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Berlin - Aufbruch nach dem Mauerfall

Wahrscheinlich wird das neue Berlin niemals fertig werden. Kein Wunder: 28 Jahre lag die Umgebung der Mauer, die mitten durch die Stadt ging, brach. Außerdem wurden vor allem im Ostteil der Stadt viele Gebäude einfach ihrem Schicksal überlassen - und sahen 1989 dementsprechend aus. Seit dem Mauerfall ist in der deutschen Hauptstadt architektonisch enorm viel passiert: Zahlreiche Viertel haben völlig neue Gesichter bekommen oder sind gar neu entstanden, alte geschichtsträchtige Gebäude wurden komplett saniert - oder werden wieder aufgebaut.

Figur eines stehenden goldfarbenen Bären. (Rechte: WDR/ddp)

Das Berliner Wappentier, der Bär

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Berlin ist wieder Hauptstadt

Als am 29. September 1990 der "Vertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik über die Herstellung der Einheit Deutschlands" in Kraft tritt, wird damit nicht nur die Wiedervereinigung Deutschlands zum 3. Oktober 1990 besiegelt - sondern auch die Vereinigung West- und Ostberlins zu einem Bundesland. Außerdem ist Berlin von nun an wieder Hauptstadt. Allerdings sitzen Bundestag und Bundesregierung zunächst weiterhin in Bonn. Nach einer teils hitzigen öffentlichen Diskussion beschließt der Bundestag am 20. Juni 1991, den Parlaments- und Regierungssitz langfristig nach Berlin zu verlegen - eine Entscheidung, die Anstoß für viele architektonische Veränderungen besonders im Zentrum der Hauptstadt ist.

Das Bild zeigt mehrere Wolkenkratzer bei Nacht. (Rechte: ddp)

New York? Nein, Berlin, Potsdamer Platz

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Die größte Baustelle Europas

Nach knapp 30 Jahren Teilung liegen viele Gebiete nahe der Mauer brach; zahlreiche Gebäude im Ostteil der Stadt sind sanierungsbedürftig. Der Potsdamer Platz, in den 1920er Jahren der verkehrsreichste Knotenpunkt Europas, und seine Umgebung sind ein trister Ort. Infolge von Kriegs- und Nachkriegszerstörungen ist hier eine riesige Brachfläche entstanden. Und bis zur Wiedervereinigung hat sich nichts getan, da das Gebiet auf der Grenzlinie dreier Besatzungszonen gelegen hat. Nun soll Berlins bekanntester Platz endlich ein neues Gesicht bekommen, weshalb die Stadt einen Architekturwettbewerb ausschreibt. Am 6. September 1992 wird der italienische Architekt Renzo Piano zu dessen Sieger erklärt und mit der Umgestaltung des etwa 125.000 Quadratmeter großen Areals beauftragt.

In den folgenden Jahren ist der Potsdamer Platz die größte Baustelle Europas, wenn nicht gar der Welt. Es entsteht ein Viertel aus Büro- und Wohnkomplexen sowie Hotels, die zum Teil amerikanisch anmuten. Das bekannteste Ensemble ist das Sony-Center. Es besteht aus mehreren Gebäuden, die um eine überdachte öffentliche Piazza gruppiert sind. Das Center umfasst verschiedene Freizeitangebote sowie das Filmmuseum Berlin. An vergangene Zeiten erinnern zwei in den Komplex integrierte denkmalgeschützte Räume des einstigen Grandhotels Esplanade, das während der "Goldenen Zwanziger" zu den exklusivsten Hotels der Stadt zählte.

Das Bild ist eine Luftaufnahme des Reichtagsgebäudes und zweier weiterer Gebäude des neuen Regierungsviertels in Berlin. (Rechte: dpa)

Das Regierungsviertel direkt an der Spree

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Das "Band des Bundes" entsteht

Wie für die Neugestaltung des Potsdamer Platzes wird auch für das neue Regierungsviertel ein Wettbewerb ausgerufen, den der Berliner Architekt Axel Schultes gemeinsam mit seiner Büropartnerin Charlotte Frank gewinnt. Ihr etwa 900 Meter langes "Band des Bundes" im Spreebogen - auf beiden Seiten des Flusses - umfasst den Kanzlerpark, das Bundeskanzleramt, das Paul-Löbe-Haus für die Parlamentssauschüsse, das Marie-Elisabeth-Lüders-Haus (Bibliothek und wissenschaftlicher Dienst) sowie das Jakob-Kaiser-Haus für Abgeordnete. Für das Bundeskanzleramt erhalten Schultes und Frank 2003 den Deutschen Architekturpreis. Die weiteren Gebäude des neuen Regierungsviertels werden nach Entwürfen anderer Architekten realisiert; die Bauarbeiten dauern von 1997 bis 2003.

