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Malta

Aufgrund seiner besonderen strategischen Lage im Mittelmeer war Malta Jahrhunderte lang Spielball unterschiedlicher Nationen. Diese wechselhafte Geschichte zwischen Orient und Okzident hat Malta zu einer ganz besonderen Nation gemacht. Wohl auch deshalb ist Malta ein beliebtes Ziel für Touristen. Denn neben Sommer und Sonne hat die Insel viel Kultur zu bieten.

Blick auf eine alte Stadt auf einem Hügel, die von Kirchtürmen überragt wird. (Rechte: WDR/Hackenberg)

Die Stadt Mdina im Zentrum der Insel

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Land und Leute

Der Inselstaat Malta besteht aus der Hauptinsel Malta und den Nebeninseln Gozo, Comino sowie den unbewohnten Eilanden Cominotto, Filfla und St. Pauls. Von 316 Quadratkilometern Gesamtfläche entfallen 247 Quadratkilometer auf die Hauptinsel. Damit ist Malta etwa halb so groß wie Hamburg. Die Inselgruppe liegt 93 Kilometer südlich von Sizilien, 320 Kilometer östlich von Tunesien und 350 Kilometer nördlich von Libyens Haupstadt Tripolis. Alle maltesischen Inseln sind felsig, die Hauptinsel ist ein auf 260 Meter ansteigender Höhenzug aus Kalktstein. Die steil abfallenden, zerklüfteten Küsten im Süden und Südwesten sind nahezu unzugänglich. Zwischen den Felsen gibt es aber ein paar malerische kleine Buchten, die zum Baden einladen Hügel und flachere Landstriche sind im Norden und Nordosten zu finden. Die Küste dort hat viele Buchten mit schönen Sandstränden. Auf Malta leben etwa 385.000 Einwohner, 10.000 von ihnen in der Hauptstadt Valetta. Mehr als 97 Prozent der Bevölkerung sind römisch-katholisch. Die Landessprache ist Maltesisch, zweite Amtssprache ist Englisch. Zudem sprechen viele Malteser Italienisch.

Früh besiedelt und stets umkämpft

Durch archäologische Grabungen und Höhlenforschungen ist eine Besiedlung Maltas schon vor mehr als 7000 Jahren belegt. Die Überreste der steinzeitlichen Kultur sind auch heute noch sehr gut erhalten. Die maltesischen Tempelanlagen, die teilweise über 6000 Jahre alt sind, gelten als die älteste Megalitharchitektur (Großsteinarchitektur) der Welt. Die Tempel von Tarxien und Hagar Qim sind die bekanntesten der rund 30 Anlagen. Um 1000 vor Christus besiedelten die Phönizier Malta und bauten es zu einem Handelszentrum aus. Während des zweiten punischen Krieges eroberten 218 vor Christus die Römer die Insel. Unter der Herrschaft Roms blühte Malta auf. Honig, Wein, Rosen und feines Leinen machten die Insel berühmt.

Im Jahr 60 nach Christus soll das Schiff des Apostel Paulus vor der Küste Maltas Schiffbruch erlitten haben. Er bekehrte viele Bewohner zum Christentum und wurde der Schutzpatron von Malta. Die Sarazenen (Araber) eroberten 869 die maltesischen Inseln. Von ihrer über 200-jährigen Herrschaft zeugen Spuren im Baustil und in der Sprache. 1090 übernahmen die Normannen, die schon große Teile Süditaliens unterworfen hatten, auch die Herrschaft über Malta. Sie gaben den Maltesern die weiß-rote Nationalflagge und errichteten die Kathedrale der damaligen Hauptstadt Mdina sowie zahlreiche andere Kirchen.

Das Bild zeigt die Feierlichkeiten: Leben in Zeiten der maltesischen Ritter. Im Vordergrund stehen Männer in historischen Kostümen. Im Hintergrund ist die Fassade der Kathedrale in Mdina zu sehen. (Rechte: EPA PHOTO/LINO ARRIGO AZZOPRADI)

Historische Feste gehören auf Malta zur Tradition

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Niedergang und Wiederaufstieg

Von 1284 bis 1530 herrschte Spanien über Malta. In dieser Zeit verkümmerten die Inseln wirtschaftlich und kulturell. Kaiser Karl V. überschrieb im Jahr 1530 die Inseln auf den aus Rhodos vertriebenen Ritterorden der Johanniter. Sie bauten Malta zur uneinnehmbaren Festung aus, regierten 268 Jahre lang und gingen als die "Malteser Ritter" in die Geschichte ein. Unter ihrer Herrschaft wurde Malta eines der führenden Kulturzentren Europas. 1565 gelang es den Johannitern unter ihrem Großmeister Jean Parisot de la Valette, ein türkisches Invasionsheer in die Flucht zu schlagen. Der gleiche Großmeister gab auch der heutigen Hauptstadt Valetta ihren Namen.

Napoleon Bonaparte besetzte 1798 Malta und beendete die Herrschaft der Johanniter. Nur zwei Jahre später wurden die Franzosen von den Briten vertrieben, die sich Malta 1814 endgültig als Kronkolonie einverleibten. In der Folgezeit erlebte Malta unter den Briten einen großen wirtschaftlichen Aufschwung. In den beiden Weltkriegen hatten die Inseln schließlich eine wichtige strategische Bedeutung als Flottenstützpunkt. Erst 1964 wurde Malta nach langem Kampf innerhalb des Commonwealth unabhängig. 10 Jahre später wurde Malta dann eine komplett eigenständige Republik.

