderen Landesteilen Argentiniens empfinden die Porteños oft als arrogant und eitel. Zum anderen sagt man den Porteños auch eine tiefe Verunsicherung nach, ein Suchen nach der eigenen Identität. Dem entspricht, dass es in Buenos Aires so viele Psychotherapeuten gibt wie in keiner anderen Stadt der Welt. Ein Stadtteil wird sogar "Villa Freud" genannt. Nirgendwo sonst liegen die Menschen mehr auf der Couch als in Buenos Aires, egal ob jung oder alt, Taxifahrer oder Intellektueller.
Kultur der Stadt
Kultur findet in Buenos Aires im Großen wie im Kleinen statt. Städtische und autonome Kulturzentren bereichern die Stadt. Es gibt das jährliche Theaterfestival oder auch die Buchmesse, die alljährlich bis zu eine Million Menschen anlockt. Lesen ist eine große Leidenschaft der Porteños. Ebenso gehört aber auch die Café-Kultur zu Buenos Aires. An fast jeder Ecke findet man eins. Und die Porteños lieben es, hier zu lesen, sich zu treffen, zu plaudern. Die Cafés gelten quasi als zweites Wohnzimmer, nur eben im Kaffeehausstil. So wurde sogar eine Kommission zum Erhalt der klassischen Cafés ins Leben gerufen. Per Gesetz wurde 1998 festgehalten, was ein Café erhaltenswert macht. Unter anderem muss es dort kulturelle Aktivitäten geben und sein Alter oder die Architektur müssen den Wert des Cafés steigern. Viele der Cafés sind 24 Stunden geöffnet. Und man wird in Buenos Aires nicht lange suchen müssen, bis man ein Café findet, in dem der Kellner stilvoll einen Cortado, einen Kaffee mit einem Schuss Milch, serviert, ein Glas Wasser und Kekse auf den Tisch stellt. Denn die Cafés gehören in Buenos Aires fest zur Kultur der Stadt.
Martina Schuch, Stand vom 26.01.2010










