Bergfestung Masada
Masada war gefallen
Während des "Großen Aufstands gegen die Römer" (60 bis 70 nach Christus) war die von König Herodes gebaute Festung Masada von den Zeloten, jüdischen radikalen Widerständlern, besetzt. Nachdem die Römer Jerusalem im Jahr 70 erobert hatten, begann schließlich die Belagerung Masadas. Um nicht in römische Gefangenschaft zu geraten, verübten die knapp 1000 Eingeschlossenen kollektiv Selbstmord, berichtet der jüdische Geschichtsschreiber Flavius Josephus in seinem Buch "Die Geschichte des jüdischen Krieges". Laut dieser Überlieferung überlebten zwei Frauen und fünf Kinder, die sich in einer der vielen Zisternen versteckt hatten, den Massenselbstmord.
Hat man von der Talstation ausgehend die 400 Höhenmeter einmal überwunden (ob mit der Seilbahn oder zu Fuß über den sogenannten Schlangenpfad) und kommt oben auf dem Felsplateau an, kann man sich die Ereignisse, die sich in den Jahren 72 und 73 zutrugen und den Mythos Masada begründen, gleich lebhaft vorstellen. Von hier oben kann man die ganze Gegend wunderbar überblicken: Ringsum zu Füßen des Bergmassivs sieht man den Erdwall, der von den Römern als Umzingelung aufgeschüttet wurde. Und wie Perlen auf der Schnur liegen die steinernen Schutzwälle von insgesamt acht Truppenlagern des römischen Statthalters von Judäa, Flavius Silva. Im Westen zeigen sich die zu einer Rampe aufgeschütteten Erdschichten, über die die X. Legion die Festung schließlich stürmte.
Masada darf nie wieder fallen
Obwohl der Ort Masada und die Ereignisse, die sich 73 nach Christus dort zugetragen haben, lange in Vergessenheit ruhten und die historische Zuverlässigkeit der Berichte von Flavius Josephus umstritten ist, entfaltete seine Überlieferung eine große Wirkung. Das Bild einer heiß umkämpften Festung, umgeben von Feinden, spiegelte in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts und insbesondere in den 40er bis 60er Jahren, also in der Zeit der Staatsgründung, das Lebensgefühl vieler Israelis wieder. Im Jahr 1927 prägte der jüdische Einwanderer und Dichter Yizhak Lamdan in seinem Gedicht "Masada" die Redewendung "Masada darf nie wieder fallen", die daraufhin zum zionistischen Slogan wurde. Masada gilt als israelischer "Erinnerungsort", denn hier verdichtet sich das jüdische Selbstverständnis. Nach diesem Selbstverständnis wurden die Juden von den Römern vertrieben und warteten im Exil auf die Rückkehr in ihre historische Heimat, in das ihnen zugewiesene Land. Der Masada-Mythos der kaum einnehmbaren Festung hatte insbesondere für die israelische Armee eine hohe Identifikationskraft: Zwischen 1965 und 1991 wurden auf Masada alljährlich Rekruten vereidigt. Mittlerweile hat man dieses militärische Zeremoniell abgeschafft, aber die Identifikationskraft Masadas und der Touristenandrang sind ungebrochen.
Natalie Muntermann, Stand vom 01.06.2009








