Rom - Die ewige Stadt
Zeit des Niedergangs
Wer die italienische Millionenmetropole heute sieht, kann sich nur schwer vorstellen, dass ihre bald 3000-jährige Geschichte lange Zeit gar nicht so ruhmreich war. Roms Niedergang begann spätestens, als Kaiser Konstantin 330 nach Christus seinen Sitz nach Konstantinopel verlegte. Vorbei die Zeit, in der Roms Herrscher ihre Macht durch prunkvolle Gebäude und gigantische Wettkämpfe demonstrierten. Die Stadt wurde in den darauf folgenden Jahrhunderten von einfallenden Völkern belagert und geplündert. Das Jahr 476 war nur das formelle Ende des Weströmischen Reichs, nachdem der letzte Kaiser abgedankt hatte. Bis zum Mittelalter ging die Bevölkerung nach Angriffen und Verwüstungen durch Langobarden, Sarazenen und Normannen auf circa 20.000 Menschen zurück. Zerstört wurden nicht nur viele antike Gebäude, sondern auch ein Großteil der römischen Aquädukte.
Hauptstadt des Kirchenstaates
Neuen Glanz erhielt die Stadt durch die Kirche: Rom wurde zur Hauptstadt des Kirchenstaates, der 756 entstand. Die Ländereien der Kirche erstreckten sich bald über große Teile Mittelitaliens. Die Päpste erhoben damit Anspruch auf eine unabhängige geistliche und weltliche Landesherrschaft. Gleichzeitig wurde die Stadt Rom zu einem der wichtigsten Wallfahrtsorte der Christenheit.
Das Stadtbild selbst wandelte sich erst in Renaissance und Barock stark - wichtige Perioden in der Geschichte Roms. Zahlreiche Kirchen, die bis heute erhalten sind, wurden in dieser Zeit erbaut. Die größte und prächtigste darunter ist der Petersdom. Breite Straßenzüge, die den Blick freigeben auf verspielte Brunnen, auf Plätze und Paläste, entstanden in dieser Epoche. Berühmtes Beispiel dafür ist die lang gestreckte Piazza Navona mit ihrem Vier-Ströme-Brunnen von Bernini (1651) und der barocken Kirche S. Agnese in Agone im Zentrum der Altstadt. Auch der Park der Villa Borghese auf einer der Anhöhen Roms wurde im 17. Jahrhundert angelegt, mit schönen Brunnen, einem See und einer Pferderennbahn, dem Galoppatoio.
Hauptstadt des neu geeinten italienischen Staates
1870 gelang die Wiedervereinigung zum Königreich Italien. Vittorio Emanuele II. wurde erster König, Rom ab 1871 Hauptstadt des neu geeinten italienischen Staates. Der Kirchenstaat und die jahrhundertelange Herrschaft der Päpste waren damit beendet. Zu Ehren Vittorio Emanueles II. erbaute man das Nationaldenkmal Vittoriano an der belebten Piazza Venezia. Die “Schreibmaschine“, wie das monumentale Denkmal wegen seiner Form auch spöttisch genannt wird, steht für die wiedergewonnene Macht des italienischen Staates gegenüber der Kirche.
Erst 1929, ausgerechnet unter dem wenig frommen Benito Mussolini, klärte sich das schwierige Machtverhältnis zwischen Papst und italienischem Staat. In den so genannten Lateranverträgen beschränkte sich die römisch-katholische Kirche auf die Vatikanstadt als weltliches Territorium. Mussolini verewigte sich auch in Roms Architektur, sein Traum von Größe und Macht ist deutlich im Stadtbild zu erkennen. Bestes Beispiel dafür ist die pompöse Prachtstraße “Via della Conciliazione“, die ab 1936 gebaut wurde. Für diese “Straße der Versöhnung“ wurde eine 100 Meter breite Schneise durch das Stadtviertel Borgho geschlagen - eine Straße als Symbol für die Aussöhnung zwischen Papst und italienischem Staat. Auf Mussolinis Konto geht außerdem das Viertel E.U.R.
(Esposizione Universale di Roma), das zur Weltausstellung 1942 geplant wurde. Die Ausstellung fand wegen des Krieges nicht statt - viele der Gebäude wurden deshalb nie oder erst in den 50er Jahren vollendet. Was von den Plänen realisiert wurde, zeigt faschistischen Größenwahn: gewaltige Hallen, glatte Marmorfassaden und monumentale Architektur. Mittlerweile zieht es viele Römer in diesen Vorort, mit seinen großen Grünanlagen ist E.U.R. ein beliebtes Wohngebiet geworden.
Das Rom der Moderne
Dass Rom auch Moderne bedeuten kann, ist im denkmalgeschützten historischen Zentrum natürlich schwer zu erkennen. Bauten des 20. und 21. Jahrhunderts wurden hauptsächlich in den Außenvierteln Roms errichtet. Nördlich des Zentrums steht beispielsweise Renzo Pianos futuristisches Auditorium "Parco della Musica", ein 2002 eingeweihtes Konzerthaus und Kulturzentrum, für das "neue Rom".
Heute ist Rom eine pulsierende Metropole mit knapp drei Millionen Einwohnern, die sich auf 19 Stadtviertel verteilen. Größtes Kapital von Rom ist sein Status als Hauptstadt Italiens und seine fast 3000-jährige Geschichte - das einzigartige Weltkulturerbe ist Anziehungspunkt für Besucher aus der ganzen Welt.
Roms kulturelles Erbe bringt gleichzeitig erhebliche Schwierigkeiten mit sich. Wie schwer es ist, aus der "Ewigen Stadt" eine moderne Großstadt zu machen, zeigt sich am Bau einer dritten und dringend notwendigen U-Bahn-Linie. Bei diesem Vorhaben stoßen die Planer immer wieder auf unterirdische Schätze der Vergangenheit und damit auf den Widerstand der Behörden. So kann es sein, dass ein flächendeckendes Metronetz in Rom noch lange auf sich warten lässt - vielleicht auch ewig!
Claudia Heidenfelder, Stand vom 01.06.2009







