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Deutsche Sprache in Israel

Wie das israelisch-deutsche Verhältnis, so hat auch die deutsche Sprache in Israel einen ganz besonderen Stellenwert. Deutsch, die "Sprache der Mörder", hat ebenso wie "die Deutschen" in Israel stets einen negativen Beiklang. Beide werden niemals in einem "normalen" Verhältnis zu Israel stehen. Doch genauso wie sich das israelisch-deutsche Verhältnis seit Ende des Holocaust entwickelt und intensiviert, so verändert sich auch die Akzeptanz der deutschen Sprache in Israel.

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Die "Sprache der Mörder"

Israels bekanntester Schriftsteller, der 1939 in Jerusalem geborene Amos Oz, beschreibt in seinem Essay "Israel und Deutschland" persönliche Kindheitserinnerungen an die deutsche Sprache. Amos Oz und seine Freunde schnappten als Kinder deutsche Wörter auf, "hauptsächlich (…) aus den Filmen über den Zweiten Weltkrieg, von denen die meisten direkt aus Hollywood in unser Kino kamen", so schreibt er. "Aus dem Mund eiskalter, bösartiger Nazis in Wehrmachtsuniformen oder in schwarzen SS- und Gestapo-Uniformen hörten wir dann, wieder und wieder, jenes Dutzend gebellter deutscher Wörter, bei denen es mir heute noch kalt über den Rücken läuft: raus, schnell, Achtung, kaputt, Zug, Eisenbahn, halt! und jawohl!"

Porträtfoto eines älteren, freundlich schauenden Herrn im grauen Jackett. (Rechte: AKG)

Der israelische Schriftsteller Amos Oz

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So wie Oz geht es den meisten Israelis seiner Generation. Auch vielen jungen Israelis ist die deutsche Sprache bis heute bestenfalls suspekt. Dies kommt auch im Dokumentarfilm "Der Klang der Worte" zur Sprache, in dem der Kölner Filmemacher Gerhard Schick die deutsche Sprache im modernen Israel beobachtet. Im Film kommt unter anderem die israelische Studentin Moran Friedmann zu Wort, deren Großeltern deutschsprachig sind. Sie vergleicht die Akzeptanz der deutschen Sprache bei jungen Israelis mit der der arabischen Sprache: "Arabisch und Deutsch erscheinen uns irgendwie feindlich". Und weiter: "Es sind nicht einfach nur fremde Sprachen - sie haben eine negative Konnotation. Ich glaube, heute Arabisch mehr als Deutsch, doch ich bin nicht sicher."

 

Frau mit dunklem, zum Zopf gebundenem Haar sitzt auf einem Sofa. (Rechte: Gerhard Schick)

Moran Friedmann in "Klang der Worte"

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Jeckes - die erste Generation deutschsprachiger Israelis

Der mit Abstand größte Anteil an Deutschsprechenden in Israel sind alte Menschen. Deutschsprachige Juden, die in den 20er und 30er Jahren im Zuge des Zionismus nach Palästina gekommen oder später vor den Nazis dorthin geflohen waren, die sogenannten Jeckes, behielten ihre deutsche Muttersprache bei. Oder aber sie verdrängten sie und kramten sie nach vielen Jahren wieder aus dem Gedächtnis hervor. Denn Deutsch, die Sprache der Nazis, war in Israel verpönt, auch wenn es gleichzeitig die Muttersprache vieler Juden war.

Vor allem die Älteren der Deutschsprachigen hatten Schwierigkeiten, Hebräisch zu lernen. So beobachtete Amos Oz als Kind: "In der Apotheke von Herrn Heinemann wies man jeden scharf zurecht, der in der "Sprache unserer Mörder" eine Frage stellte, eine Meinung äußerte. Da nutzten auch die verlegenen Entschuldigungsversuche der älteren Menschen nichts, denen es nicht gelungen war, Hebräisch zu lernen, die kein Jiddisch konnten und keine andere Sprache außer der deutschen hatten, um eine Packung Aspirin zu verlangen. Sie schämten sich, und manche von ihnen schämten sich sogar ihrer auf Deutsch geträumten Träume." Die junge Moran Friedmann ergänzt in "Der Klang der Worte": "Als die Holocaust-Überlebenden hierhin gekommen sind, ist man nicht nur ihrer Sprache taktlos begegnet, sondern auch dem, was sie durchgemacht haben. Man hat sie mundtot gemacht. Und nicht nur die Sprache, sondern auch die Erinnerungen."

Fünf Hinweisschilder, jeweils in hebräischer Schrift und auf Englisch. Im Hintergrund sieht man zwei mit Gewehren zielende Soldaten. (Rechte: dpa)

Hebräisch und Englisch - die wichtigsten Sprachen Israels

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Die zweite Generation

Deutschsprachige Juden der folgenden Generation, in Israel geboren und aufgewachsen, haben als Kinder von den Eltern Deutsch gelernt. Gleichzeitig lernten sie in Israel vor allem Hebräisch. Von klein auf war ihnen das negative Verhältnis der Israelis zur deutschen Sprache bewusst. Zu Kriegszeiten und auch nach dem Krieg gab es in Israel einen großen Widerstand gegen die deutsche Sprache.

