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Leben im Outback

Der Australier Mel Gibson wurde 1979 mit dem Film "Mad Max" von George Miller weltberühmt. Einen Glücksgriff hat der Regisseur nicht nur bei der Auswahl seines Hauptdarstellers getan, sondern auch bei der Auswahl seiner Drehorte: Der heimliche Star des Films ist das australische Outback mit seiner endlos wirkenden Weite. Der Drehort spiegelt die Grundstimmung des Films sehr treffend: Wild, grenzen- und gesetzlos - vor allem aber nicht besonders menschenfreundlich.

Das Bild zeigt den US-Schauspieler Mel Gibson in seiner Rolle als Mad Max. (Rechte: Warner Columbia)

"Mad Max" brachte das Outback nach Hollywood

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Fiktion und Wirklichkeit

Im Vergleich zu Millers Fiktion "Mad Max" sieht das Leben im Outback in der Realität geradezu friedlich aus: Schon seit Jahrzehnten muss man bei längeren Fahrten durch die einsame Steppe keine Überfälle mehr befürchten. Dass dieser Teil Australiens nicht gesetzlos ist, stellt man spätestens dann fest, wenn man die Geschwindigkeitsbegrenzungen überschreitet und eine empfindlich hohe Geldstrafe bezahlen muss.

Hügellandschaft mit trockenem Boden, auf dem nichts wächst außer ein paar verkrüppelten Büschen. (Rechte: dpa)

Wo ist denn hier der nächste Supermarkt...

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Das Outback steht in erster Linie für Isolation, Einsamkeit und Eintönigkeit, die wachsen, je weiter man sich von der nächstgrößeren Stadt oder Siedlung fortbewegt. Im tiefen Outback wird vieles, was für den Städter alltäglich ist, zur echten Herausforderung: Wo kaufe ich ein, wenn der nächste Supermarkt zwei Flugstunden entfernt ist? Was passiert, wenn ich mich schwer verletze, und wer unterrichtet meine Kinder?

Das Foto wurde im Cockpit eines Hubschraubers aufgenommen. Es zeigt den Piloten, der einen Steuerknüppel in der Hand hält. Auf dem Boden sind Rinder zu erkennen. (Rechte: dpa)

Moderne Cowboys fliegen Helikopter

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Wie vor 100 Jahren?

Trotz der widrigen Umstände leben etwa 170.000 Menschen im Outback. Viele von ihnen berichten, dass sie wegen des weiten Landes und der großen Freiheit gekommen seien. Die meisten jedoch hat die Arbeit in die Einöde gezogen. Sie verdienen sich ihren Lebensunterhalt als Gold- oder Opalgräber, Schafscherer, Viehjungen oder Cowboys. Selbst die meisten Australier in den großen Städten des fünften Kontinents glauben, die Zeit im Outback sei stehengeblieben. Von einer Cowboy-Idylle, wie man sie aus US-amerikanischen Filmen kennt, ist jedoch zumindest auf den großen Farmen im Outback nichts mehr zu spüren. Schaf- und Rinderherden sind so groß, dass die Cowboys sie mit Hubschraubern zusammentreiben müssen. Die Agrarfachleute des Outbacks verkaufen nicht nur ihr Vieh auf dem Weltmarkt, sondern auch ihre technischen Neuerungen im Bereich der Viehzucht.

Das Schwarzweiß-Bild zeigt einen Goldgräber, der auf der Suche nach Gold ein Gefäß ausschüttet. (Rechte: dpa)

Kein Beruf mit Zukunft: Goldgräber

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Glücksritter sterben aus

Viel näher als die Farmer kommen die Goldsucher dem Klischee eines eigensinnigen und rückständigen Eigenbrödlers, der im selbstgewählten Exil lebt. Viele beschreiben diesen Schlag Mensch als ein wenig verschroben. Wer geht schon freiwillig in die Einsamkeit, nur mit der vagen Hoffnung, irgendwann einmal einen großen Klumpen Gold oder einen Opal zu finden?

