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Deutsch-israelische Beziehungen

Der Massenmord an sechs Millionen Juden während der Nazi-Zeit prägt bis heute das Verhältnis zwischen Juden und Deutschen. Entsprechend sind die deutsch-israelischen Beziehungen kompliziert und vielschichtig. "Normale Beziehungen zwischen Deutschland und Israel sind nicht möglich und nicht angemessen", so schreibt auch der bekannteste israelische Schriftsteller Amos Oz in einem Essay über Israel und Deutschland. Diese Beziehung wird immer eine "besondere" bleiben. Doch im Laufe der Jahre hat sie sich verändert und verbessert.

Ex-Bundespräsident Horst Köhler und der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert geben sich vor einer Israelflagge die Hand. (Rechte: dpa)

Staatsmänner Köhler (links) und Olmert im Dialog

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Diplomatische Beziehungen

Es ist ein historischer Moment, als sich im März 1960 der israelische Ministerpräsident David Ben-Gurion mit dem deutschen Bundeskanzler Konrad Adenauer zu einem Gespräch in New York trifft. Denn es ist das erste Treffen nach dem Holocaust zwischen Regierungschefs der beiden Länder. Die zwei älteren Herren sind sich wohlgesinnt. Mit diesem wichtigen Treffen wagen sie den ersten Schritt eines langen Weges der deutsch-israelischen Verständigung. In der zweistündigen Unterhaltung vereinbaren sie unter anderem materielle und finanzielle Unterstützung von Deutschland an Israel.

Schwarzweiß-Foto von zwei alten Männern, links schaut Ben-Gurion mit weißem, abstehendem Haar in die Kamera, rechts daneben schaut ihn Adenauer an. (Rechte: dpa)

Ben-Gurion und Adenauer 1960 in New York

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Schon 1952 hatte Adenauer zusammen mit dem israelischen Außenminister Mosche Scharett in Luxemburg das erste sogenannte "Wiedergutmachungsabkommen" unterschrieben und damit große Proteste bei der Bevölkerung hervorgerufen. In diesem Abkommen versprach Deutschland Israel die Zahlung von 3,45 Milliarden D-Mark. Einerseits sollten diese für die Integration von jüdischen Flüchtlingen und Vertriebenen in Israel genutzt werden. Andererseits wurde das Geld als eine Art Entschädigung für jüdisches Vermögen gezahlt, das den Juden von den Nationalsozialisten abgenommen worden war. Auf deutscher Seite protestierte man gegen diese Zahlungszusage ebenso wie auf jüdischer. Die eine Seite hatte Angst um ihre Finanzen, die andere war empört über diesen schmerzenden Bezug: Denn was den Juden während des Nationalsozialismus angetan worden war, konnte und kann durch kein Geld der Welt "wieder gutgemacht" werden.

Auch nach Adenauers Treffen mit Ben-Gurion im Jahr 1960 gibt es auf israelischer wie auf deutscher Seite große Proteste gegen jegliche Art der Annäherung zwischen den beiden Ländern. Doch trotz des so fragilen und belasteten Verhältnisses sowie zahlreicher Vorbehalte nehmen fünf Jahre später, am 12. Mai 1965, der Staat Israel und die Bundesrepublik Deutschland offiziell diplomatische Beziehungen auf. Adenauer und Ben-Gurion, die großen Befürworter und Initiatoren der politischen Annäherung, waren zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr im Amt. Unter der Kanzlerschaft von Ludwig Erhard beginnt 1965 Rolf Friedemann Pauls seine Arbeit als deutscher Botschafter in Tel Aviv, Israel entsendet Asher Ben Natan als ersten Botschafter nach Bonn.

