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Restaurateure in Rom

Rom ist ein Steinbruch der Geschichte. Jedes Gebäude, jede Inschrift, jedes Möbelstück zeugt wie ein Mosaikstein von der jahrtausendealten Vergangenheit. Doch Autoabgase, Luftverschmutzung und der Zahn der Zeit nagen an den alten Gemäuern. Der Putz bröckelt. Rom ist ständig renovierungsbedürftig. 1979 schlugen die Archäologen Alarm. Analysen bestätigten, dass Roms Marmor und anderes Baugestein vom Smog weniger Jahrzehnte weitgehend zerfressen war. Chemische Prozesse verwandelten die Oberfläche des Marmors in Gips. Um die Situation zu entschärfen, wurden im Zentrum verkehrsberuhigte Zonen ausgewiesen.

Deckengemälde in der Sixtinischen Kapelle (Rechte: Mauritius)

Die Deckenfresken waren vergilbt

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Die Staatsregierung beschloss umfassende Restaurierungen und stellte Milliarden von Lire für die Rettung des alten Rom bereit. Bis zum Heiligen Jahr 2000 sollte Rom wieder in altem Glanz erstrahlen. Die Gelder flossen in unzählige Projekte, kaum ein antikes Denkmal blieb ohne Baugerüst. Ein ganzes Heer von Restaurateuren war und ist ständig damit beschäftigt, die alten Kunstwerke zu erneuern: Stuckateure, Bildhauer, Schreiner und Maler machen sich an Gebäuden, Inschriften und Interieurs zu schaffen.

"Roma velata" – das verhüllte Rom

Um Titusbogen, Saturntempel oder die Säulen des Marc Aurel vor dem sicheren Verfall zu retten, verschwanden sie lange Zeit hinter Gerüsten und grünem Kunststoffgewebe. Die Sanierungs- und Konservierungsmethoden wechselten von Bauwerk zu Bauwerk. Wieder entdeckt wurde die Behandlung mit einem Brei aus gebranntem Kalk und fettarmer Kuhmilch. Diese Mischung war schon im Altertum bekannt, denn die Kalkmilch eignet sich besonders gut dazu, den Untergrund zu festigen und Risse zu kitten. Die vergilbten Deckenfresken der Sixtinischen Kapelle säuberte man mit einem Mittel, welches das "Istituto Centrale per il Restauro“ (Institut für Restaurierungen) neu entwickelt hatte. Schlimm gelitten hatten auch die berühmten Reliefs an der Trajanssäule. Mit ihrer Restaurierung begannen Spezialisten im Jahr 1979. Millimeter um Millimeter reinigten sie das Kunstwerk mit atomisierten Wassernebeln. Langsam, aber sicher wurden die Bildfolgen und Inschriften wieder sichtbar und konnten neu versiegelt werden.

Blick auf den Trevi Brunnen (Rechte: AKG)

Der größte Brunnen Roms

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Königreich des Ozeans

Anfang der 90er Jahre wurde sorgsam Roms größter Brunnen restauriert, die "Fontana di Trevi". Papst Clemens XII. hatte 1732 den Auftrag für das pompöse Wasserspiel an den Architekten Nicola Salvi gegeben. Der schuf sein barockes Meisterwerk an einer Front des Palazzo Poli. Dadurch entstand eine Konstruktion monumentaler Größe: Meeresgott Neptun, umgeben von Rossen und Tritonen, stellt das "Königreich des Ozeans“ dar. Im Zuge der Restaurierung wurde die Fassade komplett hergerichtet. Wasserleitungen und -becken wurden grundlegend erneuert, die alten Inschriften neu vergoldet. Seit einigen Jahren strahlt die "Fontana di Trevi" wieder in alter Pracht. Täglich bewundern Tausende von Touristen das sprühende Spektakel und werfen Münzen ins Becken - in der Hoffnung auf Wiederkehr.

Kulturelles Erbgut

Nach Auffassung der wichtigsten Kunstexperten unternimmt die Stadt immer noch zu wenig gegen den Verfall. Das Problem liegt hauptsächlich in der Quantität der Aufgaben: In Rom gibt es so viele erhaltenswerte Kunst- und Kulturgüter, dass man ihre Instandhaltung kaum finanzieren kann. Nach Schätzungen der Unesco befinden sich 65 bis 70 Prozent des Weltkulturerbes in Italien. Darunter fällt auch das gesamte historische Zentrum von Rom.

Ausschnitt aus: Die Erschaffung Adams von Michelangelo (Rechte: AKG)

Die ursprünglichen Farbentraten wieder zutage

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Die Restaurierung der Sixtinischen Kapelle

Himbeerrot, himmelblau und sonnengelb - Michelangelo Buonarotti liebte es bunt. Die wahre Farbenpracht der Sixtinischen Kapelle wurde jedoch erst Anfang der 1990er Jahre enthüllt. Nach knapp zehnjähriger Arbeit war die Restaurierung des Deckenfreskos fertig und brachte ein knallig- statt gedecktfarbenes Meisterwerk zum Vorschein. Die Kunstwelt stand Kopf. Viele Kunsthistoriker waren geschockt oder peinlich berührt. Jahrhundertelang hatte man die düsteren und mystisch verschatteten Gemälde Michelangelos bewundert und beschrieben. Vor allem der New Yorker Universitätsprofessor James Beck geriet in Rage und sprach von einem "Tschernobyl der Kunstgeschichte". „Schändung, Frevel, unwiederbringliche Zerstörung“ riefen andere.

Dabei hatte das Team um Chefrestaurator Gianluigi Colalucci nur freigelegt, was Jahrhunderte lang unter einer Patina von Kerzenruß und Weihrauch verschwunden war. Regenwasser hatte das Gewölbe der Sixtina ebenfalls beschädigt. Gar nicht zu reden von den gut gemeinten Restaurierungsversuchen der Vergangenheit, in denen das nackte Fleisch von 38 Figuren unter den "braghe", sittsam aufgemalten Höschen, verschwand. Mit erheblichem wissenschaftlichem Aufwand war schon in den 70er Jahren vom "Istituto Centrale per il Restauro" ein neues Reinigungsmittel entwickelt und erprobt worden: "AB 57" ist eine Paste, die unter anderem aus Ammonium- und Natrium-Bikarbonat besteht. Mit dieser rückte die vatikanische Putzkolonne dem berühmten Deckengemälde zu Leibe. Stück für Stück förderten die Restauratoren die ursprünglichen Farben zutage. Und die waren unerwartet hell - so wie die Aufregung, die sie verursachten.

Claudia Heidenfelder, Stand vom 01.06.2009

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