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Alltag vor 100 Jahren

Den Schwarzwald von heute kennen die meisten als eine beliebte Reiselandschaft, urwüchsig und wildromantisch. Das frühere bäuerliche Leben mit dem Hahn auf dem Mist und eng verbunden mit der Natur, erscheint uns aus heutiger Sicht als Idylle. Doch was wir als so idyllisch empfinden, war ein harter Überlebenskampf. Denn "eng verbunden mit der Natur" bedeutete oft mehr Bedrohung als Segen: Man war abhängig von den Launen der Natur, jeder Wetterumschwung konnte die Existenz kosten.

Mehrere Männer stehen hintereinander auf einer Wiese und haben Sensen in der hand. (Rechte: SWR)

Auf den Wiesen und Feldern arbeiteten die Männer

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Der Tagesablauf

Ein typischer Tag auf einem Schwarzwaldhof begann früh. Um fünf Uhr stand man auf. Bis sieben war Feuer im Herd gemacht und das Morgenessen gekocht, die Kühe gemolken, das Schweinefutter zubereitet, alle Tiere gefüttert und der Stall ausgemistet. Zum Morgenessen, meist einer Brot- oder Milchsuppe, traf sich zum ersten Mal am Tag der ganze Haushalt in der Stube: Bauer und Bäuerin, Knechte, Mägde und die Kinder. Dann ging jeder an sein Tagwerk. Der Bauer holte Grünfutter von den Wiesen und ging dann aufs Feld oder in den Wald, die Kinder trieben das Vieh auf die Weide und hüteten es dort. Weidezäune gab es erst viel später, außerdem wurden die großen Wiesen für die Heuernte "geschont" und man ließ die Kühe an Wegrändern oder auf kleinen, abgelegenen Wiesen weiden. Die Frauen putzten das Haus, kochten das Schweinefutter für den nächsten Tag vor, tränkten das Vieh, das am Haus geblieben war, und brachten gegen neun Uhr das Vesper (Brot, Butter, etwas Speck) hinaus aufs Feld oder in den Wald.

Eine in der Stube eines Hofes beim Teigkneten. (Rechte: SWR)

Die Frauen waren für den Haushalt zuständig

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Je nach Jahreszeit arbeiteten alle gemeinsam bis zum Mittag auf den Feldern, bei der Heuernte oder im Wald. Gegen zwölf Uhr war Mittagspause, meist aß man im Haus. Nur während der Ernte brachten die Frauen auch das Mittagessen auf die Felder. Am späten Nachmittag gab es noch einmal ein Vesper mit Brot und Speck und abends mussten noch einmal die Tiere versorgt werden. Der frühe Abend war auch die Zeit, in der sich die Frauen um den Hausgarten kümmerten. Obwohl er wichtiger Bestandteil der Versorgung des Haushalts war, berichten viele Frauen, den Garten hätten sie immer "nebenher" gemacht. An bestimmten Tagen kamen zusätzliche Aufgaben dazu, die neben den anderen Tätigkeiten bewältigt werden mussten: In regelmäßigen Abständen Brot backen und Wäsche waschen, im Herbst Sauerkraut einhobeln. Etwa um zwanzig Uhr - zur Tagesschauzeit - gab es ein warmes Abendessen, Kartoffeln, Gemüse, Suppe, selten Fleisch. Danach blieben noch einige Stunden für das Nebengewerbe, Bürsten herstellen zum Beispiel oder Uhrenteile, und für kleinere Reparaturarbeiten, zum Wäsche flicken oder Bügeln. Zu Bett ging man meist erst kurz vor Mitternacht. Und beim ersten Hahnenschrei ging es wieder hinaus in den Stall...

Eine Heranwachsende geht einen schmalen Weg bergauf. Auf ihrem Rücken hat sie einen großen Korb mit Kohlköpfen darin (Rechte: SWR)

Auch die Kinder mussten mithelfen

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Arbeitsteilung

Für fast alle Aufgaben gab es eine klare Arbeitsteilung. Das Ausmisten der Ställe zum Beispiel und das Füttern der Kühe waren Männerarbeit, die Frauen molken die Kühe und fütterten die anderen Tiere. Bei der Heuernte schnitten die Männer das Gras mit der Sense und luden es später auf die Wagen, die Frauen rechten das Gras zusammen und wendeten und schüttelten es. Hausarbeit und die Verpflegung der Hofbewohner waren ausschließlich Frauenarbeit. Undenkbar, dass ein Mann sich in der Küche zu schaffen machte. Umgekehrt war zum Beispiel die Waldarbeit eindeutig Männersache. Hier waren Frauen höchstens als Pflanzerinnen dabei. Auch die Kinder waren fest in die Hofarbeit eingebunden. Zu ihren Aufgaben gehörte die Versorgung des Kleinviehs (Hasen, Hühner) und vor allem das Hüten der Kühe und Ziegen. Im Grunde hat sich der Tagesablauf auf einem Bauernhof über die Jahre kaum verändert. Erst kommt das Vieh, dann der Hof und dann die Menschen. Aber wenn man bedenkt, wie mühsam es früher war, nur einen Topf Wasser heiß zu machen, dann beginnt man zu ahnen, wie groß das Arbeitspensum wirklich war, das die Schwarzwaldbauern früher zu bewältigen hatten. Das schaffte nur, wer gut organisiert war.

Eine Heranwachsende liegt auf einer Bank vor einem Hof und schläft. (Rechte: SWR)

Zeit für ein Nickerchen gab es nur sehr selten

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Freizeit

"Frei haben wir eigentlich nie gehabt", erzählen die Bauern, "höchstens mal am Sonntag, einen halben Tag." Dann ging man in die Kirche und auf dem Rückweg vielleicht noch ins Gasthaus oder auf den Markt. Markt war in vielen Orten am Sonntag, denn der Weg ins Dorf war für die meisten Bauern zu weit, als dass sie ihn zweimal in der Woche zurücklegen konnten.

Kerstin Hoppenhaus, Stand vom 13.02.2013
Sendung: Der Schwarzwald lebt!, 07.05.2013

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