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Karpaten

70 Kilometer östlich von Wien erhebt sich ein Gebirgszug, der sich über 1300 Kilometer von der Slowakei über Polen und die Ukraine bis nach Rumänien erstreckt: die Karpaten. In der geographischen Mitte Osteuropas bietet das Gebirge eine unvergleichliche Naturvielfalt an Tieren und Pflanzen. Für viele Naturliebhaber sind die rumänischen Karpaten ein echter Geheimtipp.

Bewaldeter Berghang. (Rechte: WDR)

Heimat vieler Wildtiere

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Europas vergessene Gipfel

In Rumänien bilden die Karpaten einen Bogen, der sich von der nördlichen Grenze des Landes etwa 300 Kilometer nach Süden zieht, um dann weitere 300 Kilometer nach Westen abzuknicken. Das Gebirge ist die natürliche Grenze einer Gegend, von der wohl jeder Deutsche schon einmal gehört hat, die aber nur wenige tatsächlich besucht haben: Transsilvanien oder zu deutsch: Siebenbürgen.

Wie eine skurrile Mondlandschaft sehen die blubbernden Schlammvulkane bei Buzau aus. (Rechte: WDR Freeze)

Schlammvulkane bei Buzau

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In den transsilvanischen Wäldern und Bergen lebt der größte Bärenbestand Europas. Auch Wölfe, Luchse und der Karpatenhirsch sind in den rumänischen Karpaten zu Hause. In den Alpen inzwischen selten gewordene Pflanzen wie Edelweiß und Bergnelken blühen noch zahlreich. Somit sind die Karpaten für viele Naturliebhaber eines der schönsten und ursprünglichsten Gebirge Europas.

Auch geologisch sind die Karpaten hochinteressant. Das Gebirge ist etwa zur gleichen Zeit entstanden wie die Alpen: Vor etwa 65 Millionen Jahren prallten die afrikanische und die europäische Kontinentalpatte aufeinander und ließen in der so genannten alpidischen Faltung zahlreiche Gebirge in Europa entstehen. Durch diese Faltung entstand ein Gebirgszug aus Kalkstein in den westlichen Karpaten und kristallinen Schiefern im südlichen Teil. Ein jüngeres, einzigartiges geologisches Phänomen findet sich in den Ausläufern der Ostkarpaten, etwa 100 Kilometer von Brasov/Kronstadt entfernt. In einer skurrilen Mondlandschaft blubbern und sprudeln die Schlammvulkane von Buzau vor sich hin. Für die Entstehung der Schlammvulkane gibt es einen Grund: Das Gestein in diesem Teil der Karpaten ist stark erdölhaltig. Durch das Erdöl entweichen Dämpfe, die in Verbindung mit Regenwasser den kalkhaltigen Boden lösen und so die Schlammvulkane entstehen lassen.

Marktplatz und Häuser von Hermannstadt im Abendlicht (Rechte: WDR Freeze)

Restaurierter Marktplatz in Sibiu/Hermannstadt

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Man spricht Deutsch

n Transsilvanien finden sich bis heute zahlreiche deutsche Einflüsse. Auch bekannt als Siebenbürgen hat diese Region jahrhundertealte deutsche Wurzeln. Bis heute leben hier viele deutschstämmige Rumänen. Vor etwa 850 Jahren wurden die Siebenbürger Sachsen von dem damaligen ungarischen König Géza II. gebeten, zum Schutz vor tatarischen Überfällen das bis dahin kaum bewohnte Land zu besiedeln. Dafür versprach der ungarische Herrscher den Einwanderern aus Deutschland, ihnen das Land dauerhaft zu überlassen. Die Siebenbürger Sachsen kamen und blieben bis heute. Noch immer prägen sie diesen Teil Rumäniens kulturell und wirtschaftlich. Die mittelalterlichen Kirchenburgen mit den um sie herum gewachsenen Dörfern und Städten sind typisch für Siebenbürgen. Es entstand ein für ganz Rumänien wichtiges wirtschaftliches Zentrum in Brasov/Kronstadt. Kulturell ist dagegen Sibiu/Hermannstadt das Zentrum Siebenbürgens. Egal, wo man in Siebenbürgen unterwegs ist: Fast jeder spricht deutsch. Denn in fast allen Städten sind die deutschen Schulen nicht nur erhalten, sondern gelten auch bei den Rumänen als Eliteschulen und die deutsche Sprache als wichtige Chance für die Zukunft der Kinder.

Mit Sensen mähen zwei Bauern eine Heuwiese. (Rechte: WDR Freeze)

Typisches Bild für die Maramuresch

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Zeitreise mit Pferdewagen

An der Grenze zur Ukraine liegt in einem Talkessel die Region Maramuresch. Diese Region bezaubert durch liebliche, sanft geschwungene Hügel. Da der Talkessel über die Jahrhunderte für die verschiedenen Eroberer, die durch Osteuropa zogen, kaum zugänglich war, wurde die Maramuresch nie erobert oder unterworfen. Auch westliche Einflüsse und moderne Technik dringen nur äußerst langsam in diese Gegend vor. So ist hier bis heute eine sehr ursprüngliche Region erhalten, die sich viel Eigenes bewahrt hat. Pferdewagen sind zum Beispiel das wichtigste Transportmittel. Die Felder werden noch mit Ochsen gepflügt und die Wiesen mit Sensen gemäht. Vor den Häusern stehen Holzbänke, wo sich die Menschen treffen, reden und die frisch geschorene Wolle spinnen. Ihr stolzer Blick verrät, dass sie sich ihrer Geschichte bewusst sind. Wer in die Maramuresch kommt, unternimmt eine wahre Zeitreise. Da nur wenige Fremde den Weg hierher finden, freuen sich die Menschen noch sehr über Besucher. Die Bewohner der Maramuresch gelten als äußerst hilfsbereit, herzlich und gastfreundlich.

Marika Liebsch, Stand vom 01.06.2009

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Bildcollage zum Thema Bergwelten (Rechte: dpa)

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