Filmemacher Schick hat bei seinen Recherchen mit vielen Israelis dieser Generation gesprochen und fasst die drei unterschiedlichen Haltungen zur damaligen Zeit folgendermaßen zusammen: "Manche haben sich gesagt, das ist mir egal, Deutsch ist meine Muttersprache und ich spreche diese Sprache so oft ich will. Andere haben sich angepasst, weil ein innerer Konflikt sie dazu zwang, nicht mehr deutsch zu sprechen. Wieder andere haben gegen ihren Willen dann kein Deutsch mehr gesprochen." Zur damaligen Zeit wollte eine Bewegung namens "nur Hebräisch" das Sprechen von allen "mitgebrachten" Sprachen in Israel verhindern. Denn im Rahmen des Zionismus wollte man mittels der gemeinsamen hebräischen Sprache eine israelische Identität schaffen. Doch Deutsch hatte als Sprache der Nazis auch dabei eine besondere Stellung, es galt als besonders negativ.

Johannes Rau spricht im Anzug an Rednerpult. (Rechte: dpa)

Johannes Rau vor der Knesset

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Politische Entwicklung von Deutsch in Israel

Das persönliche Verhältnis zur deutschen Sprache ist eine Sache; die öffentliche, die politische Beziehung ist eine andere. Seit 1965 gibt es diplomatische Beziehungen zwischen Israel und Deutschland. Gleich zu Anfang dieser zerbrechlichen politischen Kontakte, ließ Rolf Pauls, der erste deutsche Botschafter in Israel, es sich trotz aller Bitten nicht nehmen, seine Antrittsrede auf Deutsch zu halten. Er nahm keine Rücksicht auf die Gefühle vieler Israelis und entsprechend gab es große Proteste in der Bevölkerung. Da er sich jedoch schnell als extrem Israel-freundlich herausstellte, lockerten sich auch im Hinblick auf die deutsche Sprache viele Bedenken.

Ende der 80er Jahre wanderten über eine Million Russen nach Israel ein. Da sie Russisch bedenkenlos zur viel verbreiteten Sprache in Israel machten, war nun neben Englisch und Hebräisch auch der Weg für andere Sprachen offen. Auch dies trug zu einem entspannteren Verhältnis zum Deutschen bei. Doch noch im Jahr 2000 gab es einen Aufruhr um die deutsche Sprache, als Johannes Rau als erster deutscher Bundespräsident auf Deutsch vor der Knesset, dem israelischen Parlament, sprach. Seit diese letzte Hürde genommen ist, scheinen die größten Wogen geglättet, doch die Beziehung der Israelis zur deutschen Sprache bleibt weiterhin alles andere als normal. Das zeigte sich im März 2008, als Bundeskanzlerin Angela Merkel als erste ausländische Regierungschefin eine Rede vor der Knesset halten durfte. Aus Protest dagegen, dass sie ihre Rede auf Deutsch hielt, boykottierten mehrere Parlamentarier die Ansprache.

Sänger Bill steht im rot gemusterten T-Shirt auf der Bühne, den rechten Arm hat er mit dem Mikro in der Hand in die Luft gestreckt. Dahinter sieht man den Schlagzeuger seiner Band. (Rechte: AFP)

Tokio Hotel 2007 in Tel Aviv

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Deutsch lernen heute - die dritte Generation

Seit in den 60er und 70er Jahren die ersten jungen Deutschen Israels Kibbuzim aufsuchten, um dort mitzuhelfen und Israel kennenzulernen, hat sich das deutsch-israelische Verhältnis verändert. Schüleraustausch, Wirtschaftsbeziehungen und Kulturaustausch zwischen Israel und Deutschland sind heute intensiver als je zuvor. Doch viele, vor allem junge Israelis, stehen der deutschen Sprache noch immer mit gemischten Gefühlen gegenüber. Viele vermeiden den Kontakt und ziehen ihr Wissen über Deutschland und die deutsche Sprache weiterhin aus Filmen und Dokumentationen über die Nazi-Zeit.

Es gibt natürlich Ausnahmen. So suchen etwa junge Israelis, deren Großeltern Deutsch sprechen oder mit der deutschen Sprache aufgewachsen sind, den Kontakt zur Sprache. Für die Elterngeneration war Deutsch oft ein Tabu und wurde gemieden. Doch die heutige Jugend interessiert sich umso intensiver für die eigenen Wurzeln und die Sprache der Großeltern. Im Goethe-Institut in Jerusalem lernen aber nicht nur jüngere Israelis deutsch, die aus familiären Gründen mit der Sprache verbunden sind. Der intensive deutsch-israelische Austausch trägt - wenn auch zarte - Früchte und spornt manch jungen Israeli an, Deutsch zu lernen. Und auch Bands wie Tokio Hotel, die mit deutschen Liedtexten Jugendliche auf der ganzen Welt begeistern, oder der Kultstatus von Berlin in der modernen Kunst-, Mode- und Filmszene tragen dazu bei.

Andrea Schultens, Stand vom 01.06.2009
Sendung: Israel heute, 22.07.2008

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Bildcollage zum Thema Israel (Rechte: Mauritius und Tim Kimberley)

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