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Welche heutige Massensportart hat einen berühmten Vorgänger aus Florenz?

Das Lieblingskind der Italiener ist der "Calcio" (italienisch für "Fußball"). Jedes Wochenende zieht es Millionen von Fans in die Stadien und Bars, die das Spiel ihrer Mannschaft verfolgen. Die täglich erscheinenden Sportzeitungen berichten ausgiebig über die Stars, die Spiele, die Mannschaften oder die Skandale und Skandälchen, die das Land erschüttern. Doch woher kommt eigentlich diese Begeisterung der Italiener für den Fußball? Zugegeben, der moderne Fußball mit seinen heutigen Regeln hat seinen Ursprung in England. Doch bereits in der Renaissance wurde in Florenz ein Spiel gespielt, das dem italienischen Fußball bis heute seinen Namen gibt: der "Calcio Storico", auch "Calcio in Costume" genannt. Mit Fußball im herkömmlichen Sinn hat dieses Spiel allerdings wenig gemein. Den Spielern der beiden Mannschaften ist alles erlaubt, um dem Gegner den Ball abzujagen und ins feindliche Tor zu bugsieren - egal mit welchem Körperteil. Dieses Szenario ähnelt eher dem britischen Rugby, bloß ohne Regeln. Das italienische Wort "calciare" heißt übersetzt auch "treten". Als unbeteiligter Zuschauer fragt man sich, ob damit eher der Ball oder der Gegner gemeint ist.

Historische Zeichnung: Sportler und Zuschauer beim mittelalterlichen Ballspiel. (Rechte: Copress Verlag)

Massentanz oder Mannschaftssport?

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Ende des 15. Jahrhunderts "erfanden" die Medici den "Calcio". Wie bei vielen Dingen in der Renaissance hat auch dieses Spiel vermutlich einen antiken Vorgänger. Schon Cäsar soll ein glühender Verfechter des römischen Spiels "Harpastum" gewesen sein, bei dem es darum ging, der gegnerischen Mannschaft einen Lederball zu entreißen. Doch erst bei den Medici wurde der "Calcio" richtig populär. An hohen Feiertagen war das Spiel stets fester Bestandteil des Programms. Die Liebe zum "Calcio" ging sogar so weit, dass die Medici, die zeitweise sogar den Heiligen Stuhl besetzten, das Spiel auf den Plätzen des Vatikans spielen ließen. Nach dem Ende der Medici-Ära im 18. Jahrhundert geriet das Spiel jedoch zunehmend in Vergessenheit.

Blick auf einen Altstadtplatz in Florenz. Im Hintergrund sind die Fassaden alter Häuser zu sehen. Im Vordergrund schwenken zwei Männer in historischen Kostümen Flaggen mit Wappen von Florentiner Stadtvierteln. Davor stehen ebenfalls in historischen Kostümen Männer mit Trommeln. Ein paar Touristen fotografieren das Spektakel. (Rechte: flickr.com/Fotografin: Tania Ho)

Der "Calcio" wird von einem festlichen Umzug begleitet

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1930 führte der faschistische Diktator Benito Mussolini den "Calcio" wieder ein. Er hatte Angst vor einer Überfremdung durch den damals in Italien bereits heiß geliebten Fußball britischer Strömung. Den modernen Fußball konnte er jedoch nicht mehr zurückdrängen, wurde Italien doch schon 1934 und 1938 Fußball-Weltmeister. Der "Calcio" wird dennoch seitdem jedes Jahr aufs Neue in Florenz ausgetragen. Die vier historischen Stadtteile San Giovanni, Santa Maria Novella, Santa Croce und Santo Spirito stehen sich dabei im Mai und im Juni auf der Piazza Santa Croce gegenüber. Gespielt wird auf Sand und in den historischen Kostümen der Renaissance. Jedes Team besteht aus 27 Spielern, die den Ball in das aufgespannte Netz des Gegners befördern müssen. Das Netz wird von jeweils vier Torhütern bewacht. Verletzte sind beim rauen "Calcio Storico" an der Tagesordnung. Das Finale wird traditionell am 24. Juni, dem Namenstag des florentinischen Schutzpatrons Johannes dem Täufer, ausgetragen.

Mittlerweile ist das historische Spektakel zu einer wahren Touristenattraktion geworden, das zwar nicht ganz so bekannt wie der "Palio", das historische Pferderennen in Siena, ist, aber dennoch immer mehr Besucher anzieht. Dem Gewinner des "Calcio" steht nicht nur die traditionelle Flagge des Siegers zu, sondern auch ein weißes Kalb. Und anschließend wird im Stadtviertel der siegreichen Mannschaft ausgiebig bis tief in die Nacht gezecht.

Tobias Aufmkolk, Stand vom 01.06.2009

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