Leben in der Jurte: Alltag und Tradition
Der Alltag in der Jurte ist von zahlreichen Traditionen geprägt. Das beginnt schon morgens, wenn die Frau auf dem Herd Tee mit Milch kocht. Bevor jemand davon trinkt, verspritzt sie mit einem besonderen Löffel einige Tropfen in die Umgebung, zum Beispiel in Richtung eines Berges. Auch unter Stadtbewohnern ist diese Sitte noch üblich: Sie spritzen die Milch einfach zum Fenster hinaus.
Frauen kümmern sich um die Hausarbeit
Ein-Raum-Wohnung
Obwohl das Nomadenzelt nur aus einem einzigen "Zimmer" besteht, herrscht darin eine bestimmte Raumeinteilung. So zeigt die Tür jeder Jurte immer in Richtung Süden. Auf diese Weise können Nomaden auch ohne Uhr die Zeit ablesen: Je nachdem, wie die Sonne ins Zelt scheint, wissen sie ungefähr, wie spät es ist.
Die linke, östliche Seite in einer Jurte ist die Seite der Frauen, des Haushaltes und der Familie. Die rechte, westliche Seite gehört den Männern und der Nordteil des Zeltes ist die Ehrenseite für das Familienoberhaupt und für besondere Gäste. Die Wichtigkeit eines Gastes bemisst sich für Nomaden nach dem Alter und danach, wie weit er gereist ist. Die Mitte der Jurte mit dem Herd ist für den Alltag und für die ganze Familie bestimmt.
Traditionellen Kleidung: der Del
Kleiderordnung
Zur traditionellen Kleidung der Nomaden gehört der Del. Dieses Kleidungsstück wird von Frauen und Männern auf dem Land täglich getragen. Dieser Alltagsdel ist meist aus Baumwolle, an Feiertagen tragen die Mongolen einen Del aus Seide. Auch in der Stadt ist traditionelle Kleidung wieder in Mode gekommen. Zu Hochzeiten beispielsweise tragen die Gäste keinen Anzug mehr, sondern immer öfter wieder einen Del. Bei festlichen Gelegenheiten setzen die Mongolen dazu eine spitze Haube auf, die "durbun talt malgai" heißt - der Hut mit den vier Seiten.
Der Ton macht die Musik
Die Pferdekopfgeige wird in der Mongolei bei fast jedem Fest und bei jeder Feierlichkeit gespielt. Das obere Ende dieses besonderen Instruments ziert ein geschnitzter Pferdekopf. Ihre beiden Saiten bestehen aus den Haaren vom Schweif mongolischer Pferde. Die tiefer klingende Saite ist die männliche und hat genau 130 Haare eines Hengstes. Die andere Saite besteht aus 105 Haaren einer Stute. Die Mongolen glauben, dass im Ton einer Pferdekopfgeige eine positive Kraft existiert, die alles Böse verjagt.
Claudia Heidenfelder, Stand vom 27.06.2007
Sendung: Mongolei - Zwischen Steppe und Stadt, 03.07.2007





