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Ludwig und die Frauen

Höfische Ehen waren – und das noch bis ins letzte Jahrhundert – oft genug keine Verbindungen aus Liebe, sondern aus Staatsinteresse. Dabei hatten persönliche Gefühle und Emotionen in den Hintergrund zu treten. Die Vergrößerung politischer Macht und das Mehren der Staatsreichtümer musste vorangetrieben werden. Das konnte durch Heirat mit anderen einflussreichen Königshäusern erreicht werden. Auch Ludwig XIV war in der Wahl seiner Gemahlin an die Staatsräson gebunden. Wäre es nach seinem Herzen und seinem Willen gegangen, hätte er sich vermutlich anders entschieden.

Gattin Maria Theresia (Rechte: INTERFOTO)

Gattin Maria Theresia

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Der Staat geht vor

Seine Mutter Anna von Österreich duldet solche Gefühlsduseleien nicht. Für sie ist klar: Liebe muss in den Dienst politischer Zwecke gestellt werden. So heiratet Ludwig im Jahr 1660 Maria Theresia. Sie ist die Tochter Philipps IV, der bis 1665 König von Spanien ist. Beide sind 22 Jahre alt. Diese Verbindung bringt den Frieden mit Spanien. Dazu erhält Frankreich spanische Ländereien und Maria Theresia behält das Erbrecht am spanischen Königshaus. Dem Interesse des Staates ist also Rechnung getragen. Nicht zuletzt auch dadurch, dass Maria Theresia dem Königshaus pflichtgemäß einen Thronfolger gebiert.

Bei all der Pflichterfüllung bleibt das Gefühl allerdings auf der Strecke. Es lässt sich aber nicht einfach so verdrängen und übergehen. Auch Ludwig muss das erfahren, denn er fühlt sich nicht wirklich zu seiner Gattin hingezogen. Ihre strenge Art und die zunehmende Leibesfülle machen ihm Maria Theresia nicht unbedingt attraktiver. Er findet dagegen eher Gefallen an seiner jugendlichen Schwägerin Henriette Anna. Mit ihr verbringt er viel Zeit, ihre Verbindung bleibt aber eine freundschaftlich-platonische. Auch wenn die Öffentlichkeit glaubt, Henriette Anna sei Ludwigs Geliebte.

Des Königs erste Mätresse

Genau diesen Gerüchten möchte sie etwas entgegensetzen. Und zwar tatkräftig. Sie inszeniert, dass ihre Hofdame Luise de La Vallière die erste offizielle Geliebte des Königs wird. Wirklich schwer ist das nicht, denn, wie viele andere Frauen, ist auch Luise von Ludwig fasziniert. Sie selber ist sehr dünn, fast schon mager, was sie zu einem sehr zarten und zerbrechlichen Geschöpf macht. Auch hat sie einen kleinen Gehfehler. Zeitgenossen meinen, ihre Attraktivität bliebe hinter ihrem liebenswerten Wesen zurück. Dieser angenehme Charakter unterscheidet sie wesentlich von vielen der übrigen Damen am Hofe. Das bemerkt auch Ludwig und verliebt sich in sie.

Luise bleibt sich trotz ihrer Liaison zum König treu. Materielle Zuwendungen lehnt sie ab. In hinterlistige Machenschaften bei Hofe lässt sie sich ebenfalls nicht hineinziehen. Ränkespiele sind nicht ihre Sache. Sie ist loyal. Das macht es ihr nicht einfach, sich in der Rolle als Geliebte des Königs einzufinden. Aber Ludwig ist ihre große Liebe – aus der Beziehung entstehen mehrere Kinder. Der König findet allerdings auch Gefallen an anderen Schönheiten. Das macht Luise sehr zu schaffen. Sie fasst schließlich einen Entschluss, den sie nach langem hin und her schließlich in die Tat umsetzt: 1674 unterwirft sie sich den strengen Regeln des Klosterlebens der Karmeliterinnen, bei denen sie 36 Jahre lang – bis zu ihrem Tod – in Askese lebt.

Montespan, Diane Francoise Marquise de 1641 - 27.5.1707, Mätresse Ludwig XIV., 17. Jahrhundert (Rechte: INTERFOTO)

Diane Francoise Marquise de Montespan

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Ein König nimmt sich

Ludwig bedauert zwar zutiefst Luises Entscheidung, er kann sie aber nicht von ihrem Plan abbringen. Und bald schon findet er Trost bei einer anderen. Es ist Françoise-Athénais de Montespan, die Gemahlin des Marquis de Montespan. Nachdem Ludwig sich in dessen Gattin verliebt und sie erobert hat, sorgt er maßgeblich dafür, dass es zur Scheidung kommt: der König selbst verfasst die entsprechende Urkunde. Anschließend speist er den Marquis mit einem Geldbetrag ab und jagt ihn aus Paris.

Neben ihrer Schönheit ist die Montespan für ihre launische und hitzige Natur bekannt. Dazu kommt ihr messerscharfer Verstand. All diese Eigenschaften wirken sehr anziehend auf Ludwig. Siebzehn Jahre lang ist sie seine Geliebte. Mit ihr hat er sechs Kinder. Francoise Scarron, die eigens als Kindermädchen an den Hof geholt wird, kümmert sich um den Nachwuchs. Und bald kümmert sich Ludwig auch um sie. Er macht sie sogar zur Marquise de Maintenon, was seiner Langzeit-Geliebten de Montespan überhaupt nicht gefällt. Abgesehen von einigen anderen Liebschaften sind es diese beiden Frauen, um die sich das königliche Lustleben dreht. Bis ins Jahr 1679.

Francoise d'Aubigne (1635-1719) Marquise de Maintenon (Rechte: mauritius images)

Marquise de Maintenon (1635-1719)

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Ludwigs große Liebe

Ludwig beendet die Liebesbeziehung zur Marquise de Montespan. Und die Marquise de Maintenon bringt ihn sogar dazu, sich wieder seiner Frau – der Königin – zuzuwenden. All die Jahre hinweg hat Maria Theresia die Untreue ihres Mannes hingenommen und sich damit arrangiert. Sogar mit seinen Geliebten ist sie mittlerweile im Reinen. Sie soll Ludwig aber nur noch zwei Jahre für sich haben – 1683 stirbt Königin Maria Theresia. Es wird vermutet, dass Ludwig etwa ein Jahr später die Marquise de Maintenon heiratet, denn als seine Mätresse wollte sie ihm nicht mehr länger zur Verfügung stehen. Sie soll die einzige Frau im Leben des Königs gewesen sein, der er die Treue gehalten hat.

Lothar Nickels, Stand vom 18.05.2012
Sendung: Ludwig XIV. – Am Hofe des "Sonnenkönigs", 22.05.2012

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Bildcollage zum Thema Frankreich. (Rechte: WDR)

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