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Bulgarien - Bewegte Geschichte, reiche Kultur

Bulgarien ist reich an Spuren europäischer Geschichte. Immer mehr Urlauber reisen zu den archäologischen Schätzen und Kulturdenkmälern wie den Gräbern der Thraker-Könige und dem Batschkovo-Kloster. Neun Stätten werden zum Weltkulturerbe gezählt. Spuren der Thraker und Römer finden sich auch an der Schwarzmeerküste verewigt, deren Badestrände bei den Touristen sehr beliebt sind.

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Bulgaren sehen sich als Nachfahren der Thraker

Etwa 1400 vor Christus siedelten die Thraker am Schwarzen Meer, ein mächtiges, aber in viele Stämme zersplittertes Volk. Sie lagen ständig im Kampf miteinander. Schon früh konnten sie Edelmetalle bearbeiten. Den Beweis dafür lieferte ein Fund aus dem Jahr 1972: Bauern entdeckten bei Varna einen Friedhof. Dort fand man den ältesten Goldschmuck eines Vorfahren der Thraker aus dem Vorderen Orient. Er ist fast 7000 Jahre alt. Dem Skelett eines Mannes waren 100 Schmuckstücke und ein Penisköcher von hoher Goldschmiedekunst auf die große Reise mitgegeben worden. Die Thraker waren ein sehr geachtetes Volk mit einem ausgeprägten spirituellen Leben und starken Göttern. Zwei bekannte Gottheiten der griechischen Mythologie wurden bereits bei den Thrakern verehrt: Dionysos, der Gott des Weines - die Bulgaren bauen bis heute guten Wein an - und Orpheus.

Goldschmuck, ein in Gold geprägter Löwe, darunter ein Band mit eingeprägten Pferden. (Rechte: AKG)

Thraker-Goldschmuck, 400 Jahre vor Christus

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Die thrakischen Stämme vereinigten sich später unter einem König. Aber auch als Gemeinschaft hatten sie nicht genug Schlagkraft, um den nun anstürmenden Römern Einhalt zu gebieten. 46 nach Christus mussten sie sich Rom unterwerfen. Nach der Spaltung des Römischen Reiches übernahm Byzanz, das heutige Istanbul, 395 nach Christus die Vorherrschaft.

Das imposante Rila-Kloster mit Kirche der heiligen Gottesmutter mitten im Rila-Gebirge. (Rechte: Mauritius)

Kloster im Rila-Gebirge, südlich von Sofia

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Das erste Bulgarische Reich

Die Bulgaren sehen sich gern als Nachkommen der Thraker. Aber erst 681 gelang es Khan Asparuch das erste Bulgarische Reich zu gründen. Er gehörte zu den Ur- oder Protobulgaren aus dem Norden, ursprünglich aus dem Hindukush-Gebirge, die sich im 7. Jahrhundert an der Donau niedergelassen hatten. Khan nannten sich die Oberhäupter der Turkvölker, zu denen die Protobulgaren zählen. Khan Asparuch vereinigte sieben slawische Stämme und die Nachfahren der Thraker zu einem neuen Staat. Seine Nachfolger Boris und Simeon dehnten das Reich aus und übernahmen den christlichen Glauben. Mönche sorgten für die Bildung der bäuerlichen Bevölkerung. Kyrill und Methodius entwickelten die Anfänge des kyrillischen Alphabets. Bulgarien wurde schließlich von Byzanz als souveräner Staat anerkannt - das erste Bulgarische Reich.

Aber der Frieden hielt nicht lange. Nach einer grausamen Schlacht fiel Bulgarien 1014 wieder an Byzanz. Kaiser Basileos II. ließ 14.000 gefangenen Soldaten die Augen ausstechen und sie in der Hauptstadt aufmarschieren. Er ging als "Bulgarentöter" in die Geschichte ein. In dieser Zeit hatte sich die byzantinische Lebensweise in Bulgarien ausgebreitet. Viele Bauwerke, vor allem Klöster, entstanden im byzantinischen Stil, wie das berühmte Rila-Kloster südlich der Hauptstadt Sofia oder das Batschkovo-Kloster bei Plovdiv.

Eine große Backsteinmoschee mit Kuppel und Minarett. (Rechte: dpa)

Banya-Bashi-Moschee in Sofia, erbaut 1576

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500 Jahre unter osmanischer Herrschaft

Das zweite Bulgarische Reich entstand unter den Brüdern und Feudalherren Peter und Assen, die Byzanz eine Niederlage beibrachten. Die Nation wurde stärker und errang im 14. Jahrhundert eine Position als südosteuropäische Großmacht. Da aber befand sich schon eine neue Bedrohung auf dem Vormarsch, die Türken. 1396 war ganz Bulgarien besetzt, 1453 der gesamte Balkan. Die osmanische Herrschaft stützte sich auf die fanatischen Janitscharen, Söhne des ganzen Reiches, die - ihren Familien entrissen - zu islamischen Kriegern umerzogen wurden und oft gerade in ihren Herkunftsländern eingesetzt wurden.

Wenn Bulgaren über ihre Geschichte sprechen, übergehen sie die 500 Jahre Osmanenherrschaft häufig. Das Land sei vom Westen abgeschnitten worden, die Entwicklung stehen geblieben, Leid und Rückständigkeit hätten die Zeit geprägt. Inzwischen wird dieses Geschichtsbild von Historikern in Frage gestellt. In Glaubensfragen seien die Türken recht tolerant gewesen, deshalb hätten gerade die Strukturen der orthodoxen Kirche zum Erhalt des Nationalgefühls beigetragen. Und viele Städte hätten sich zu blühenden Handelszentren mit ersten Manufakturen entwickelt. Einig ist man sich dagegen, dass Bulgarien in dieser Zeit in eine europäische Randlage geriet.

