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Vereinigte Arabische Emirate

Ölvorkommen und Bauboom, flirrende Wüstenhitze und monumentale Hotelanlagen - die Vereinigten Arabischen Emirate sind ein Land, das viele Gegensätze in sich vereint. Es ist ein junges Land, das seit seiner Staatsgründung 1971 einem radikalen Wandel unterworfen ist. Wo Anfang des 20. Jahrhunderts noch Perlentaucher das Meer absuchten, entstehen heute gigantische künstliche Inseln, auf denen die Reichen aus aller Welt sich ein Luxusanwesen sichern. Und an den Wasserstellen der Nomaden von einst werden Golfplätze gebaut.

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Migranten aus aller Welt

Die Vereinigten Arabischen Emirate, kurz VAE, liegen im Südosten des Persisch-Arabischen Golfs. Sie bestehen aus insgesamt sieben Emiraten - Abu Dhabi, Dubai, Sharjah, Ajman, Umm al Quwain, Fujairah und Ras al-Khaimah, ihre Hauptstadt ist Abu Dhabi. Insgesamt ist das Land von seiner Fläche her nur wenig kleiner als Österreich und zählt rund vier Millionen Einwohner. Allerdings sind nur etwa ein Fünftel davon Bürger der VAE. Die anderen kommen als Arbeitsmigranten aus der ganzen Welt: Architekten und Geschäftsleute aus Westeuropa oder den USA, Hausmädchen oder Hotelangestellte von den Philippinen, Bauarbeiter aus Laos, Nepal, Indien oder Pakistan. Letztere sind unverzichtbar für die gigantischen Bauprojekte, bei denen innerhalb weniger Jahre ganze Stadtviertel neu entstehen. Der Burj Dubai, das höchste Gebäude der Welt, ist nur eins dieser spektakulären Projekte.

Im Hintergrund steht das segelförmige Hotel Burj al-Arab im Meer. Davor sind begrünte Pools und Wasserläufe zwischen den Häusern zu sehen. (Rechte: Mauritius)

Die Emiratis lieben Grünanlagen

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Wenig Regen - hoher Wasserbedarf

Im Süden und Westen grenzen die Vereinigten Arabischen Emirate an Saudi-Arabien, im Osten an Oman. In den Arabischen Emiraten regnet es selten, bisweilen nur an zwei Tagen im Jahr. Von Oktober bis April ist das Klima am besten erträglich. Hier liegen die Temperaturen durchschnittlich um 25 Grad Celsius. Im Juli und August können die Spitzenwerte dagegen bis 50 Grad Celsius betragen. Dabei ist die Luft in der Wüste trocken, an der Küste kann eine Luftfeuchtigkeit bis über 90 Prozent hinzukommen. Etwa zwei Drittel des Landes sind von Sandwüste bedeckt. Trotz des Klimas in ihrer Heimat lieben die Emiratis Grünflächen, vor allem auf Golfplätzen. Der Wasserbedarf des Landes ist enorm. Zu rund drei Vierteln muss er aus Meerwasser-Entsalzungsanlagen gedeckt werden. Das restliche Viertel stammt derzeit noch aus aufgefangenem Grundwasser aus dem Hadjar-Gebirge im Norden des Landes, doch der Grundwasserspiegel sank vor allem innerhalb der letzten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts deutlich ab.

Das Foto zeigt ein Freilichtmuseum. Im Vordergrund links liegen zwei Holzboote, im Hintergrund ist ein Gebäude mit Windturm zu sehen. (Rechte: Mauritius)

Im "Diving Village" Dubai sind Boote der Perlenfischer ausgestellt

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Perlentaucher und Beduinen

Lange existierten die sieben Emirate gänzlich unabhängig voneinander. Ein jedes wurde von seinem Stammesfürsten regiert. Die Lebensbedingungen waren hart: An der Küste lebten die Menschen vom Fischfang und von der Perlentaucherei, im Landesinneren versorgten die Oasen mit ihren Dattelpalmen die nomadisierenden Beduinen und die sesshaften Bewohner. Nach außen sicherte seit Mitte des 19. Jahrhunderts ein Friedensvertrag mit England die Region. Das Empire war an der Stabilität seines Seewegs nach Indien interessiert. Deshalb stationierte man einen Vertreter der britischen Regierung in Dubai und organisierte regelmäßige Treffen der Scheichs, um regionale Konflikte zu lösen.

Schwierig wurde die Situation allerdings ab den 1950er Jahren, seit zum einen von Seiten des Iran, zum anderen von Saudi-Arabien territoriale Übergriffe zu befürchten waren. Daher löste 1968 die Ankündigung Englands, sich aus der Region zurückziehen zu wollen, Entsetzen aus. Den Emiren war rasch klar, dass sie sich nur gemeinsam gegen die mächtigen Nachbarn zur Wehr setzen können würden.