Ex-Bundespräsident Johannes Rau (rechts) und der damalige israelische Botschafter in Deutschland, Shimon Stein, stehen neben einem Schild mit Logo und Namen von 'ConAct' auf Deutsch und Hebräisch. (Rechte: dpa)

2001: Einweihung des Zentrums ConAct

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Spitzenreiter bei Austauschprogrammen

Israel und Deutschland pflegen heute rege politische Kontakte. Aber nicht nur in den Botschaften und der großen Politik, auch bei Städtepartnerschaften, Bildungsreisen, Kultur- und Jugendaustausch sowie in Wissenschaft und Wirtschaft besteht ein enges Geflecht zwischen den beiden Ländern. Die Programme reichen vom Hebräischkurs in Tel Aviv über das intensive Gespräch mit Holocaust-Überlebenden bis hin zur Pilgerreise ins Heilige Land. Zahlreiche Projekte und Austauschprogramme haben ein solides Fundament für ein gutes bilaterales Verhältnis geschaffen.

Vor allem der flächendeckende Schüleraustausch ist ein erfolgreicher Weg der Annäherung zwischen Teilnehmern der beiden Länder. Denn nichts verbindet mehr, als das persönliche Kennenlernen der jeweils anderen Kultur, des Landes und vor allem der Menschen. Als wichtigste Organisation koordiniert und organisiert die 2001 auf Anregung des damaligen Bundespräsidenten Johannes Rau gegründete Organisation "ConAct" mit Sitz in Wittenberg Jugendbegegnungen zwischen Israelis und Deutschen. Israel ist - trotz oder auch wegen der großen Konflikte und der besonderen Beziehung der beiden Staaten zueinander - das Land, mit dem Deutschland mehr Kontakte als mit jedem anderen Land auf der Welt unterhält.

Eine dunkelhaarige Schauspielerin schaut auf der Theaterbühne durch einen riesigen Davidstern hindurch. (Rechte: dpa)

Israelisch-deutsche Theater-Koproduktion

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Kulturaustausch

Die Kulturgeschichte von Israel und Deutschland weist viele Überschneidungen auf. Die enge Verbindung von Christen- und Judentum, die europäischen Wurzeln des Zionismus und natürlich auch die schrecklichen Verbrechen der Deutschen während der Nazidiktatur prägen das kulturelle Geschehen zwischen den beiden Ländern. Nicht zuletzt beeinflusst den deutsch-israelischen Kulturaustausch, dass jüdische Intellektuelle sehr viel zur europäischen wie auch zur deutschen Literatur- und Geistesgeschichte beigetragen haben. Heute verbindet Israel und Deutschland eine enge kunst- und kulturbestimmte Partnerschaft. Zahlreiche Kunstwerke, Bücher und Veranstaltungen in beiden Ländern beschäftigen sich mit den Erinnerungen an den Holocaust, den die Israelis Shoah nennen.

Doch auch andere Themen und Motive der einzelnen Künstler sind präsent. Israels Jugend und aktuelle israelische Künstler sind vor allem von Berlin beeinflusst. Umgekehrt ist auch in der deutschen Hauptstadt israelische Kunst ein großes Thema. Im Jüdischen Museum in Berlin etwa war Anfang 2008 eine Ausstellung aktueller Fotografie und Videokunst aus Israel und über Israel zu sehen. Auch die aktuellen Filme von Israels jungen Filmschaffenden kommen in der deutschen Kunst- und Kulturszene extrem gut an. Denn nicht nur die "Bundeszentrale für politische Bildung" bietet 2008 erstmals eine Israel-Reise mit dem Themenschwerpunkt israelischer Film an. Auch auf der Berlinale, Deutschlands bedeutendstem internationalen Filmfestival in Berlin, haben israelische Filme einen festen Platz. 2008 wurden hier insgesamt sechs Filme von israelischen Filmemachern gezeigt, Eran Riklis gewann mit seinem Film "Lemon Tree" den Panorama-Publikumspreis.