Mit dem Niedergang des Osmanischen Reiches konnte Bulgarien mehr Rechte durchsetzen. Nach dem Eingreifen Russlands erhielt es 1878 seine Unabhängigkeit zurück. Die europäischen Großmächte bestimmten Bulgariens Grenzen auf dem Berliner Kongress. Im Norden entstand ein unabhängiges Fürstentum mit Sofia als neuer Hauptstadt, der Osten blieb mit Plovdiv türkische Provinz (Ostrumelien). Mazedonien musste Bulgarien abtreten, eine Entscheidung, die zwei Balkankriege auslöste.

Zar Ferdinand I. von Bulgarien in vollem Ornat mit vielen Orden und Pelzmütze. (Rechte: AKG)

Fürst und später Zar Ferdinand I. von Bulgarien (1910)

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Zwischen Hitler und Stalin

Der deutschstämmige Prinz Alexander von Battenberg wurde der erste Fürst Bulgariens. Es gelang ihm Ostrumelien mit Sofia zu vereinen. Ihm folgte 1887 der junge Prinz Ferdinand von Sachsen-Coburg-Gotha, der 1908 den Titel "Zar" annahm. Er war der Großvater von Zar Simeon, der Anfang 2000 regierte. Im Ersten Weltkrieg stellte sich der Zar auf die Seite Deutschlands und Österreich-Ungarns in der Hoffnung, Mazedonien zurück zu gewinnen. Aber es kam anders. Sein Sohn Boris musste 1919 auch noch den Süden und damit den Zugang zur Ägäis abtreten.

Im Zweiten Weltkrieg erklärte Bulgarien zunächst seine Unabhängigkeit, gab diese aber aufgrund von wirtschaftlichem und politischem Druck auf und stellte sich an Hitlers Seite. Aber auch die Aussicht Mazedonien und die Provinz Ostthrakien erneut zu besetzen, bestärkte Boris III. in seinem Entschluss. Die Bulgaren wahrten eine gewisse Distanz zum Nationalsozialismus. Das zeigte sich 1943, als die Bevölkerung sich weigerte, 50.000 Juden in den Tod zu schicken. 12.000 Juden in Mazedonien und Thrakien wurden dagegen nicht verschont. Im September 1944 erklärte die Sowjetunion Bulgarien den Krieg. Die Kommunistische Partei hatte im Land bereits einen Partisanenkrieg angezettelt, mit dem Ziel, die monarchistisch-faschistische Regierung zu stürzen. Aber erst als sich der Sieg der Alliierten abzeichnete, fanden sie Unterstützung. Im Herbst überquerten sowjetische Truppen die Donau. 1946 wurde die Monarchie abgeschafft. Stalinistische Strukturen setzten sich durch. Bulgarien galt bald als treuester Partner der Sowjetunion.

Nach Stalins Tod regierte fast 30 Jahre lang Todor Schivkov. Er entwickelte Industrie und Landwirtschaft mit russischem Öl. Die Bauwirtschaft boomte - am Rande der Städte. Der Tourismus dankt es ihm heute. Damals erlaubten es günstige Kredite der Bevölkerung, ihre Wohnungen zu kaufen. Die Jugend genoss einige Freiheiten. In Diskotheken waren westliche Musik- und Modehits präsent. Aber Ansätze demokratischer Willensbildung wurden nicht zugelassen.

Platz mit mehrstöckigen Regierungsgebäuden. (Rechte: dpa)

Zentrum von Sofia mit ehemaliger KP-Zentrale und Regierungsgebäuden

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Bulgarien orientiert sich nach Westen

1989 wurde Todor Schivkov abgewählt. Sozialisten und Christdemokraten wechselten sich in der Nachfolge ab. Aber keine Regierung bekam die Wirtschaft in den Griff. Der Lebensstandard sank. Man entschied sich für eine Öffnung nach Westen. Im Jahr 2000 nahm Bulgarien Beitrittsverhandlungen mit der Europäischen Union (EU) auf und wurde 2004 Mitglied des westlichen Verteidigungsbündnisses NATO. Simeon Sakskoburggotski, letzter Spross der Monarchie, kehrte aus dem spanischen Exil zurück und regierte das Land von 2001 bis 2005. Die Wirtschaft erholte sich allmählich, aber im Portemonnaie der Bulgaren machte sich das nicht bemerkbar. Sie verdienten 2005 noch immer nur ein Viertel des Durchschnittseinkommens in der EU, 160 Euro im Monat. Von den knapp acht Millionen Bulgaren gingen nach der Wende rund zehn Prozent ins Ausland um mehr zu verdienen, am liebsten in den USA oder auch Deutschland. Andere haben mehrere Arbeitsstellen um steigende Strom- und Heizungskosten bezahlen zu können.

Im EU-Fortschrittsbericht zu Bulgarien wurde eine durchgreifende Reform des Justizwesens gefordert und eine Bekämpfung von Korruption und der organisierten Kriminalität. Trotz dieser Defizite stimmte die EU-Kommission im September 2006 zu, allerdings nur unter der Bedingung, dass Bulgarien regelmäßig über den Erfolg der Reformen Bericht erstattet. Seit dem 1. Januar 2007 zählt Bulgarien zu den Mitgliedstaaten der EU. Die Jugend hatte sich schon längst auf den Beitritt eingestellt, lernt Englisch und Deutsch und jobbt, um sich westliche Markenartikel leisten zu können, ins Kino zu gehen oder in die Pianobar. In der Musik mischen sich seit Jahren traditionelle Melodien mit westlichem Sound.

Andrea Reischies, Stand vom 01.06.2009

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