Außer den sieben Emiraten saßen zunächst auch Bahrain und Katar mit am Verhandlungstisch. Letztere entschieden sich jedoch dafür, souveräne Kleinstaaten zu bleiben. Sechs der übrigen Scheichs waren sich zum Jahresende 1971 über die Gründung eines neuen, gemeinsamen Staats einig, der Emir von Ras al Khaimah unterschrieb drei Monate später. Im Vergleich zu heute waren die VAE zu diesem Zeitpunkt sehr dünn besiedelt: Der neue Staat zählte gerade einmal rund 180.000 Einwohner. Die meisten Menschen lebten in Palmblatthütten. Nur die regierenden Scheichs oder wohlhabende Perlenhändler konnten sich feste Häuser leisten.

Macht und Einfluss - die Herrscherfamilien

Die VAE sind föderal strukturiert. Dabei sind die einzelnen Emirate hinsichtlich Finanzkraft und Bodenschätzen deutlich unterschiedlich ausgestattet. In Abu Dhabi beispielsweise gibt es die größten Ölvorkommen; rund 95 Prozent des emiratischen Öls stammt von hier. Dubai dagegen war schon vor rund 1000 Jahren ein wichtiges Handelszentrum. Diese wirtschaftliche Schlüsselstellung der beiden auch bevölkerungsreichsten Emirate hat sich bis heute gehalten. Im Vergleich dazu ist die wirtschaftliche Bedeutung der übrigen fünf deutlich geringer. Das spiegelt sich auch in der politischen Hierarchie wider: Traditionell ist der Emir von Abu Dhabi Präsident der VAE, Dubai stellt den Vizepräsidenten.

Im Vordergrund ist eine Palme zu sehen. Den Hauptteil des Bildes nimmt eine Industrieanlage mit zehn rot-weiß geringelten Schornsteinen ein. (Rechte: dpa)

Ölverarbeitende Industrie in Abu Dhabi

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Die Machtverteilung im Land ist zwar grundsätzlich patriarchalisch aufgebaut und die Thronfolge innerhalb eines Emirats wird vererbt. Aber es gibt auch zunehmend demokratisch bestimmte Gremien, beispielsweise den Nationalen Bundesrat, von dem 2006 erstmals die Hälfte der Mitglieder gewählt wurde. Allerdings ist seine Macht, so die Einschätzung des Auswärtigen Amtes der Bundesrepublik Deutschland, nicht mit einem Parlament nach westlichem Verständnis vergleichbar. Parteien oder Gewerkschaften gibt es in den VAE nicht, vielmehr zählt, wer zu welcher der einflussreichen Herrscherfamilien der Länder gehört. Dabei ist die Machtausübung jedoch nicht allein auf Männer beschränkt. So wurden im Jahr 2008 zwei Ministerien von Frauen geführt, eines davon das Außenhandelsministerium.

Die Computersimulation zeigt ein futuristisches Gebäude auf einer dunkel glänzenden Fläche. Es erinnert an einen zufällig aufeinander geschütteten Haufen von Spielzeugwürfeln. (Rechte: dpa)

So soll das Guggenheim Abu Dhabi aussehen

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Öl, Handel und Tourismus

Im Jahr 1958 wurde in Abu Dhabi erstmals Erdöl gefunden, 1966 dann in Dubai. Obwohl ein guter Teil des emiratischen Reichtums auf Erdöl begründet ist, versuchen die Scheichs, ihre wirtschaftliche Abhängigkeit vom "schwarzen Gold" zu verringern. Liberale Wirtschaftsgesetze machen die VAE zu einem wichtigen Handelsplatz. Auch Geschäfte westlicher Firmen mit umstrittenen Regimes wie dem Iran wurden und werden häufig über Dubai abgewickelt.

Jahrelang herrschte in Dubai ein beispielloser Bauboom: Hotels - überwiegend mit gehobener Ausstattung und entsprechenden Preisen - schossen wie Pilze aus dem Boden. Vergnügungsparks und Golfplätze sollten Urlauber locken, und spektakuläre Bauprojekte wie künstliche Inseln sorgten weltweit für Aufmerksamkeit. Doch die globale Finanz- und Wirtschaftskrise traf Dubai hart, da man viel geborgtes Geld in Gebäude gesteckt hatte, für die es jetzt keine Käufer mehr gibt. Der Staatsfond Dubai World und seine Immobilientochter Nakheel, die mit einer künstlichen Insel in Palmenform bekannt geworden war, haben Ende 2009 knapp 60 Milliarden Dollar Schulden.

Abu Dhabi dagegen hat die Krise weniger hart getroffen, weil es seinen Reichtum vor allem auf Öl gründet. So baut das Emirat munter weiter und setzt dabei auf Kulturtouristen. Auf der Insel Saadiyat entstehen mehrere gigantische Kulturtempel. So sollen voraussichtlich ab 2013 Louvre und Guggenheim Abu Dhabi quasi zum Pflichtprogramm der kunstinteressierten Weltelite gehören.

Christina Lüdeke, Stand vom 03.12.2009
Sendung: Dubai, Abu Dhabi & Co, 23.06.2008

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