Auf dem Bild ist ein zweistöckiges, reich verziertes Gebäude mit grünen Fensterläden an einer großen Kreuzung zu sehen. (Rechte: Fremdenverkehrsamt Malta)

Der Amtssitz des Premierministers

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Steiniger Weg nach Europa

Das Parlament der Republik Malta hat 65 Abgeordnete. Die derzeitige (2008) Regierungspartei ist die Partitt Nazzjonalista (PN), in der Opposition befindet sich die Malta Labour Party (MLP). Unter den Parteien existiert kein Konsens über die EU-Politik. Bereits 1990 wurde der erste Antrag auf Aufnahme in die EU gestellt. Als im Jahr 1996 die sozialistische Labour-Partei die Wahlen gewann, brach deren Vorsitzender Alfred Sant die Beitrittsverhandlungen ab. 2003 stimmten dann 53,6 Prozent der Wähler bei einem Referendum für die EU-Mitgliedschaft. Die anschließenden Neuwahlen im April 2003 konnten die EU-Befürworter für sich entscheiden, seit dem 1. Mai gehört der Inselstaat formell zur Europäischen Union.

Gemessen an Bevölkerung und Fläche ist Malta der kleinste Mitgliedsstaat der EU. In der Hauptstadt Valetta bezeichnet man Malta gerne als die Schweiz des Mittelmeeres. Dies bezieht sich auf eine historisch neutrale politische Position zwischen Europa und Nordafrika. Obwohl die Malteser sich für die Mitgliedschaft in der EU entschieden haben, bestehen jedoch auch weiterhin beste Kontakte zu nordafrikanischen Staaten wie Libyen oder Tunesien.

Ein junger Mann in einer Produktionshalle sitzt vor einem Computermonitor und setzt elektronische Bauteile zusammen. (Rechte: EPA PHOTO/LINO ARRIGO AZZOPRADI)

Unternehmen auf Malta setzen auf Hightech

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Blühende Wirtschaft

Dank der geographisch günstigen Lage Maltas sind die Häfen von Valetta - einer der größten Naturhäfen der Welt - und von Marsaxlokk an der Südostküste der Hauptinsel zu wichtigen Warenumschlagplätzen geworden. Maltas Schiffsregister ist eines der größten der Welt. Etwa 200 ausländische Firmen sind auf Malta vertreten, unter anderem zahlreiche Hightech-Unternehmen aus der Telekommunikations-Branche. Möglich wurde dies durch günstige Steuersätze und niedrige Mieten. Ein Drittel der Unternehmen kommt aus Deutschland. Fast ein Viertel des Bruttoinlandproduktes (BIP) bringt der Tourismus mit etwa elf Millionen Hotelübernachtungen pro Jahr ein. Eine echte Nische sind dabei die Sprachkurse, die auch in der Nebensaison die preiswerten Hotels füllen. Die durch Tourismus erwirtschafteten knapp 550 Millionen Euro können sich sehen lassen. Malta hat damit mit dem 80 Mal größeren Sizilien gleichgezogen. Insgesamt gehört das Pro-Kopf-Einkommen Maltas mit etwa 11.000 Euro zu den höchsten im gesamten Mittelmeerraum.

Ein kleiner mit Büschen und Sträuchern begrünter Berg. Im Vordergrund steigen terrassenartige Flächen zum Hügel an. (Rechte: EPA PHOTO/LINO ARRIGO AZZOPRADI)

Auch die Landschaft auf Malta hat ihre Reize

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Karge Landschaft

Zu Zeiten der Phönizier war die Insel noch stark bewaldet. Der Schiffsbau und Baumwollanbau haben die Wälder jedoch stark dezimiert. Die allgemeine Wasserknappheit lässt dazu keinen üppigen Bewuchs zu. Durch höhere Niederschläge in den Wintermonaten wachsen auf einigen kargen Felsen bunte Blütenteppiche. Ansonsten dominieren Trockenspezialisten wie Agave, Feigenkaktus, Kapernbaum und Johannisbrotbaum.

Auf dem Land sind in freier Wildbahn nur Kleintiere und Vögel zu finden. Der legendäre Malteserfalke existiert schon lange nicht mehr. Zahlreiche Zugvogelarten machen auf ihrem Weg nach Süden auf Malta einen Zwischenstopp. Viele werden dabei Opfer schießwütiger Hobbyjäger. Für Taucher ist Malta ein wahres Paradies, denn das Meereswasser rund um die Insel gehört zum klarsten und saubersten des Mittelmeers. Die Sichtverhältnisse sind in Tiefen bis zu 30 Metern ausgezeichnet. In Höhlen und Schiffswracks, an Riffen und Sandbänken bietet die Meeresfauna und -flora alles, was das Taucherherz begehrt. Hier finden sich sogar noch Fische, die im restlichen Mittelmeer kaum noch anzutreffen sind.

Kerstin Eva Dreher, Stand vom 01.06.2009

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Bildcollage zum Thema Malta (Rechte: unbekannt)

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