Das Bild zeigt den mittleren Teil des Berliner Reichstags mit seiner Kuppel. (Rechte: dpa)

Architekt Foster war gegen die Kuppel - die Politik setzte sich durch

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Eine Kuppel für den Reichstag

Bereits vor Baubeginn des neuen Regierungsviertels ist mit der Neugestaltung des Reichstagsgebäudes begonnen worden - dort hat ab 1999 der Deutsche Bundestag seinen Sitz. Das Ende des 19. Jahrhunderts entstandene Gebäude war im Zweiten Weltkrieg teilweise zerstört und zwischen 1957 und 1972 ohne Kuppel und zahlreiche Schmuckelemente wieder aufgebaut worden. Nach einem Entwurf des britischen Architekten Norman Foster wird der Reichstag von 1991 bis 1999 erneut restauriert. Ursprünglich hat auch Foster keine Kuppel für das Dach geplant, er spricht sich sogar ausdrücklich dagegen aus. Doch die Bundestagsabgeordneten wollen keinen Reichstag ohne Kuppel. Also muss der britische Architekt seine Pläne überarbeiten. Am 8. Mai 1995 stellt er seinen endgültigen Entwurf für eine gläserne, begehbare Kuppel vor, dem die Abgeordneten zustimmen.

Im gleichen Jahr realisiert das Künstlerpaar Christo und Jeanne-Claude sein Projekt "Verhüllter Reichstag" ("Wrapped Reichstag"), das es seit 1971 geplant hat. Vom 24. Juni bis zum 7. Juli 1995 ist das Reichstagsgebäude vollständig mit silbernem, feuerfestem Gewebe verhüllt und mit blauen, rund drei Zentimeter starken Seilen verschnürt. Fünf Millionen Besucher bestaunen das Kunstwerk; die große internationale Resonanz macht das Reichstagsgebäude weltweit bekannt.

Das Bild zeigt das Brandenburger Tor von der Ostseite. (Rechte: Interfoto)

Früher Grenze zwischen Ost- und Westberlin

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Umzug von Bonn nach Berlin

Die erste Sitzung des Deutschen Bundestags im neu gestalteten Reichstagsgebäude findet am 19. April 1999 statt; der Bundesrat folgt dem Parlament in die Hauptstadt. Mit der Fertigstellung des neuen Bundeskanzleramts im Mai 2001 ist der Umzug des Bundestags und der Bundesregierung von Bonn nach Berlin offiziell abgeschlossen. Inzwischen hat auch die Restaurierung des bekanntesten Wahrzeichens der Stadt, des Brandenburger Tores, begonnen. Am 3. Oktober 2002 wird hier der Tag der Deutschen Einheit gefeiert und das Brandenburger Tor nach zwei Jahren Restaurierung feierlich enthüllt.

Nur wenige Meter entfernt entsteht zwischen 2003 und 2005 das "Denkmal für die ermordeten Juden Europas", das heute Holocaust-Mahnmal genannt wird. Es besteht aus einem welligen Feld von unterschiedlich großen Betonsäulen (Stelen) und einem unterirdischen Dokumentationszentrum. Entworfen hat es der US-amerikanische Architekt Peter Eisenman.

Luftaufnahme des Berliner Hauptbahnhofes. (Rechte: dpa)

Der Hauptbahnhof wurde von Meinhard von Gerkan entworfen

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Neuer Hauptbahnhof - altes neues Stadtschloss

Kurz vor Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland wird nach achtjähriger Bauzeit am 26. Mai 2006 der neue Berliner Hauptbahnhof eröffnet. Er liegt zentral auf dem Gebiet des ehemaligen Lehrter Bahnhofs nördlich des Spreebogens. Architektonisch besticht er durch eine 320 Meter lange gläserne Halle in Ost-West-Richtung, die von der in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Bahnhofshalle gekreuzt wird. Auf drei Ebenen findet man Geschäfte, Gastronomie und Reisezentren. Die Fußball-WM 2006 wird besonders für Berlin zu einem riesigen Erfolg. Beim Fanfest zwischen Brandenburger Tor und Siegessäule verfolgen rund zehn Millionen Menschen aus aller Welt die Spiele und feiern gemeinsam.

Das nächste große Projekt für das neue Berlin ist der Wiederaufbau des Stadtschlosses, das im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt und 1950 auf Geheiß des Generalsekretärs der SED (Sozialistische Einheitspartei Deutschlands) Walter Ulbricht abgerissen wurde. Um die historische Mitte Berlins zu vervollständigen, entscheidet der Bundestag, das Berliner Stadtschloss wieder aufzubauen. Den entsprechenden Wettbewerb gewinnt der italienische Architekt Franco Stella am 28. November 2008. Im Schloss, das 2016 fertig sein soll, werden die Staatlichen Museen, die Landesbibliothek und Teile der Humboldt-Universität ihren Platz finden. Der anstelle des Stadtschlosses von der DDR gebaute Palast der Republik ist bereits abgerissen worden.

Alexandra Stober, Stand vom 04.11.2009
Sendung: Das neue Berlin - Spurensuche in der Hauptstadt, 09.11.2009

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