Der Harzer Roller
Die ersten Kanarienvögel im Harz
Tiroler Bergleute brachten um 1740 die damals sehr wertvollen Vögel in den Harz. Anfang des 19. Jahrhunderts begannen die Einwohner von Sankt Andreasberg mit der Zucht und brachten den Kanarienvögeln das Singen bei. In den Gruben sollen sie auch als Sauerstoffanzeiger gedient haben, denn auf Sauerstoffmangel reagieren sie wesentlich sensibler und frühzeitiger als der Mensch: Wurde im Berg die Luft dünn, schnappten die Tiere geräuschvoll nach Luft und signalisierten damit Gefahr. Andernorts heißt es, dazu seien die Kanarienvögel zu wertvoll gewesen - die Bergarbeiter nutzten zu diesem Zweck gefangene Wildvögel.
Vogelzucht als Nebenerwerb
Ob Legende oder Wirklichkeit - die Vögel sicherten auch auf andere Art die Existenz der Bergleute: Zucht und Verkauf, ebenso wie der Bau von Käfigen, wurden zu einem wichtigen Nebenerwerb der Harzer. Besonders in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts boomte das Geschäft mit den Vögeln: Über 350 Familien in Sankt Andreasberg züchteten die kleinen gelben Sänger. Tausende von Kanarienhähnen wurden von hier bis nach Südafrika, Südamerika, Australien und in die USA exportiert.
Nur noch für Liebhaber
1890 wurde der "Verband deutscher Kanarienzüchter" gegründet, 1909 entstand ein einheitliches Prämierungssystem für die Bewertung der Vögel. Doch von nun an war die Kanarienzucht im Harz stark rückläufig. Der Erste Weltkrieg bedeutete das Aus für das einst so blühende Gewerbe. Heute züchten in Sankt Andreasberg nur noch einige Liebhaber Kanarienvögel. Erst 2001 wurde hier das "Harzer Roller-Kanarien-Museum" eröffnet. Und dieses Museum zeigt alles rund um den einstigen Exportschlager "Harzer Roller".
Claudia Heidenfelder, Stand vom 22.06.2010
Sendung: Mystischer Harz - Von Hexen, Höhlen und Harzer Rollern, 23.06.2010







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