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Der Hindenburgdamm - Shuttle zur Insel

Es gibt Leute, die halten den 11,2 Kilometer langen Deich durchs Watt für die einzig rentable Strecke der Deutschen Bahn. Denn über den 1927 in Betrieb genommenen Hindenburgdamm rollen täglich 100 bis 120 Züge.

Schwarzweiß-Foto: Dampfzug rollt über Damm. (Rechte: dpa)

Bequeme Verbindung zum Festland

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Ein Deich zwischen Meer und Marsch

Eigentlich sollte die Verbindung zwischen Sylt und dem Festland vor allem den Fortbestand der Insel sichern. Dies war zumindest schon 1856 der Grundgedanke des Sylter Universalgenies Christian Peter Hansen (1803-1879). In diesem Jahr schlug der Schulmeister, Schriftsteller und Heimatforscher den Bau eines Dammes vor, um dem Meer Marschland abzutrotzen. Der Zeitpunkt seines Vorschlages fiel allerdings fast mit der Gründung des Seebades Westerland 1855 zusammen - gute Verkehrsanbindungen waren seitdem ohnehin gefragt. Der Gedanke ließ den Chronisten jahrelang nicht los. Am 14. März 1868 schrieb er in den Eiderstedter Nachrichten: "Wie vieles könnte z.B. in den genannten Marsch-, Insel- und Wattengegenden unseres Vaterlandes zum Besseren gewendet werden, wenn von der Ostspitze der Insel Sylt nach der anderthalb Meilen entfernten Wiedingharde auf dem hohen Watt ein Damm angelegt und etwa von Tondern oder Hoyer aus eine Chaussee oder Eisenbahn auf dem Damm nach Sylt etwa bis Keitum erbaut würde!" Den Bau des Dammes sollte Christian Peter Hansen allerdings nicht mehr erleben.

Schwarzweiß-Foto: Eine Dampflok rollt in einen Bahnhof ein. Eine Menschenmenge mit Fahnen erwartet den Zug. (Rechte: ddp)

Der erste Zug rollt in den Bahnhof Sylt ein

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Angst vor Fremden

Zwar hatte der Geologe Ludwig Meyn (1820-1878) im Jahre 1876 den Wattboden für tauglich erklärt, um darauf einen Damm zu bauen. Doch daraufhin erhob sich zunächst ein von den Syltern ausgehender Sturm der Entrüstung. Man witterte Überfremdung und nachteilige Veränderungen der jahrhundertealten sylterfriesischen Kultur. 1913 wurde der Dammbau schließlich doch vom preußischen Landtag genehmigt, doch nun verhinderte der Erste Weltkrieg die Ausführung. Nach dem Krieg machte die Abtrennung Nordschleswigs und der Verlust des Hafens Hoyerschleuse an Dänemark eine Verbindung von Sylt zum deutschen Festland unverzichtbar. Auch die Bedenken der Sylter waren ausgeräumt - mittlerweile hatte die Skepsis vor dem Fremden dem Glauben an den Fortschritt Platz gemacht.

Zwei entgegengesetzte Züge, einer mit Autos beladen. (Rechte: dpa)

Ein zweites Gleis bekam der Damm 1972

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Vier Jahre Tag- und Nachtschicht im Watt

Nach Vorarbeiten ab 1921 wurde im Mai 1923 mit dem Bau des Dammes begonnen. Doch schon im August 1923 zerstörte eine Sturmflut alles bisher Geleistete. Im Jahr darauf sollte eine Spundwand durch das Watt einen weiteren derartigen Rückschlag verhindern. Diese Wand aus ineinander greifenden, in den Boden gerammten Holzbohlen und dazwischen gestopften Strohballen sollte das Wasser abhalten. 1500 Arbeiter waren fortan in Tag- und Nachtschichten beschäftigt. Täglich lieferten 70 Zugwaggons das nötige Baumaterial vom Festland her an. Zusätzlich transportierten 30 Segler, drei Schlepper und 20 Lastkähne Baustoffe aus Husum an. Wasserbauingenieur Hans Pfeiffer ließ 3,6 Millionen Kubikmeter Erde, über 400.000 Tonnen Steine, Kies, Busch und Pfähle bewegen. So erreichte das rund zehn Meter hohe Bauwerk eine Sohlenbreite von 50 Metern, die Dammkrone geriet zehn Meter breit.

Autoschlange auf einem Autozug, der über den Hindenburgdamm fährt. (Rechte: dpa)

Autos waren eine Bedrohung für die Insel

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Peilobjekt und Laufsteg für Maulwürfe

Nach vier Jahren Bauzeit wurde der 25 Millionen Reichsmark teure Eisenbahndamm am 1. Juni 1927 vom damaligen Reichspräsidenten Paul von Hindenburg eingeweiht, jedoch nicht offiziell auf dessen Namen getauft. Die Idee für die Bezeichnung Hindenburgdamm entsprang der Laune eines Westerländer Stadtvertreters beim Festessen und setzte sich anschließend durch. Der Autozug nahm 1932 seinen Betrieb auf, seit 1962 pendeln Doppelstockwagen. Ein zweites Gleis wurde allerdings erst 1972 verlegt. Der Dammbau hatte positive und weniger gute Nebeneffekte: So wurde durch den Damm die Verschlickung des Watts gefördert und er ermöglichte 1954 die Eindeichung des 1400 Hektar großen Friedrich-Wilhelm-Lübke-Koogs auf dem Festland südlich des Damms; vielen Freizeitpiloten dient der Hindenburgdamm als Peilobjekt bei ihrem Anflug auf den Westerländer Flughafen. Andererseits gelangen über die Verbindung zum Festland unter anderem Füchse und Dachse auf die Insel - mit enormen Folgen für die Vogelwelt. Füchse gibt es heute einige Hundert auf Sylt und die Allesfresser Dachse sind mittlerweile überall präsent. Als Nesträuber sind sowohl Füchse als auch Dachse eine Bedrohung für Brutvögel und Niederwild. Sie sind die Ursache dafür, dass auf Sylt deutlich weniger Vögel auf ihren Eiern sitzen als auf anderen deutschen Nordseeinseln.

Auch die über den Damm transportierten Autos stellten in den ersten Jahrzehnten des Hindenburgdammes eine Bedrohung für die Insel dar. Da es nicht genügend Straßen und Parkplätze gab, bahnten sich Autofahrer ihre eigenen Wege durch die Dünen, um möglichst in Strandnähe zu parken. Ende der 60er Jahre begann man mit dem verstärkten Ausbau der Straßen und Parkplätze. So hat man heute das Problem der rund 450.000 Autos, die in den Sommermonaten über die Insel rollen, weitgehend im Griff.

Beatrix von Kalben, Stand vom 01.09.2009

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