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Das "Wunder" von Florenz

Wenn man von den umliegenden Hügeln auf die Stadt hinabblickt, dann fällt sie einem sofort ins Auge. Hoch, majestätisch, fast überdimensional thront sie über den Dächern von Florenz: die Kuppel des Doms Santa Maria del Fiore. Manchem Architekten der Neuzeit mag es immer noch wundersam erscheinen, zu welcher Zeit und mit welchen Mitteln diese riesige Kuppel erbaut wurde. Aus diesem Grund wird sie auch als "Wunder" von Florenz bezeichnet.

Blick auf das Häusermeer von Florenz. Der Dom mit der riesigen Kuppel sticht deutlich hervor, rechts daneben der Turm des Palazzo Vecchio. (Rechte: akg)

Die Kuppel überragt alle anderen Bauwerke

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Ein ehrgeiziges Projekt

Als die Florentiner 1296 mit dem Bau des Doms begannen, sollte er die Kathedralen in Pisa, Lucca und Siena an Größe und Pracht übertreffen. Im Italien des ausgehenden Mittelalters waren die Dome Ausdruck und Statussymbol für das neu gewonnene Selbstbewusstsein, die Macht und den Reichtum der Städte. Jede Stadt wollte mit ihrem Bauwerk die anderen Städte ausstechen. Aus diesem Grund sind in der Toskana so viele großartige Kirchen auf so engem Raum zu bewundern wie sonst nirgendwo auf der Welt. Die ersten 70 Jahre des Dombaus in Florenz gingen jedoch nur sehr schleppend voran. Andere Bautätigkeiten hatten zu dieser Zeit Vorrang. Erst 1367 wurden Gestalt, Maße und Größe der Kuppel von einer Kommission festgelegt. Es fehlte jedoch noch an den richtigen Ideen zur Umsetzung des Baus.

Zeichnung des Doms vom Maler Paolo Ucello aus dem 15. Jahrhundert. Der Dom ist von schräg oben in seiner vollen Ausgestaltung zu sehen. (Rechte: visipix)

Der Dom wurde schnell zum Wahrzeichen der Stadt

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Als 1418 der Rohbau des Doms endlich abgeschlossen war, ragte noch immer ein riesiges, kreisrundes Loch am Ende der Kirche in den Himmel. Aus diesem Grund schrieb die Wollweberzunft, die als Bauherr des Doms fungierte, einen Wettbewerb aus. Hier setzte sich der kühne Architekt Filippo Brunelleschi durch, der als einziger ein Konzept vorgelegt hatte, das auch in die Tat umzusetzen war. Dennoch dauerte es noch zwei Jahre, bis nach endlosen Diskussionen mit dem Bau der Kuppel begonnen wurde. Brunelleschi warf die ursprünglichen Pläne, was den vorgesehenen mittelalterlichen Baustil der Kuppel betraf, vollkommen über den Haufen. Er hatte bereits früh in Rom die Bauwerke antiker Architekten studiert, unter anderem auch die Kuppel des Pantheons. Die Kuppel des Doms in Florenz sollte sich nach diesen antiken Vorbildern richten. Ein Problem bestand jedoch dabei: Die Kuppel sollte viel größer werden, als alle bis dato bekannten Rundgewölbe.

Großaufnahme einer Statue von Filippo Brunelleschi in einer Nische der Domfassade von Florenz. Brunelleschi sitzt, schaut nach oben und schreibt etwas auf ein Blatt Papier. (Rechte: flickr.com/Fotograf: Manuele Perotti)

Brunelleschi ist in der Domfassade verewigt

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Seiner Zeit voraus

Der 1377 als Sohn eines Notars geborene Brunelleschi sollte eigentlich in die Fußstapfen des Vaters treten. Doch der junge Filippo wollte lieber Künstler werden. Er machte eine Ausbildung als Goldschmied und schuf schon früh einige beeindruckende Arbeiten. Da ihn die Tätigkeit als Goldschmied nicht ausfüllte, beschäftigte er sich nebenbei mit der Mathematik, Geometrie und Statik. Er konstruierte Kräne, Gerüste und Aufzüge, und machte Experimente mit Baumaterialien wie schnell härtendem Mörtel. Nebenbei erfand er auch die zentralperspektivische Projektion, das heißt die wissenschaftlich exakte Darstellung eines dreidimensionalen Raums auf einer Fläche. All diese Fähigkeiten kamen ihm beim Bau der Kuppel zugute.

Normalerweise wurden zur damaligen Zeit freischwebende Gewölbe mittels eines Lehrgerüstes gebaut, das bis zum Schluss das gesamte Gewicht des Gewölbes tragen musste. Bei einer Kuppel dieser Größenordnung war aber von Anfang an nicht klar, ob ein Gerüst dieses Gewicht überhaupt tragen konnte. Zudem wäre die Herstellung eines solchen Gerüstes extrem teuer gewesen. Also führte Brunelleschi statische Berechnungen durch, wie die Kuppel sich selbst tragen konnte. Bis heute weiß man nicht genau, wie er das gemacht hat. Aus Angst vor geistigem Diebstahl durch seine Konkurrenten hat Brunelleschi Zeit seines Lebens keine Pläne hinterlassen, sondern alles im Kopf gerechnet.

Geniale Konstruktion in luftiger Höhe

Man kann jedoch noch das Prinzip erkennen, nach dem der geniale Architekt die Kuppel gebaut hat. Mit Hilfe beweglicher, in der Höhe angebrachter Gerüste ließ er unter Verwendung eines Fischgrätmusters ein ringförmiges Mauerwerk anlegen. Der nächste Mauerring wurde mit eingebauten senkrechten Haken aufgehängt. Jede nachfolgende Schicht wurde so geschickt mit den anderen verbunden, dass sie ihr Eigengewicht tragen konnte. Um die Innenkuppel vor der Witterung zu schützen, ließ Brunelleschi zusätzlich noch eine äußere Kuppel errichten. Nach 16 Jahren Arbeit in luftiger Höhe war der Ring dann komplett geschlossen und die Kuppel wurde feierlich eingeweiht. Mit einem Innendurchmesser von 41,5 Metern war die Kuppel das größte selbsttragende Gewölbe seiner Zeit. Mit dem Bau der Kuppel hat sich Filippo Brunelleschi, der aufgrund seiner kühnen, an der Antike ausgerichteten Entwürfe auch als erster Architekt der Renaissance gilt, selbst ein Denkmal gesetzt.

Tobias Aufmkolk, Stand vom 01.06.2009

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