Museums- und Musikstadt Bonn
Museen für jeden Geschmack
An lauen Sommerabenden lauschen hier mehrere Tausend Menschen Konzerten von Bob Dylan, Eros Ramazotti oder Liza Minelli; im Winter drängen sich die Schlittschuhläufer auf der Eisbahn und das Cafe ist zu jeder Jahreszeit voll besetzt - nicht nur Kunstfreunde lieben den Museumsplatz, das Herzstück der so genannten Bonner "Museumsmeile". Kein Wunder: Allein die Architektur des offen und licht gestalteten Kunstmuseums und der Kunst- und Ausstellungshalle mit den charakteristischen Lichttürmen ist sehenswert. Aber die fünf großen Häuser, die zur Museumsmeile gehören, haben noch mehr zu bieten. Während das Kunstmuseum eine eigene Sammlung mit Werken von August Macke und anderen Rheinischen Expressionisten sowie deutscher Gegenwartskunst besitzt, zieht die Kunst- und Ausstellungshalle mit im Durchschnitt acht großen hochkarätigen Wechselausstellungen pro Jahr Hunderttausende von Besuchern an. Rekorde verzeichnete zum Beispiel die Schau "Tutanchamun - Das goldene Jenseits - Grabschätze aus dem Reich der Könige".
Der Mercedes 300, mit dem Adenauer seine erste Moskau-Reise unternahm, ein Original-50er-Jahre-Kino oder der Haftbefehl für Erich Honecker - im Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland gibt es auf mehr als 4000 Quadratmetern deutsche Zeitgeschichte zum Anfassen.
Nur ein paar Schritte sind es von der Bonner Adenauerallee und plötzlich steht man mitten in der afrikanischen Savanne im Schatten eines riesigen Baobab-Baums, schaut den Zebras beim Trinken zu und betrachtet mit respektvollem Abstand den Leoparden, der gerade genüsslich seine Beute verschlingt. Diese Landschaft ist Teil der Dauerausstellung "Unser blauer Planet" im 2003 frisch renovierten Museum Alexander König. Es zählt zu den größten Naturkundemuseen Deutschlands und gehört ebenfalls zur Museumsmeile. Nach der Savanne geht es durch einen Kältetunnel in die "Eiswelt". Dort kann man unter anderem ein Walskelett bestaunen und die Kinder dürfen erkunden, wie ein Iglu von innen aussieht.
Wie funktioniert eigentlich ein Airbag? Warum war es so kompliziert, einen MP3-Player zu entwickeln? Und wie sieht ein original Transrapid eigentlich aus? Das erfahren die Besucher im fünften zur Museumsmeile gehörenden Haus, dem Deutschen Museum Bonn. Hier soll technisches Wissen auf unterhaltsame Art vermittelt werden. Neben den Häusern der Museumsmeile locken viele weitere Museen in Bonn, vom Arithmeum im Institut für diskrete Mathematik mit seiner Sammlung mechanischer Rechenmaschinen über das Rheinische Landesmuseum, das Zeugnisse rheinischer Geschichte von der Steinzeit bis heute zeigt, bis hin zum ersten Frauenmuseum der Welt in einem ehemaligen Kaufhaus, das seit seiner Gründung 1981 die Arbeiten von rund 3000 Künstlerinnen gezeigt hat.
Heimat eines Genies - Beethovens Jahre in Bonn
"Dich versteh ich, Du sprichst Bönnsch" soll Beethoven begeistert ausgerufen haben, als ihn der Bonner Gartenarchitekt Peter Joseph Lenné in Wien besuchte. Und dabei wird der berühmte Komponist mit seinem Geburtsort nicht nur positive Erinnerungen verbunden haben.
Ludwig van Beethoven wird als Sohn einer alteingesessenen Bonner Familie im Jahre 1770 im Dachgeschoss eines Hinterhauses in der Bonner Innenstadt geboren. Sein strenger und ehrgeiziger Vater Johann erkennt schon früh die herausragende musikalische Begabung seines Sohnes und will aus ihm ein Wunderkind nach Mozarts Vorbild machen. Er soll den Sohn des Öfteren nachts aus dem Bett geholt und ans Klavier gezwungen haben. Beethovens Begeisterung für die Musik tut das keinen Abbruch. Schon als Elfjähriger übernimmt er Dienste als Organist in der Minoritenkirche. Mit knapp 14 Jahren wird er zum ordentlichen Hoforganisten des Kurfürsten Max Franz ernannt.
1787 schickt der Kurfürst Beethoven nach Wien mit dem Ziel, ihn bei Mozart ausbilden zu lassen. Der junge Musiker kehrt aber bald zurück, weil seine geliebte Mutter schwer erkrankt ist. Am 17. Juli wird sie in Bonn auf dem Alten Friedhof beerdigt. Weil sein Vater immer mehr dem Alkohol verfällt, muss Beethoven nun die Familie versorgen. Das Komponieren vernachlässigt er darüber nicht: Rund 40 Werke sollen während seiner Bonner Jahre entstanden sein. Mit 21 Jahren kehrt er der Stadt den Rücken und wird in Wien Schüler Haydns. Er kehrt nie mehr in seine Heimat zurück.
In Bonn auf Beethovens Spuren
Schon am frühen Morgen stehen japanische Touristen oder französische Schulklassen vor dem Altbau in einer Seitengasse der Innenstadt und warten auf Einlass - das Beethoven-Haus, Geburtsort des berühmten Komponisten, ist für kulturinteressierte Bonn-Besucher ein Muss. Dass es heute überhaupt noch existiert, ist vor allem zwölf wohlhabenden Bürgern zu verdanken, die 1889 den "Verein Beethoven-Haus" gründeten, um das von Verfall bedrohte Gebäude zu retten. Zu diesem Zeitpunkt war es zu einer billigen Bierkneipe heruntergekommen.
Heute besitzt das Haus mit mehr als 1000 Originalhandschriften, Gemälden, Musikinstrumenten, darunter Beethovens Bratsche, die größte private Beethoven-Sammlung der Welt. Die Ausstellung zeigt auch die Hörrohre des früh taub gewordenen Musikers sowie seine Lebend- und Totenmasken. Das Archiv und die Bibliothek sind Pilgerstätten für Musikliebhaber. Seit 2004 gibt es im Nebenhaus "Im Mohren" außerdem das digitale Beethoven-Haus. Hier können Besucher im Studio für digitale Sammlungen an Computerplätzen Beethovens Werke in seiner Originalhandschrift ansehen und anhören, sich seine Briefe vorlesen lassen oder eine digitale Rekonstruktion seiner letzten Wohnung anschauen; oder im Gewölbekeller des Gebäudes auf der Bühne für Musikvisualisierung eine 3D-Inszenierung von Beethovens "Fidelio" anschauen. Pro Jahr lockt das Beethovenhaus etwa 90.000 Besucher an.
Ein Highlight für Klassikfans ist auch das Internationale Beethovenfest, das inzwischen jedes Jahr zwischen Mitte September und Mitte Oktober mit rund 50 Konzerten in Bonn und im Umland stattfindet. Und selbst beim Einkaufsbummel in der Innenstadt trifft man fast unweigerlich auf den Meister - schließlich blickt sein Ebenbild, das Beethoven-Denkmal, seit 1845 mit ziemlich strenger Miene auf den Münsterplatz herab.
Annette Holtmeyer, Stand vom 01.06.2009