Im Hintergrund: Mehrstöckiges Universitätsgebäude. Im Vordergrund: Innenhof mit Säulen. (Rechte: WDR)

Universität von Tel Aviv

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Kooperationen in Wissenschaft und Forschung

Israel ist ein Einwanderungsland ohne große Bodenschätze oder natürliche Ressourcen. Doch nirgends auf der Welt gibt es im Verhältnis zur Einwohnerzahl mehr Akademiker, kein anderes Land hat im Schnitt mehr Wissenschaftler und Forscher, die auf einem derart hohen Niveau eine Vorreiterrolle in der Forschung innehaben. An den sechs Universitäten des Landes, dessen Fläche nur etwa so groß wie die von Hessen ist, kooperieren zahlreiche israelische Wissenschaftler in Forschungsprojekten und Austauschprogrammen auch mit deutschen Kollegen. Auch das renommierte Weizmann-Institut in Rehovot, der "Stadt der Zitrusfrüchte", kann viele erfolgreiche Forschungskooperationen vorweisen. Israels hoher Ausbildungsstandard, die Innovationskraft, Kreativität in der Umsetzung und die unkonventionellen Lösungsansätze sind international gefragt.

Erste deutsch-israelische Forschungskooperationen gab es schon 1959, also noch vor dem Beginn der diplomatischen Beziehungen zwischen den Ländern. Heute findet man sie in nahezu allen wissenschaftlichen Disziplinen. Von Physik über Literatur bis hin zur Medizin - internationale wissenschaftliche Kooperationen bieten dem an Fläche und Einwohnerzahl kleinen Land Israel Möglichkeiten der Entfaltung. Deutschland kann der israelischen Forschung einerseits mit kompetenten Experten zur Seite stehen. Zudem ist Deutschland Mitglied der Europäischen Union. Es hat somit die Möglichkeit, im Rahmen von Kooperationen auch für Israel umfangreichere finanzielle Unterstützung in Form von Fördergeldern zu organisieren.

Nahaufnahme von fünf Orangen. Alle haben den Aufkleber 'Jaffa. 3027 Shamouti'. (Rechte: dpa)

Israels bekanntestes Exportgut: Orangen aus Jaffa .

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Hightech statt Orangen - israelisch-deutscher Handel

Nach den USA ist Deutschland im Jahr 2008 der wichtigste Handelspartner Israels. Über 6000 deutsche Unternehmen haben geschäftliche Kontakte mit israelischen Firmen. Während noch bis in die 90er Jahre Israels Exporte an Zitrusfrüchten und landwirtschaftlichen Erzeugnissen die Wirtschaft bestimmten, wurden sie mittlerweile von Hightech-Produkten abgelöst. Bei fast jedem Computer, jedem Handy kann man heute sicher sein, dass Einzelteile daraus in Israel hergestellt wurden. Landwirtschaftliche Produkte spielen bei den Exporten im Verhältnis nur noch eine untergeordnete Rolle - ausgenommen Spezialprodukte aus dem bioorganischen Bereich. Als Beispiel nennt Grisha Alroi-Arloser, der Präsident der israelisch-deutschen Industrie- und Handelskammer, technisch hochwertige Bewässerungssysteme in der Landwirtschaft: "In Israels Universitäten findet fantastische Grundlagenforschung statt", erklärt Alroi-Arloser. "Hier wird zum Beispiel eine Tropfbewässerung entwickelt, die in Zukunft weltweit dem Problem der Wasserknappheit Abhilfe schaffen könnte." Insgesamt sieht der Wirtschaftsspezialist die israelisch-deutschen Wirtschaftskontakte als gefestigt an. "Selbst Israels brisante innenpolitische Situation hat keine Auswirkungen auf den Handel", betont Alroi-Arloser. "Israels Wirtschaftsbeziehungen sind - im Gegensatz zum Beispiel zum Tourismus - sehr solide."

Andrea Schultens, Stand vom 01.06.2009
Sendung: Israel heute, 22.07.2008

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Bildcollage zum Thema Israel (Rechte: Mauritius und Tim Kimberley)

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