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Wer erbte früher den Hof der Eltern im Schwarzwald?

In den meisten Regionen des Schwarzwaldes galt bis weit in das 20. Jahrhundert hinein das "Anerbenrecht". Diese Rechtsform sieht vor, dass nur ein Kind den gesamten Hof erbt. Der Erbe war in der Regel der jüngste Sohn. Die anderen Kinder konnten entweder als Knechte und Mägde auf dem Hof bleiben oder die angestammte Heimat verlassen und anderweitig ihr Auskommen suchen. Die Vererbung an den jüngsten Sohn hatte den Vorteil für die Eltern, dass sie den Hof möglichst lange selbst bewirtschaften und die Kinder als Arbeitskräfte einsetzen konnten.

Blick auf einen typischen Schwarzwaldhof, der von Wiesen und Wäldern umgeben ist. (Rechte: WDR/MEV)

Der jüngste Sohn bekam den gesamten Hof

Vergrößern

Im Schwarzwald wurde der Hof noch zu Lebzeiten der Eltern vererbt. Die Hofübergabe bedeutete einen schwerwiegenden Einschnitt in ihr Leben. Als Selbstversorger waren sie jahrzehntelang unabhängig gewesen, nun gaben sie den Hof ab und waren vollständig von der Versorgung durch den Erben abhängig. Nach der Hofübergabe zogen die Eltern in ein sogenanntes "Auszugshaus" (oft auf "Leibgeding" oder "Libding" genannt), das meist in unmittelbarer Nähe des Haupthauses für sie gebaut wurde. Der Vertrag war die Grundlage für ihre Altersversorgung und die einzige Art einer Alterssicherung.

Womit putzte man sich früher im Schwarzwald die Zähne?

Mundhygiene und überhaupt medizinische Vorsorge war in den abgelegenen Lagen des Schwarzwaldes lange nicht üblich. Alte Schwarzwälder Bauern berichten, dass sie sich als Kind "ab und zu" die Zähne mit Holzasche aus dem Ofen geputzt hätten. Damit waren sie allerdings weit weniger rückständig, als das in unseren Ohren klingen mag. Holzasche war im 19. Jahrhundert ein durchaus gängiger Bestandteil von Zahnpulvern, auch in den "fortschrittlichen" Städten. Die Zahnpasten, wie wir sie heute verwenden, kamen erst im späten 19. Jahrhundert auf. Sie bestanden aus Seifenpulver, Glycerin, Kreidepulver und gebrannter Magnesia, dazu – als Luxus – einige Tropfen Pfefferminzöl.

Kerstin Hoppenhaus, Stand vom 01.06.2009
Sendung: Schwarzwald, 28.07.2008

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