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Herbert Knebel (Uwe Lyko)

Seine Markenzeichen: Hornbrille, Helmut-Schmidt-Mütze und trockener Ruhrgebietshumor. Ob Diätwahn, Kontaktanzeigen, Talentshows, Modetrends oder das Gesundheitssystem - es gibt nichts, worüber sich der Frührentner aus Essen-Altenessen nicht aufregt. Sarkastisch und mit Charme durchforstet Herbert Knebel den Alltag und hält der Gesellschaft einen Spiegel vor. Im feinsten Ruhrpottdeutsch begeistert Uwe Lyko mit der Ruhrgebietsfigur Herbert Knebel seit fast 20 Jahren sein Publikum.

Der Kabarettist Uwe Lyko als Herbert Knebel bei einem Auftritt. Er trägt Hornbrille und Mütze. (Rechte: dpa)

Uwe Lyko als Herbert Knebel in Aktion

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Die Geburtsstunde Herbert Knebels

Wann genau Herbert Knebel geboren wurde, kann der Kabarettist und Komödiant Uwe Lyko heute gar nicht mehr so genau sagen. Es ist auf jeden Fall nicht so, dass er es sich vorgenommen und die Figur auf dem Reißbrett entworfen hätte. Herbert Knebel entsteht Anfang 1988 eher zufällig in einer Probesituation mit Kollegen. Beim Rumexperimentieren sind da auf einmal die Stimme und die Gestik, die ihn heute so unverwechselbar machen. Die Reaktion auf die Bühnenfigur ist im Kollegenkreis so positiv, dass er sie weiterentwickelt und ihr auch die äußere Form gibt: Eine Hose von Woolworth, eine Jacke aus der Altkleidersammlung, eine Hornbrille und eine Mütze bilden sein Outfit.

Eine wichtige Rolle spielen dabei die Erfahrungen und Erinnerungen des Wahl-Esseners. Geboren und aufgewachsen im Duisburger Arbeiterstadtteil Neumühl sind Uwe Lyko Menschen wie Herbert Knebel durchaus bekannt. Ob auf dem Nachhauseweg von der Schule oder auf dem Weg zur Fußballwiese hinterm Haus - auf nörgelnde, weltverbessernde Rentner trifft er in seiner Kindheit immer wieder - meist vor dem Kiosk. Unbewusst, so meint er, muss ihn das geprägt haben und deshalb kommt wohl die Ruhrgebietsmentalität seiner Figur auch so authentisch rüber.

Knebels Affentheater

1988 gründet der gelernte Fernmeldetechniker Uwe Lyko zusammen mit seinen Kollegen die Band und Kabarettgruppe "Herbert Knebels Affentheater". Nach einigen Mitgliederwechseln in der ersten Zeit entsteht die heutige vierköpfige Formation. Zu Herbert Knebel gesellen sich seine Rentnerkollegen Ernst Pichel, der Trainer und Ozzy Ostermann, die im richtigen Leben Martin Breuer, Detlef Hinze, Georg Goebel-Jackobi heißen und Profi-Musiker sind. Auch sie kommen, wie Uwe Lyko, aus dem Ruhrgebiet. Zuerst treten sie nur auf Kleinkunstbühnen rund um Essen auf, wo sie bald zur Kultgruppe werden.

Uwe Lyko und seine Kollegen feilen die Figur Herbert Knebel immer weiter aus. Dabei ist ihnen immer wichtig, dass Knebel Themen und Situationen anspricht, die jeder kennt oder schon mal erlebt hat. Zum Beispiel die Geschichte mit der Schlange an der Wursttheke, eine ziemlich bekannte Knebel-Nummer, in der er von einer Frau erzählt, die von jeder Wurst nur zwei Scheiben kauft und Knebel damit zur Weißglut bringt, oder Geschichten vom Strukturwandel im Ruhrgebiet und wie aus Zechen Freizeitparks und Museen werden - die Menschen des Reviers aber damit nichts anfangen können. Das hat auch etwas Universelles und könnte ebenso für den Strukturwandel im Saarland stehen. Auch aktuelle Themen wie Bauchnabel-Piercings im Alter und das leidige Telefonieren mit Hotline-Computern beleuchtet Herbert Knebel kritisch.

Der Ruhrpott-Opa erobert das Publikum

Mit seinen verbalen und musikalischen Einlagen trifft er den Nerv seines Publikums. Immer "frei Schnauze" - so wie man halt im Ruhrgebiet ist. Knapp und direkt. Ohne "Dönekes" (ausschmückende Erzählungen) "tut er Butter bei die Fische" (kommt auf den Punkt). Knebels satirische Sichtweise, gepaart mit seinem schroffen Ruhrgebiets-Dialekt, hat sich auch über die Grenzen des Reviers hinweg schnell durchgesetzt. Im Rheinland, in Hamburg oder München hat das Publikum bei seinen Auftritten vor Lachen Tränen in den Augen. Dass er typisch "Ruhrpottdeutsch" spricht, war von Uwe Lyko nie mit Absicht geplant. Es war einfach sofort klar, als die Figur Herbert Knebel entstand. "Mütze und Brille auf und der sprach einfach sofort so", meint Lyko. Wenn er näher darüber nachdenkt, fällt ihm aber auf, dass seine Großmutter auch so ähnlich sprach und dass sie sich immer darüber wunderte, wenn sie am Telefon von Auswärtigen oft nicht verstanden wurde. Unbewusst hat er diesen Ruhrgebiets-Dialekt wohl mit verarbeitet, sagt er.

Auch die Art der Menschen im Ruhrgebiet spiegelt sich in Herbert Knebel wider. Trocken, aber liebenswert. Dass Herbert Knebel in ganz Deutschland zur Symbolfigur des Reviers geworden ist, versteht Lyko nicht. Für ihn ist das nur Zufall, weil er nun mal aus dem Ruhrpott kommt, hier lebt und nie woanders leben möchte. Deshalb sei es logisch, dass seine Figur auch ein "Ruhri" ist. Herbert Knebel könne aber genauso ein Ostfriese oder Bayer sein, der mit seinem Dialekt und seiner Mentalität die Themen präsentiert. Mitte der 90er Jahre wird das Fernsehen auf Herbert Knebel aufmerksam. Es folgen etliche Auftritte mit der Gruppe und auch Solonummern wie in den "Mitternachtsspitzen" des WDR. Herbert Knebel und sein "Affentheater" erzielen immer mehr Popularität.

Kulturbotschafter des Ruhrgebiets

Längst ist Herbert Knebel über die Grenzen des Ruhrgebiets hinweg bekannt und zu einem Symbol für das Revier geworden. Darum hat ihn das Organisationsbüro der "Ruhrregion - Kulturhauptstadt 2010" gebeten, das Amt des Kulturbotschafters zu übernehmen. Eine Aufgabe, die Uwe Lyko gerne angenommen hat, obwohl er sich immer noch nicht als Symbolfigur sieht. Doch Herbert Knebel gehört mit den Geschichten über seine Frau Guste und ihre "Zipperlein" oder seine gepiercte Enkelin Jackeline schon längst zum Kulturgut des Reviers, und sein Aussehen eignet sich bestens dazu, dem Ruhrgebiet ein unverwechselbares Gesicht zu geben.

Inés Carrasco, Stand vom 14.10.2009

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Bildcollage zum Thema Nordrhein-Westfalen. (Rechte: WDR)

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