Aus allen Teilen der Welt sind die Glücksritter ins Outback gezogen um hier nach verborgenen Schätzen zu graben. Doch ihre großen Zeiten gehen dem Ende entgegen. Als der Goldrausch Australien Mitte des 19. Jahrhunderts erfasst hatte, war es tatsächlich möglich, Gold nahe der Erdoberfläche zu finden. Heute brauchen die Schürfer teures Werkzeug, das ständig repariert und erneuert werden muss. Bei vielen reichen die Goldfunde gerade aus, um über die Runden zu kommen. Gegen die großen, mit moderner Technik ausgestatteten Abbaufirmen hat der kauzige Einzelgänger keine Chance mehr. Wahrscheinlich wird der Goldgräber bald genauso von der Bildfläche verschwunden sein, wie der "Swagman", der wandernde Schafscherer.

Männer mit Cowboy-Hüten stehen an einer Bar. Jeder hat ein Bier vor sich stehen. (Rechte: dpa)

Hier fühlt "Mann" sich noch als Mann

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Chauvinismus und Trinkexzesse

Das Leben der Menschen im Outback ist hart und entbehrungsreich. Während der Woche steht die Arbeit im Mittelpunkt. Was soll man auch anderes machen, wenn die nächste Möglichkeit Menschen zu treffen zum Teil Hunderte von Kilometern entfernt liegt? Am Wochenende zieht es das Gros der Landbevölkerung ins nächstgelegene Pub. Dafür nehmen sie auch gerne eine stundenlange Autofahrt auf Schotterstraßen in Kauf. In den Pubs kommt es häufig zu heftigen Alkoholgelagen, auf die sich viele schon die ganze Woche freuen. Für Frauen sind diese Veranstaltungen nur bedingt geeignet, denn der tief verwurzelte Chauvinismus der Männer trägt in den zahlreichen entlegenen Trinkhallen des Outbacks noch volle Blüte. Die australische Macho-Kultur hat ihren Protagonisten sogar Namen verliehen: Als "Ocker" bezeichnet man bierbäuchige, trinkende Männer, die ihre Zeit am liebsten mit Freunden in der Kneipe verbringen, nicht ohne ihre Frau vorher an den Herd zu befehlen. "Sheila" nennt man die Art von Frau, die das ohne Murren mitmacht. Doch spätestens seit den 70er Jahren sind die Ockers und Sheilas zumindest im städtischen Australien größtenteils einem moderneren Bild der geschlechtlichen Rollenverteilung gewichen. Für Stadtmenschen wirken deshalb die BHs, die in einigen Outback-Pubs von der Decke hängen, oder andere Beweisstücke ausgelassener Exzesse wie ein Relikt aus vergangenen Tagen.

Lernen und Leben in der Einsamkeit

Die Menschen im Outback müssen sich nicht nur mit der Einsamkeit arrangieren, sondern vor allem mit den Problemen, die die Weite des Landes mit sich bringt. Für schulpflichtige Kinder wurde zum Beispiel ein eigenes Lehrsystem etabliert: Bei der "school on air" unterrichtet der Lehrer die Kinder im Outback über Funk. Schriftliche Unterlagen zum Lernen bekommen die Schüler regelmäßig mit dem Post-Flugzeug nach Hause gebracht. Manche Postflieger bringen den Farmern auch kleinere Einkäufe mit. Vor allem aber bietet der Postbote einmal die Woche die Gelegenheit, den neuesten Klatsch über die "Nachbarn" auszutauschen, die ebenfalls auf seiner Flugroute liegen.

Das Schwarzweiß-Bild zeigt drei Männer mit Pilotenmasken vor einem Flugzeug. In ihrer Mitte steht ein Hund, der ebenfalls eine Pilotenmaske trägt. (Rechte: dpa)

Ohne Flugzeug geht es im Outback nicht

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Flying Doctors

Der Geistliche John Flynn gründete 1928 in Zusammenarbeit mit der australischen Fluglinie Qantas (Queensland and Northern Territory Aerial Service) den "Royal Flying Doctor Service". Die sogenannten "Flying Doctors" sind Ärzte mit einer speziellen Ausbildung. Sie können per Funk leichtere Verletzungen diagnostizieren und entsprechende Medikamente empfehlen. Jeder Bewohner des Outbacks hat die wichtigsten Standard-Medikamente stets griffbereit in seinem Medizinschrank. Bei schweren Unfällen sind die Ärzte sofort zur Stelle. Von einer der 23 strategisch übers Outback verteilten Stationen aus erreichen sie jede Stelle im gesamten Outback in höchstens zwei Stunden.

Götz Bolten, Stand vom 08.03.2012

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