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Plovdiv

Plovdiv liegt in der zentralen Tiefebene Bulgariens. Erste Spuren einer Besiedlung stammen aus vorgeschichtlicher Zeit. Eine thrakische Siedlung wurde auf das 5. Jahrhundert vor Christus datiert. Später ließen sich Mazedonier, Römer, Kelten, Slawen, Bulgaren und Türken in der alten Stadt nieder und hinterließen ihre Spuren.

Aufnahme einer Stadt, die auf mehreren Hügeln liegt. (Rechte: dpa)

Stadt voller Geschichte

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Unter Kaiser Aurelius wurde hier gefeiert

Viele der 350.000 Einwohner der zweitgrößten Stadt Bulgariens sitzen im Park oder an der Einkaufsstraße beim Café, solange das Wetter es zulässt. Sie lieben wie die Touristen das gemütliche Flair und die schöne Altstadt. Gleich mitten auf der Flaniermeile liegt das römische Amphitheater, halb im Boden versenkt. Im 2. Jahrhundert war es der Schauplatz für Tier- und Gladiatorenkämpfe. Im Jahr 46 nach Christus nahmen die Römer die Stadt ein und nannten sie Trimontium, die Stadt auf den drei Hügeln. Auf einem von ihnen liegt das antike Marmortheater, gebaut unter Kaiser Marcus Aurelius. Bis zu 3000 Menschen gleichzeitig haben hier im Lauf von 400 Jahren Feste gefeiert und Schaukämpfen zugesehen. Vor den Überresten der Säulen und steinernen Römern werden auch heute wieder Theaterstücke und Konzerte aufgeführt.

Die hohe Backsteinfassade der Moschee liegt hinter dem kleinen Amphitheater in einer Einkaufsstraße. (Rechte: Mauritius)

Freitagsmoschee in der Einkaufsstraße von Plovdiv

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500 Jahre herrschten die Osmanen

Ältere Gebäude wurden bei der Eroberung Plovdivs durch die Osmanen 1364 niedergebrannt. Sie nannten die Stadt Philibe. Vermutlich kurz nach ihrem Einzug bauten sie die zentrale Moschee Dshumaja dshamija. "Dshamija" bedeutet so viel wie freitags, der Tag des Gottesdienstes. Es ist ein großes stattliches Gebäude direkt am kleinen Amphitheater und am Fuße der Altstadt.Im 18. und 19. Jahrhundert wurde Philibe unter osmanischer Herrschaft zu einer blühenden Handelsstadt mit multikultureller Bevölkerung. Zu Bulgaren und Türken zogen Armenier, Griechen, Juden, Vlachen, Venezianer, Deutsche und Österreicher. Dieses rege Treiben setzte sich in der Zeit der so genannten bulgarischen Wiedergeburt Ende des 19. Jahrhunderts fort.

Frau bietet Salat auf einem Markt an. (Rechte: dpa)

Auf dem Markt verkaufen Roma, Türken und Bulgaren ihre Waren

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Ungeliebte Minderheiten

Trotz der wirtschaftlichen Entwicklung, die durch die Türken angestoßen wurde, blieben sie unbeliebt, ja verhasst, wie der französische Dichter Lamartine 1833 feststellte. Als Bulgarien 1879 seine Unabhängigkeit zurückbekam, fühlten sich die Türken schikaniert und viele verließen das Land. Im Kommunismus wurden Roma, Türken und Pomaken, eine weitere muslimische Volksgruppe, zwangsintegriert. Sie mussten sogar bulgarische Namen annehmen.

Die Verfolgung verschärfte sich zum Ende der Ära Schivkov. 300.000 Türken wanderten noch 1989 in die Türkei aus. Doch dann schaffte es die erste demokratische Regierung den Konflikt friedlich zu lösen. Die türkische Minderheit und viele Moslems, auch Roma, fanden eine eigene parlamentarische Vertretung in der Partei "Bewegung für Rechte und Freiheiten", BRF. Sie wurde Teil der Regierung. Die Bezeichnung Türke scheint seitdem für eine ausgegrenzte Minderheit zu stehen. Heute nennen sich auch viele Roma Türken. Sie haben in Plovdiv eines der größten Ghettos, Mahalas, gebildet. Es sind verwahrloste Hochhäuser, oft ohne Wasser und Elektrizität. Die meisten Roma haben keine Arbeit, keinen Schulabschluss und wenig Aussichten, aus der sozialen Randgruppe auszuscheren.

Bunt bemalte Fachwerkhäuser mit vorstehenden Obergeschossen. (Rechte: dpa)

Wiedergeburtshäuser mit typischem Obergeschoss

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Die Zeit der "Wiedergeburt"

Von der Festungsmauer am nördlichsten und höchsten Teil der Stadt hat man eine herrliche Aussicht auf die alte Stadt am Fluss Maritsa. Von dort geht man steil hinunter, durch enge Gassen, unter den vorspringenden Erkern der so genannten Wiedergeburtshäuser entlang. Sie sind zu Beginn der wiedererlangten Unabhängigkeit von den Türken, der bulgarischen "Wiedergeburt", entstanden, als die Stadt ein betriebsamer Handelsfleck war. Reiche Kaufleute haben sich die wunderschönen Häuser gebaut, jedes ein kleiner Palast. Heute sind sie Symbol für das wieder erstarkte Nationalgefühl der Bulgaren.

Die zwei- bis dreigeschossigen Häuser sind bunt bemalt, haben hölzerne Balkone und geschnitzte Dachgesimse. Die meisten Wiedergeburtshäuser sind zu besichtigen, als Museum, Galerie, oder umgebaut zu Restaurant und Café. Die Zimmerdecken der Salons sind meist mit phantasievollen Malereien versehen, die Wände mit Landschaftsbildern oder anderen Friesen bedeckt. Es gibt viele kleine Erker mit kostbaren Vasen und Möbeln, vorwiegend aus Wien und Venedig. Das Chindlijan Haus hat im Keller obendrein ein gut erhaltenes türkisches Bad. Noch unter osmanischer Herrschaft wurden orthodoxe Kirchen gebaut, darunter die Kirche Sweta Bogorodiza, wo 1859 zum ersten Mal in Plovdiv der Gottesdienst in bulgarischer Sprache abgehalten wurde.

Andrea Reischies, Stand vom 01.06.2009

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Bildcollage zum Thema Bulgarien (Rechte: dpa)

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