Königin Beatrix - Die politische Monarchin
Die intellektuelle Politikliebhaberin
In ihrer Weihnachtsansprache 2007 zeigte sich Beatrix wieder einmal von ihrer politischen Seite: Sie warnte rechte Politiker davor, dass Kritik am Islam schnell in Hetze gegen Muslime umschlagen könne und rügte die, die für "Grobheit in Wort und Tat" in diesem Zusammenhang verantwortlich seien. Damit richtete sie sich indirekt an den äußerst islamkritischen Politiker Geert Wilders. Dieser bezeichnete Beatrix´ Rede als "tellervoll mit Multikulti-Unsinn" und forderte, dass die Königin fortan nicht mehr formell der Regierung angehören, sondern nur noch Bänder bei Eröffnungen durchschneiden solle. Doch Beatrix Wilhelmina Armgard von Oranien-Nassau und von Lippe-Biesterfeld hat sich noch nie den Mund verbieten lassen.
Geboren wird die spätere Regentin am 31. Januar 1938 im niederländischen Baarn. Als Beatrix zwei Jahre alt ist, flieht ihre Familie vor den Nationalsozialisten zunächst nach England und von dort nach Kanada. Nach ihrer Rückkehr in die Niederlande wächst sie beinahe normal auf: Sie besucht öffentliche Schulen und studiert später Sozial- und Rechtswissenschaften an der Universität von Leiden - Abschluss: Promotion. Anschließend widmet sich Beatrix ausgiebig einer ihrer großen Leidenschaften, dem Reisen. Bereits seit ihrem 18. Geburtstag gehört sie als Thronfolgerin dem Staatsrat an und sammelt in dieser Institution, die aus höchstens 28 von der Krone auf Lebenszeit berufenen Mitgliedern besteht und über Gesetzesvorlagen berät, politische Erfahrungen.
Der gestrenge Workaholic
Ihren Ehemann lernt die Kronprinzessin im Sommer 1964 bei einem Polterabend im Taunus kennen. Nur ein Jahr später lässt Mutter Juliana die Verlobung ihrer Tochter mit dem Diplomaten Claus von Amsberg verkünden. Dieser hat allerdings für die Niederländer einen entscheidenden Makel: Er ist Deutscher. Beatrix lässt sich von der Kritik jedoch nicht beirren und setzt die Hochzeit durch. Beinahe gelingt es militanten Hausbesetzern, die Feierlichkeiten in Amsterdam zu stürmen. Doch Prinz Claus wird schnell zum beliebtesten Mitglied des Königshauses: Im Gegensatz zu Beatrix, die temperamentvoll und außerordentlich ungeduldig ist, ist er ruhig und bescheiden. Er trägt dazu bei, dass sich im Laufe der Jahre das Verhältnis zwischen Niederländern und Deutschen wesentlich verbessert. Als Prinz Claus im Jahr 2002 nach langer Krankheit stirbt, trauern die Niederländer zutiefst mit der königlichen Familie.
Über ihr Amt hat die niederländische Königin einmal gesagt: "Man unterschätzt, wie einsam es ist." Doch beklagen würde sich Beatrix nie. Der niederländische Historiker Jan Willem Brouwer charakterisiert sie als klug, tapfer und streng, mit Distanz zu den Bürgern. Sie sei eine effiziente Königin. Ihr direkter Kontakt zur Politik könnte kaum enger sein: Jeden Montag trifft sie sich mit dem Ministerpräsidenten, um die aktuelle Lage zu besprechen. Zwar hat die Regentin laut der Verfassung keine politische Macht, aber sie weiß, Einfluss zu nehmen: So brachte sie die Regierung in Bedrängnis, als sie sich 1986 öffentlich gegen die Stationierung amerikanischer Mittelstreckenraketen aussprach. Sie engagiert sich für die Integration Europas sowie den Umweltschutz und macht aus ihrer Zustimmung zu einer liberalen Drogenpolitik keinen Hehl.
Die disziplinliebende Selbstbewusste
Seit dem 30. April 1980, seit der Abdankung ihrer Mutter an deren 71. Geburtstag, ist Beatrix Königin. Sie ist in jeder Hinsicht eine selbstbewusste Frau, der manchmal fehlende Wärme unterstellt wird und die ihr Amt so ganz anders als Juliana interpretiert: autoritärer, strenger dem Protokoll folgend, mit mehr Diszplin - in jeder Hinsicht. Beatrix´ Mutter zu Ehren feiern die Niederländer den "Koniginnendag" noch immer am 30. April, dem Geburtstag Julianas - und Beatrix den eigenen im kleinen Kreis in Den Haag. Dann möchte sie Privatheit. Zu ihrem 60. Geburtstag war ein riesiges Straßenfest in Amsterdam geplant. Sie ließ es absagen.
Wie resolut Beatrix ihre Vorstellungen und Interessen auch in der Tagespolitik zur Geltung bringt, wissen allein die Mitglieder der Regierung. Das niederländische Volk erfährt darüber nichts - was auch für den Zeitpunkt der Abdankung Beatrix´ zu Gunsten ihres ältesten Sohnes Willem Alexander gilt. Rund um ihren 70. Geburtstag am 31. Januar 2008 gab es einige Stimmen, die sagten, Majestät möge doch lieber abtreten und mit ihren zahlreichen Enkelkindern das Leben genießen. Sie könnte sich dann auch intensiver einer weiteren Leidenschaft widmen: der Bildhauerei. Doch auch hier lässt sich Beatrix von niemandem etwas raten: "Ich entscheide, wann ich in Rente gehe." Offensichtlich fühlt sich die niederländische Königin noch nicht wie eine Rentnerin.
Alexandra Stober, Stand vom 01.06.2009









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