Das Stadtviertel Testaccio
Zu Füßen des Monte Testaccio an der Ostseite des Tiber liegt das gleichnamige Stadtviertel Testaccio. Ein bisschen abseits vom historischen Zentrum wirkt das ursprüngliche Viertel wie ein Dorf mitten in der Großstadt.
Früher war das Viertel Testaccio ein Außenbezirk von Rom. Bekannt war es vor allem für seine Schlachthöfe, bei denen die meisten Testaccini beschäftigt waren - ein Arbeiterviertel. Verantwortlich wurde das Viertel so für eine ganze Reihe römischer Spezialitäten: Weil die Metzger und Arbeiter der Schlachthöfe schlecht verdienten, fand man sie zusätzlich mit Naturalien ab. Sie wurden mit dem sogenannten “quinto quarto“, dem fünften Viertel vom Schlachtvieh bezahlt. Das waren meist die weniger wertvollen Innereien. So haben sich dort viele römische Rezepte entwickelt, zum Beispiel "trippa alla romana" (Kutteln in Tomatensauce) oder "Coda alla vacinara" (Ochsenschwanzragout).
Markus Nikel, freier Journalist in Rom, lebte selbst eine Zeit lang im Testaccio. Mit den Gerichten des "quinto quarto" kennt er sich daher aus: Ganz Hartgesottenen empfehle ich "rigatoni alla pajata" zu probieren!" Das Gericht hat er selbst allerdings nur einmal gegessen, bevor er über die Bestandteile aufgeklärt wurde. Es handelt sich dabei um Nudeln mit einer Tomatensoße, in der kleine Stücke Kalbsdarm gebraten sind. "Da ist auch noch die Milch, die das Kalb getrunken und zum Teil verdaut hat, drin. Trotzdem, wenn man’s nicht weiß, schmeckt’s lecker!"
Von den ehemaligen Schlachthöfen übrig geblieben sind die großen Industriebauten. Heute werden sie vor allem kulturell genutzt, zum Beispiel für Konzerte, Ausstellungen oder Festivals im Sommer. In ihren Räumen ist auch ein Museum für zeitgenössische Kunst zu finden, das “Macro al Mattatoio“. Einen Besuch wert ist außerdem der Markt, auf dem Fisch und viel frisches Gemüse gehandelt werden. Die meisten Bewohner von Testaccio sind stolz auf ihr Viertel und lieben das Leben unterhalb des Trümmerbergs. Denn Scherben bringen ja bekanntlich Glück!
Claudia Heidenfelder, Stand vom 01.06.2009





